Moritz Bleibtreu mit Brille und blauer Jacke als Hagen - Szene aus "Cortex", dem in Hamburg gedrehten Regiedebüt von Moritz Bleibtreu © Warner Bros /Port au Prince Film und Kultur Produktion

"Cortex": Moritz Bleibtreus düsteres Regiedebüt

Stand: 23.10.2020 16:02 Uhr

Moritz Bleibtreu ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler. Beim Thriller "Cortex", der seit dem 22. Oktober in den Kinos läuft, führte er das erste Mal Regie.

von Bettina Peulecke

Gut zehn Jahre saß Moritz Bleibtreu an anderen Projekten, bis er für den düster-vertrackten Psychothriller "Cortex" das Drehbuch schrieb . In dem zum Großteil in Hamburg gedrehten Film spielt Bleibtreu auch die Hauptrolle.

Protagonist Hagen leidet unter Träumen und Halluzinationen

Seit Monaten wälzt sich der Supermarkt-Sicherheitsmann Hagen im Schlaf schwitzend ruhelos hin und her. Tagsüber ist er dementsprechend gerädert und unkonzentriert. Doch nicht nur das, Hagen scheint zu halluzinieren - oder werden seine Träume vielleicht doch Realität? Hat ihm der junge Mann, der immer wieder in seinen Träumen auftaucht, nicht gerade gestern an der Supermarktkasse über die Überwachungskamera angelächelt? Hagens Halluzinationen zehren nicht nur an ihm, sondern auch an seiner Familie. Seine Frau scheint dabei ebenfalls eine Rolle zu spielen:

VIDEO: Thriller "Cortex": Moritz Bleibtreu führt erstmals Regie (5 Min)

"Seit Monaten lebst du in deiner Welt und lässt nichts an dich ran, ich schaff das nicht mehr." "In diesen Träumen, da ist immer wieder dieser junge Mann. Ich träum', dass du den kennst." O-Ton aus dem Film

Bleibtreu spielt mit der Wahrnehmung

Der junge Mann heißt Niko und als Zuschauer sehen wir, wie Niko es in seinem Leben mit einem Gangster-Trio zu tun bekommt und nur knapp dem Tod entrinnt. Und wir sehen, wie Hagen in den Spiegel schaut und dabei nicht sich, sondern Niko erblickt.

Moritz Bleibtreus Regiedebüt ist düster und verworren. Es spielt mit Wahrnehmung, Wahn und Wirklichkeit und zitiert so einige Filme, die ähnlich mysteriös gelagert sind: David Lynchs "Lost Highway" und mehrfach Christopher Nolan, explizit mit "Inception". Denn Nolan, der Meister der Verschachtelung, hat mit seinem bahnbrechenden Thriller "Memento" großen Eindruck auf Bleibtreu gemacht:

"Nolan wird einmal ganz klar zitiert, das liegt aber auch daran, dass 'Memento' damals für mich ein Film war, der gerade das Schreiben für mich in ein völlig neues Licht gerückt hat. Das war damals so neu und so anders, ich kannte so komplexe Erzählstrukturen eigentlich nur aus der Literatur und nicht aus dem Film. Ich weiß noch, dass ich das damals geguckt habe und gedacht habe, 'boah, das ist geil, so etwas würde ich gerne mal machen'", erinnert sich Bleibtreu.

Visuell ist "Cortex" überzeugend, inhaltlich nicht immer

Karoline (Nadja Uhl) und Niko (Jannis Niewöhner) - Szene aus "Cortex" © Warner Bros /Port au Prince Film und Kultur Produktion Foto: Gordon Timpen
Hagens Frau Karoline (Nadja Uhl) und Niko (Jannis Niewöhner), der Mann aus Hagens Träumen, scheinen sich zu kennen.

Visuell ist "Cortex" durchaus überzeugend, mit Anlehnungen an Hollywoods Film Noir. Die Handlung aber wirkt mal unausgegoren, mal überfrachtet. Das Spiel mit den verschiedenen Ebenen gelingt nur bedingt. Viele Fragen bleiben offen, das ist nicht jedermanns Sache.

Bleibtreu wollte aber auch nicht unbedingt mit Komplexität oder Absurdität provozieren oder spielen. Er hat einfach nur eine Geschichte gemacht, wie er sie gern mal im deutschen Kino sehen würde. Auch wenn andere sie dann vielleicht nicht so gerne sehen: "Ich habe Filme ja nie gemacht, weil ich mir eine Reaktion vom Publikum erhofft habe oder weil ich erfolgreich sein wollte oder moralisch oder irgendwas. Ich habe die Sachen, die ich gemacht habe, eigentlich immer nur gemacht weil ich sie selber machen wollte. Das ist also eigentlich ein ziemlicher Egotrip", gesteht der Regisseur.

Das schütze ihn aber auch vor Kritik: "Jeder hat das Recht, das Scheiße zu finden, und das ist dann vollkommen okay für mich. Es war nicht mein Anspruch, es allen recht zu machen."

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Cortex

Genre:
Spielfilm
Produktionsjahr:
2020
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Moritz Bleibtreu, Jannis Niewöhner, Nadja Uhl
Regie:
Moritz Bleibtreu
Länge:
96 Min.
FSK:
ab 16 Jahre
Kinostart:
22. Oktober 2020

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 21.10.2020 | 06:40 Uhr

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