Stand: 14.08.2019 17:43 Uhr

Komödie: "Der unverhoffte Charme des Geldes"

Der unverhoffte Charme des Geldes
, Regie: Denys Arcand
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Der frankokanadische Regisseur Denys Arcand war schon immer gut für knallige Filmtitel: "Die Invasion der Barbaren" und "Der Niedergang des amerikanischen Imperiums" gehören zu seinen Werken. Der französische Titel seines neuen Werkes heißt in der deutschen Übersetzung eigentlich: "Der Fall des amerikanischen Imperiums" - "Der unverhoffte Charme des Geldes" als Titel ist allerdings auch sehr passend.

So kann's gehen, wenn man das Falsche sagt. Oder eigentlich das Richtige. Innerhalb von wenigen Augenblicken wird die Freundin zur Ex. Auch sonst meint es das Schicksal mit dem etwa 30-jährigen Pierre-Paul nicht allzu gut.

Kapitalismus-Kritiker trifft auf einen Sack voll Geld und mehrere Leichen

Er ist studierter Philosoph, schlägt sich aber in Montreal als Paketauslieferer durch. Er ist hochintelligent, aber gesellschaftlich das, was man einen Versager nennt. Bei einer Lieferung gerät Pierre-Paul in einen Überfall. Am Ende liegen vor seinen Füßen mehrere Leichen und ein Sack voll Geld. Was stellt man als überzeugter Kapitalismuskritiker mit einer Millionensumme an? Man versucht, sich Rat zu holen. Zum Beispiel bei einem Ex-Ganoven, der im Gefängnis Wirtschaft studiert hat.

Seit mehr als drei Jahrzehnten dreht der frankokanadische Regisseur Denys Arcand Filme, die auf bizarre Weise bürgerlichen Lebensformen in westlichen Gesellschaften unter die Lupe nehmen.

Drehbücher mit unberechenbaren Figuren

Sie drehen sich um skurrile Figuren im Kräftefeld von Sex, Geld und gescheiterten Lebensentwürfen. Arcands große Stärke ist die absolute Unberechenbarkeit seiner Drehbücher und die Unvorhersehbarkeit seiner Figuren. Pierre-Paul, der junge Philosoph aus "Der unverhoffte Charme des Geldes" zum Beispiel, mag kritisch auf die Warenförmigkeit des Lebens und auf das Geld blicken, aber durchaus begehrlich auf die schöne Edelprostituierte Camille, die er damit bezahlen kann.

Der kanadische Schauspieler Alexandre Landry spielt Pierre-Paul mit einem Charme und einer neurotischen Verwirrtheit, die an den jungen Woody Allen erinnern. Es ist ja auch verwirrend, was ihm das Drehbuch alles zumutet.

Philosophisch-ökonomische Fragen nebenbei

Zwischenzeitlich hat man das Gefühl, dass halb Montreal hinter dem jungen Mann her ist - die Gangster, die das Geld geklaut haben und die kriminelle Organisation, die sie beauftragt hat. Außerdem zwei penetrante Polizisten, die den jungen Mann zu Recht im Verdacht haben, das Geld eingeheimst zu haben. Nebenbei wirft der Film noch philosophisch-ökonomische Fragen auf. Etwa die nach der kriminellen Substanz und Essenz des Kapitalismus. Ist die legale Geldvermehrung tatsächlich moralischer als ein gut geplanter Überfall? Pierre-Pauls neuer Verbündeter Monsieur Taschereau, ein Investmentbanker der High Society, weckt leise Zweifel.

In manchen Momenten sieht man Denys Arcands Film an, dass er mit wenig Geld gedreht wurde, was aber für einen leicht trashigen Charme sorgt. Schließlich springt "Der unverhoffte Charme des Geldes" kühn hin und her zwischen Krimi, Verfolgungsjagd, Lebenskrisenverarbeitung, einer modernen Love Story à la "Pretty Woman" - und einer gar nicht so unrealistischen Utopie der Umverteilung. Tatsächlich begegnen wir hier einem Helden, der sich endlich einmal Gedanken darüber macht, wie sich Kohle in Wohltätigkeit verwandeln lässt. Am Ende schämt man sich fast für die eigenen primitiven Erwartungen an einen Banküberfallfilm - und ist beglückt darüber, wie viele erzählerische - und gesellschaftliche - Überlegungen sich doch rund um eine mit Papierscheinen gefüllte Sporttasche anstellen lassen.

Der unverhoffte Charme des Geldes

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Kanada
Zusatzinfo:
mit Alexandre Landry, Maripier Morin, Rémy Girard, Maxim Roy
Regie:
Denys Arcand
Länge:
123 Min.
FSK:
ab 12 Jahren
Kinostart:
1. August 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 01.08.2019 | 07:20 Uhr

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