Thomas Vinterberg auf dem roten Teppich der Oscars mit der dänischen Schauspielerin © Chris Pizzello/Pool AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Chris Pizzello

Oscars: Vinterbergs "Der Rausch" ist bester internationaler Film

Stand: 26.04.2021 05:23 Uhr

Die Tragikomödie "Der Rausch" von Thomas Vinterberg hat den Oscar für den besten internationalen Film gewonnen. Der Däne ist zudem für den Regie Oscar-nominiert gewesen.

Der Däne Thomas Vinterberg hat mit seiner Tragikomödie "Der Rausch" bei der Oscar-Gala in Los Angeles den Oscar als bester internationaler Film gewonnen. "Dieser Film geht um das Verlieren von Kontrolle im Leben - sowie ich ich es verloren habe"", sagte der erfreute Däne in seiner Dankesrede. "Ich danke meiner Frau und meinem Drehbuchautor Tobias Lindholm - mein leuchtendes Vorbild." Ein besonderer Dank ging zudem an Hauptdarsteller Mads Mikkelsen.

Unter Tränen widmete Vinterberg seiner gestorbenen Tochter Ida den Film. Sie starb kurz nach Beginn der Dreharbeiten bei einem Auto-Unfall. "Wenn wir uns nur trauen zu glauben, dass sie auf eine Weise hier bei uns ist - dann könntet ihr sie hier mit uns klatschen und jubeln sehen", sagte der Regisseur. "Wir haben diesen Film als eine Monument für sie gemacht. Das ist ein Wunder und Ida - du bist ein Teil dieses Wunders". Die Tochter sollte ursprünglich eine der Hauptfiguren spielen. Ihre Klassenkameraden sind als Schülerinnen und Schüler im Film zu sehen.

"Der Rausch" soll dazu inspirieren, "sich selbst zu vergessen"

Der Film handelt von Martin, gespielt von Mads Mikkelsen, einem Lehrer aus Leidenschaft. Gemeinsam mit drei weiteren Freunden spricht er über die Theorie eines norwegischen Philosophen, derzufolge sie mit mehr Alkoholgehalt im Blut leistungsfähiger sein sollten. Sie beschließen, ein Sozialexperiment zu machen und während der Arbeitszeit einen Pegel zu halten. Nach ersten Erfolgen sind die vier Freunde begeistert. Doch natürlich hat das Experiment gravierende Folgen.

"Der Rausch" hat laut Vinterberg "keine Botschaft" und soll nicht "Werbung für Alkohol machen", so der Däne in einem Interview mit der Agentur AFP. Der Film, der einst als Theaterstück geplant war, solle vielmehr vielmehr zeigen: ein "inspiriertes Leben", "sich selbst zu vergessen" und Neugierde. Die dänische Tragikomödie mit Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen, Lars Ranthe, Magnus Millang und Maria Bonnevie soll in Deutschland am 15. Juli im Kino starten.

VORSCHAU: Trailer: "Der Rausch" von Thomas Vinterberg (2 Min)

"Der Rausch": Publikumsliebling auf vielen Festivals

Wo immer Thomas Vinterbergs Film "Der Rausch" auch hinkommt: Überall wird er gefeiert. Er hätte 2020 in Cannes laufen sollen und trägt seitdem das Label dieses französischen Filmfestivals, war Publikumsliebling bei der Weltpremiere im kanadischen Toronto. Kurz lief er im Kino beim Filmfest Hamburg im Herbst und räumte beim Europäischen Filmpreis vier der Hauptauszeichnungen ab.

Regisseur und Autor Thomas Vinterberg freut sich über seine britischen Filmpreise Baftas Mitte April für "Der Rausch" © Bafta/PA Media/dpa Bildfunk
Vor wenigen Tagen hat Thomas Vinterberg bei den Baftas den Preis für den nicht englischsprachigen Film erhalten.

Auch bei den kürzlich online abgehaltenen britischen Filmpreisen Baftas räumte der Film in der Kategorie bester nicht englischsprachiger Film ab. Gestern standen in Los Angeles die Oscars in der Nacht von Sonntag auf Montag an und "Der Rausch" war - mit "Minari" - einer der Favoriten in der Kategorie bester internationaler Film.

Thomas Vinterberg als erster Däne für Regie-Oscar nominiert

Für die bewegende Tragikomödie, die das Leben in all seinen Facetten feiert, durfte der Filmemacher Thomas Vinterberg auf einen Oscar als bester Regisseur hoffen. Damit war er der erste Däne, der in dieser Kategorie nominiert war. Die Auszeichnung ging jedoch an Chloé Zhao für "Nomadland". In seiner Heimat war "Der Rausch" - im Original: "Druk" - im vergangenen Jahr der größte Kinoerfolg auf der Leinwand und damit sein bislang publikumsstärkster Film in Dänemark.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 25.04.2021 | 16:20 Uhr

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