Stand: 11.12.2018 16:44 Uhr

Doku: Hamburger durchquert Afrika auf dem Rad

Anderswo. Allein in Afrika
, Regie: Anselm Nathanael Pahnke
Vorgestellt von Danny Marques Marcalo

Über ein Jahr war Anselm Pahnke mit dem Fahrrad in Afrika unterwegs. Der Hamburger startete seine Tour in Südafrika und fuhr bis nach Ägypten. Immer mit dabei war seine kleine Kamera. Am 13. Dezember läuft sein Dokumentarfilm "Anderswo. Allein in Afrika" in den Kinos an.

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Ganz allein fuhr der Geophysiker Anselm Pahnke mit dem Fahrrad durch 15 afrikanische Länder.

Löwen, Nilpferde, gleißende Hitze, strömender Regen und korrupte Polizisten - nichts von alledem hat Anselm Pahnke Angst gemacht. Vor einer Sache hat er sich aber dennoch gefürchtet: dem Alleinsein. "Da kommen Gefühle und Emotionen hoch, die man nicht kennt", schildert Pahnke seine Empfindungen während der langen Reise.

Ziemlich viel Zeit hatte der heute 29-Jährige als er sich im Sommer 2014 aufmacht, um mit Freunden Afrika zu durchqueren. Schon kurz nach dem Start in Südafrika müssen seine Begleiter zurück. Im Film erzählt er, was ihm damals durch den Kopf geht. "Was mache ich jetzt? Ich war noch nie alleine unterwegs", fragt sich der Protagonist. "Hab ich die Kraft? Hab ich den Mut?" Er hat beides und fährt auf eigene Faust durch die Wüste, über Berge und durch den irren Verkehr afrikanischer Großstädte. Er trifft Menschen, deren Sprache er nicht versteht. Nur selten hat der studierte Geophysiker Kontakt mit seiner Familie in Deutschland.

Zwischen Euphorie und Melancholie

"Im Unbekannten fühlte ich mich erst richtig lebendig", sagt der Hamburger. "Wenn du dich dem öffnest, empfängt es dich mit sehr vielem Neuem." Anselm Pahnke schafft es in diesem Film, solche Eindrücke spürbar zu machen. Die Kamera zeigt ihn, wenn er euphorisch ist, aber auch, wenn er traurig und müde ist. Selbst intimste Momente lässt die Dokumentation nicht aus.

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Das Fahrrad ist sein treuester Verbündeter.

Geplant hat Pahnke das so alles nicht. "Wenn man nicht plant, dann kann nichts schief gehen", sagt er grinsend. "Du musst in dem Moment, wo du etwas brauchst, eine Lösung finden. Es gibt nur wenige Situationen, in denen er mit seiner offenen Art nicht weiterkommt. So zum Beispiel bei einem Aufeinandertreffen mit Wachleuten in einem Nationalpark. Mitten im Nichts standen auf einmal drei Park Officers hinter mir. Alle drei mit einer Kalaschnikov auf mich gerichtet", berichtet er über eine der brenzligeren Situationen. Bis auf den Verlust seiner Uhr, die einem der Wachleute gut gefiel, kam er aber glimpflich davon.  

Die Magie der Zeitlosigkeit

Trotz des Zwischenfalls hat Anselm Pahnke Afrika größtenteils herzlich und friedlich erlebt. Auf seiner Reise über den afrikanischen Kontinent hat er 15 Länder durchquert und dabei zu sich selbstgefunden. Einer der schwersten Momente der Reise ist seine Rückkehr nach Deutschland.

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Im fruchbaren Hochland von Burundi sucht der Hamburger einen Ort zum Zelten.

"Ich hab das sehr unterschätzt, was für eine Welle von Impressionen und auch Erwartungen in meinem Umfeld auf mich einprasselt", sagt der 29-Jährige. Fast das einzige, was er aus Afrika mitnehmen würde, wäre die Zeitlosigkeit. "Es gab kaum einen Menschen, der mich gefragt hat, wo ich hin will. Dieses Zeitlose, das ging hier ganz schwierig in Deutschland."

Eineinhalb Jahre hat er an seinem Film gearbeitet. Das habe ihm geholfen, auch in der Heimat besser auf sein inneres Ich zu hören. Das Resultat ist eine berauschende Reise. Der Weg ist das Ziel, nie war das im Kino deutlicher zu sehen.  

Anderswo. Allein in Afrika

Genre:
Dokumentation
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Deutschland
Regie:
Anselm Nathanael Pahnke
Länge:
95 Min.
Kinostart:
13. Dezember 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 11.12.2018 | 19:00 Uhr

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