Stand: 08.04.2019 10:00 Uhr

Neu im Kino: "Christo - Walking on Water"

Christo - Walking on Water
, Regie: Andrey Paounov
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude realisierte der Künstler Christo unter anderem die verhüllte Küste in Australien, den "Running Fence" - einen Zaun aus Stoffbahnen - in Kalifornien und stellte die "Umbrellas" auf, gelbe und blaue Schirme in Japan und den USA. In Deutschland verhüllte er 1995 den Berliner Reichstag.

Das Künstlerpaar galt als symbiotisch. Nach dem Tod seiner Frau legte Christo zunächst die Arbeit an dem gemeinsam konzipierten Projekt "Floating Piers" nieder. Zehn Jahre später realisierte er es allerdings dann doch in Italien. Nun kommt ein Dokumentarfilm über das Projekt in die Kinos: "Christo - Walking on Water".

Christos Kunst ist sinnfrei, aber schön

"Alle unsere Projekte sind völlig sinnlos. Sie haben keinerlei Funktion, außer schön auszusehen. Sie existieren nur, weil Jeanne-Claude und ich sie mögen und wir sie gern anschauen", sagte der Künstler. Und sie existieren natürlich auch, weil mit Christo Hunderttausende von Menschen auf der ganzen Welt, je nach geografischer Erreichbarkeit, sich gern die Kunstwerke anschauen - oder an ihnen Teil haben.

Die Verhüllung des Reichstags zum Beispiel war seinerzeit ein riesiges Happening, im Rahmen dessen sich Besucher aus aller Welt auf der Wiese vor dem Regierungsgebäude niederließen - mit Picknicks, Musik, und Artisten-Show, einfach ein schöner Spaß.

Mehr als 1,2 Millionen Besucher lockte das "Floating Piers"-Projekt an. 1970 wollte Christo das Projekt mit seiner Frau Jeanne-Claude in Argentinien realisieren, im Delta des Tigre-Flusses in der Nähe von Buenos Aires. Doch das Künstlerpaar bekam keine Genehmigung. Genauso wenig wie etwas später in Japan. Schließlich gaben die Italiener eine Zusage. Entstehen sollten die "Floating Piers" vor dem Bergpanorama der Alpen am Iseosee. Dabei wurden zwei Inseln mit dem Ufer über Pontons verbunden, deren schwankende Stege Christo mit leuchtend gelben Stoffbahnen verband und den Besuchern die Erfahrung von "auf dem Wasser gehen" ermöglichte.

Etliche Hindernisse müssen überwunden werden

Das hat vor Christo in der ursprünglichen Form angeblich nur Jesus Christus geschafft. Bevor es so weit war, gab es diverse Hindernisse zu überwinden. Im Film wird klar, was für ein logistischer Alptraum ein solches Riesenprojekt ist, welche technischen Herausforderungen und Kämpfe mit der schieren Kraft der Natur dabei im Spiel sind, wenn ein kompromissloser Mann wie Christo dabei ist, seinen Traum zu realisieren. Und zwar genauso, wie er sich ihn vorstellt, und nicht einen Deut anders.

Man sieht einen bisweilen ausgesprochen störrischen Mann, der sowohl mit jugendlichem Charme und Begeisterungsfähigkeit bezirzen, aber auch mit uneinsichtiger Sturheit seinem Umfeld ganz schön auf die Nerven gehen kann. Während der Bauphase gibt es einige Unstimmigkeiten zwischen dem Künstler und den Politikern. Die Atmosphäre ist zeitweise eisig, eine Kommunikation kaum noch möglich. Auch das drohende Scheitern des Projektes durch Wind und Regen wird gezeigt.

Echte Freude durch ein gigantisches Kunstwerk

Christo, der unzählige wunderschöne, letztlich abstrakte Kunstwerke geschaffen hat, erklärt einer Schulklasse, dass er nur mit echten Dingen etwas anfangen kann: "Ich mag reale Dinge, keine virtuelle Realität. Ich kann nicht Auto fahren, mag nicht am Telefon sprechen, habe keine Ahnung, wie man einen Computer bedient. Ich will echte Elemente, richtigen Wind, richtige Trockenheit und richtigen Regen. Echte Angst und echte Freude."

Echte Angst und echte Freude sieht man auch dann, als erst das Wetter den Aufbau verhindert und am Ende - gegen die Vorhersage - gnädig die Sonne scheint und die "Floating Piers" für die Besucher geöffnet werden können. "Christo - Walking on Water" zeigt den nervenaufreibenden, bereichernden und teilweise chaotischen Entstehungsprozess eines gigantischen Kunstwerkes - und einen kompromisslosen Künstler.

Christo - Walking on Water

Genre:
Dokumentation
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
USA, Italien
Regie:
Andrey Paounov
Länge:
105 Min.
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
11. April 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 08.04.2019 | 08:55 Uhr

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