Léa Seydoux (von links als Lizzy) und Gijs Naber als Jacob Störr im Film "The Story Of My Wife" - am Alter Wandrahm in der Speicherstadt Hamburg - der Film lief im Wettbewerb in Cannes 2021 © Alamode Film

"Die Geschichte meiner Frau": Über das Verhängnis einer Liebe

Stand: 13.11.2021 10:45 Uhr

2017 hat die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi den Goldenen Bären der Berlinale mit ihrem Film "Körper und Seele" gewonnen. Ihr neuer Film heißt: "Die Geschichte meiner Frau".

Léa Seydoux (von links als Lizzy) und Gijs Naber als Jacob Störr im Film "The Story Of My Wife" - am Alter Wandrahm in der Speicherstadt Hamburg - der Film lief im Wettbewerb in Cannes 2021 © Alamode Film
Beitrag anhören 4 Min

von Katja Nicodemus

"Ich könnte zum Beispiel die erste Frau heiraten, die zur Tür hereinkommt. Das sagt sich so leicht." Was der Frachtschiffkapitän Jakob eher scherzhaft am Anfang des Films zu einem alten Freund sagt, wird sein Schicksal und sein Leben verändern. Denn zur Tür herein kommt Lizzy, gespielt von Léa Seydoux.

Der gestandene Kapitän und die junge Frau. Der Niederländer und die Französin. Frei nach dem Roman des ungarischen Schriftstellers Milàn Füst erzählt Ildikó Enyedi von zwei Menschen, die sich zu Beginn der 1920er-Jahre verlieben, diese Liebe aber nicht leben können.

Schwanken zwischen Eifersucht und Vertrauen

Jakobs Welt ist das Meer. In der Einsamkeit des Ozeans fühlt er sich zu Hause. Auf seinen Schiffen hat er alles unter Kontrolle. Eben diese Kontrolle will er angsichts seiner monatelangen Abwesenheiten auch über Lizzy ausüben. Seine junge Frau jedoch wirft ihn mit anmutigem Selbstbewusstsein auf sich selbst zurück. Und so schwankt Jakob zwischen Eifersucht und Vertrauen. Warum etwa lädt er einen Dandy und Freund von Lizzy zum gemeinsamen Abend ein, obwohl er in ihm einen Nebenbuhler vermutet?

Weitere Informationen
Die ungarische Filmemacherin Ildikó Enyedi beim Filmfest Hamburg stellt ihr in Hamburg gedrehtes Drama "Die Geschichte meiner Frau" vor © FIlmfest Hamburg / Martin Kunze Foto: Martin Kunze

Filmemacherin Ildikó Enyedi über Hamburg und ihr neues Drama

Die Ungarin hat eine enge Bindung zu Hamburg. Hier startete die Berlinale-Siegerin ihre Karriere und hat mehrfach gedreht. mehr

"Die Geschichte meiner Frau" in fast malerischen Bilder

Jakob und Lizzy ziehen nach Hamburg. Hier, in einer düsteren Wohnung voller schwerer Möbel, verstrickt sich das Paar weiter in Widersprüche, Missverständnisse. Jakob versucht seine Frau zu entschlüsseln wie ein Rätsel, sucht überall die Zeichen ihrer angeblichen Untreue. Was verbirgt sich hinter ihrer Schönheit, ihrem unergründlichen Lächeln, ihrem selbstgenügsamen Wesen?

Ganz ähnlich ergeht es uns angesichts von Ildikó Enyedis subtil ausgeleuchteten Einstellungen, den fast malerischen Bildern. Gibt es noch eine zweite Ebene? Eine unter der historischen Ausstattung verborgene Erzählung? Oder auch einen doppelten Boden unter den Szenen? Auf einer seiner Schiffsfahrten hat Jakob eine junge Frau kennen gelernt. Sie scheint ihm zu gefallen, doch beim Wiedersehen in Hamburg verzeiht er keine Miene.

Léa Seydoux und Gijs Naber: Rätselhafte Hauptfiguren

Léa Seydoux und Gijs Naber lassen diesem Paar sein Geheimnis. Er verleiht seiner Figur Stärke und Verletzlichkeit, seebärenhafte Souveränität und Verunsicherung. Léa Seydoux wiederum spielt ihre Figur mit einer irisierenden Mehrdeutigkeit. Manchmal wirkt ihre Lizzy gar, als sei sie eine Fantasiegestalt, eine Projektion ihres eifersüchtigen Ehemannes. Der wiederum greift zu sehr konkreten Mitteln: Jakob engagiert einen Privatdetektiv, um endlich Gewissheit zu bekommen.

Je länger der fast dreistündige Film "Die Geschichte meiner Frau" fortschreitet, desto rätselhafter erscheinen Jakob und Lizzy. Womöglich stehen die beiden für die Fremdheit der Geschlechter. Für das Verhängnis einer Liebe, die durch Eifersucht erst Untreue erzeugt. Und für die Erkenntnis, dass man den geliebten Menschen zerstören kann, wenn man versucht, seiner habhaft zu werden.

Weitere Informationen
Ikaris (Richard Madden, links) und Sersi (Gemma Chan) in einer Szene aus dem Marvel-Film "Eternals" von Chloé Zhao © Marvel Studios 2021

Kino-Tipps für den Herbst: "Eternals", "Last Night in Soho"

Im November locken Filme wie "Eternals" und "Last Night in Soho" sowie "Große Freiheit", "Ammonite" und "Die Geschichte meiner Frau" ins Kino. mehr

Die Geschichte meiner Frau

Genre:
Drama, Romanze, Historie
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Ungarn, Deutschland, Italien, Frankreich
Regie:
Ildikó Enyedi
Länge:
169 Minuten
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
4. November 2021

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 04.11.2021 | 07:20 Uhr

Mehr Kultur

Eine Büste von Theodor Storm © picture alliance / Klaus Nowottnick | Klaus Nowottnick

Literaturland: Digitale Entdeckungsreise durch Schleswig-Holstein

Das Literaturhaus Schleswig-Holstein verbindet auf einer digitalen Karte Orte in Schleswig-Holstein mit dessen literarischer Bedeutung. mehr