Stand: 04.07.2018 09:43 Uhr

Feministische Malerin porträtiert Sioux-Häuptling

Die Frau, die vorausgeht
, Regie: Susanna White
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Im wirklichen Leben hält die Schauspielerin Jessica Chastain nicht damit hinterm Berg, wenn es darum geht, Geschlechterungleichheit oder Sexismus anzuprangern. Auch auf der Leinwand spielt sie gerne selbstbewusste, kämpferische Frauen. Nun kommt ihr Film "Die Frau, die vorausgeht" ins Kino. Darin spielt sie die Rolle einer frühen amerkanischen Bürgerrechtlerin im Wilden Westen.

Eines Vorweg: Die Schauspielerin Jessica Chastain ist die Idealbesetzung für diese Figur. Mit durchgedrücktem Rücken, energisch in den Wind gehaltener Stirn und klarem Blick spielt sie die Malerin und Aktivistin Catherine Weldon.

Die Malerin und der Häuptling

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Colonel Groves (Sam Rockwell) ist Catherines (Jessica Chastain) Engagement für die amerikanischen Ureinwohner ein Dorn im Auge.

Im Frühjahr 1889 begibt sie sich von New York auf die endlose Zugfahrt in den amerikanischen Westen. Ihr Ziel ist es, den legendären Indianerhäuptling Sitting Bull zu porträtieren. Doch schon auf der Fahrt lauern erste Hindernisse - wie etwa ein von Sam Rockwell gespielter Soldat, der nichts verachtenswerter findet, als Frauen, die sich für amerikanische Ureinwohner interessieren.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass sich in diesem Film zunächst einmal alles und jeder gegen Catherine Weldon verschworen hat. Am Bahnsteig wird sie von einem Indianerhasser bespuckt, ihr Gepäck wird von einem Indianer geklaut - und als sie sich endlich zum Objekt ihres künstlerischen Interesses durchgeschlagen hat, glaubt sie sich auf dem Basar.

Voraussehbar und geschönt

Nein, das Problem von "Die Frau, die voraus geht" ist wirklich nicht Jessica Chastain. Das Problem ist eher das perfekt gesetzte Licht, mit dem Susanna White ihre Hauptdarstellerin auch in der größten Hitze der Prärie in Szene setzt. Das Problem ist die wie für eine Reisebüro-Website fotografierte Landschaft des amerikanischen Westens. Und ein Drehbuch, das die Annäherung zwischen Weldon und Sitting Bull so voraussehbar wie einen Minigolfparcours erzählt. Es gibt natürlich kleine und große Reibereien, Missverständnisse, es gibt die Konfrontation zweier Sturköpfe, die dann unweigerlich zur Freundschaft führt - zwischen der unkonventionellen, für ihre Zeit sehr befreiten Frau und dem edlen, weisen Naturmenschen.

Neben "Hostiles" von Scott Cooper ist "Die Frau, die voraus geht" der zweite amerikanische Mainstreamfilm dieses Kinosommers, der sich kritisch mit dem Verhältnis zwischen weißen Einwanderern und amerikanischen Ureinwohnern auseinandersetzt.

Allzu plakative Handlung

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Häuptling Sitting Bull (Michael Greyeyes) gibt Catherine (Jessica Chastain) den indianischen Namen "Die Frau, die vorausgeht".

Und so positiv es sein mag, dass das liberale Hollywood in den Zeiten von Donald Trumps brutaler Einwanderungspolitik an die einstige Brutalität der weißen Kolonisatoren erinnert - in "Die Frau, die voraus geht" wird das Thema allzu plakativ heruntergebrochen. Die Entdeckung der indianischen Kultur geht einher mit kleinen feministischen Injektionen in eben diese Lebensweise. Etwa in einer Szene, in der Weldon, die sich zunächst weigert, ein Pferd zu besteigen, zu ihrem von Sittting Bull verliehenen Namen kommt.

Politisch-historischer Hintergrund von "Die Frau, die vorausgeht" ist eine Kampagne der US-Regierung, mit der die Bevölkerung der Indianerreservate um ihr verbleibendes Land gebracht werden soll. Indem man die Nahrungsmittelrationen der amerikanischen Ureinwohner reduziert, sollen diese zu einer weiteren massiven Landabgabe gezwungen werden. Selbstverständlich wird die Frau aus New York dagegen Position beziehen.

Reale, feministische Vorreiterin

Die historische Figur der Malerin Weldon hieß übrigens mit Vornamen Caroline und war um einiges feministischer als die ihr nachempfundene Leinwandfigur: Anders als in Susanna Whites filmischer Version war sie keine Witwe sondern trennte sich von ihrem Mann. Noch dazu hatte sie einen unehelichen Sohn. Womöglich hätte sich das Drehbuch einfach entscheiden müssen - zwischen Weldons unkonventioneller Biografie und einem Verbrechen an den Native-Americans. Doch die systematische Vernichtung der Indianer ist hier nur Hintergrund für die pathetisch erzählte Geschichte einer Freundschaft und für eine reichlich esoterische weibliche Selbstfindung.

Die Frau, die vorausgeht

Genre:
Western-Drama
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Jessica Chastain, Michael Greyeyes, Sam Rockwell, Ciarán Hinds, Chaske Spencer,
Regie:
Susanna White
Länge:
102 min
FSK:
ab 12
Kinostart:
5. Juli 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 02.07.2018 | 10:55 Uhr

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