Caspar Leinen (Elyas M'Barek) und Fabrizio Collini (Franco Nero) vor Gericht © ARD Degeto/Constantin Film Verleih

"Der Fall Collini": Dunkle Schatten der Vergangenheit

Stand: 02.08.2021 21:30 Uhr

Ferdinand von Schirachs Justizthriller "Der Fall Collini" wurde 2019 mit Elyas M'Barek in der Hauptrolle verfilmt. Bis zum 9. August steht der Film in der ARD Mediathek.

von Bettina Peulecke

Der ehrgeizige Junganwalt Caspar Leinen (Elyas M'Barek) hat seinen ersten Fall als Pflichtverteidiger übernommen. Leinen ist enthusiastisch, vielleicht ein wenig übereifrig, aber auch engagiert und einigermaßen schockiert, als sein Mandant beharrlich schweigt. Der Mandant heißt Fabrizio Collini, stammt aus einem norditalienischen Dorf und soll den Fabrikbesitzer Hans Meyer in einem Berliner Nobelhotel gezielt hingerichtet haben.

Das bestreitet Collini gar nicht. Aber warum? Auf diese Frage bekommt Leinen zumindest von seinem Mandanten sehr lange Zeit keine Antwort. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass der Ermordete der Ziehvater des Anwaltes war. Seine Familie verlangt, er solle die Verteidigung ablehnen, was jedoch so einfach nicht möglich ist.

"Der Fall Collini": Ein Justizskandal der 60er-Jahre im Mittelpunkt

Caspar Leinen (Elyas M'Barek) und Fabrizio Collini (Franco Nero) in einem Konferenzraum. © ARD Degeto/Constantin Film Verleih
Kann Caspar Leinen (Elyas M'Barek) herausfinden, warum Fabrizio Collini (Franco Nero) den Mord begangen hat.

Leinen stößt bei seinen Recherchen auf Fragmente einer Nazi-Vergangenheit, die Collini und Meyer verbindet - und die die ganze deutsche Nachkriegsrechtsprechung angeht. Allerdings wird ihm früh von einem ehemaligen Professor für Strafrecht davon abgeraten gewisse Dinge ans Licht zu bringen.

Dreh- und Angelpunkt ist das sogenannte Dreher-Gesetz von 1968, durch welches viele Verbrechen in der NS-Zeit verjährten und strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden konnten. Für den Regisseur Marco Kreuzpaintner der zentrale Aspekt, um den Film zu machen. "Ab dem Moment, in dem ich von der Ungeheuerlichkeit erfahren habe, dass es in Deutschland ein vom Bundestag verabschiedetes Gesetz gegeben hat, das dafür gesorgt hat, dass Täter aus dem Dritten Reich straffrei davongekommen sind, habe ich mir gedacht: Warum weiß das niemand bei uns?", sagt Kreuzpaintner. "Das war für mich der Moment, in dem ich entschieden habe: Darüber muss man einen Film machen!"

Elyas M'Barek überzeugt in ungewohnter Rolle

Anwalt Caspar Leinen (Elyas M'Barek) und sein Mandant Fabrizio Collini (Franco Nero) im Gerichtssaal - Szene aus dem Film "Der Fall Collini!" © ARD Degeto/Constantin Film Verleih
Elyas M'Barek tritt in "Der Fall Collini" als aufrichtiger Anwalt und unermüdlicher Kämpfer für die Wahrheit auf.

"Der Fall Collini" ist ein mehr als ein solider Justizthriller, mit einigen herzzerreißenden Szenen und der Italo-Westernlegende Franco Nero als Fabrizio Collini, der vielleicht ganze 20 Sätze sagt, bei dem aber jeder Blick aus dem zerfurchten Gesicht Bände spricht. Dagegen zu bestehen ist gar nicht so einfach, aber Elyas M'Barek als Anwalt Leinen macht seine Sache anstandslos. Man glaubt ihm die aufrichtige Empörung und ethische Integrität. Die Überlegung, er habe die Rolle ausgesucht, um sich jenseits seiner Komödienpopularität nun auch als ernsthafter Charakterschauspieler zu positionieren, hat er jedoch angeblich nicht angestellt. "Ich habe das gar nicht so wahrgenommen bis mir jetzt in jedem Interview unterstellt wird, den neuen Karriereschritt gewagt zu haben", sagte er 2019 zur Kinopremiere. "Den habe ich bis dato gar nicht gesehen, aber schön, wenn ihr das alle so seht."

Schön auch zu sehen, wie die Nebendarsteller Heiner Lauterbach, Catrin Striebeck und Rainer Bock als etablierte Vertreter der deutschen Rechtsprechung in ihren kleineren Rollen großartig agieren und Borniertheit, Toleranz sowie moralisches Dilemma zwischen Gerechtigkeit und Gesetzestreue in ihren Gesichtern und Gesten zum Ausdruck bringen. Vieles wird durch Rückblenden erzählt, meist düster und dramatisch wie es die Thematik verlangt und manchmal vielleicht etwas zu drastisch. 

Der Fall Collini

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Elyas M'Barek, Heiner Lauterbach, Alexandra Maria Lara, Franco Nero und Manfred Zapatka.
Regie:
Marco Kreuzpaintner
Länge:
118 Min.
FSK:
ab 6 Jahre

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | 02.08.2021 | 20:15 Uhr

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