Ein einzelner Zuschauer sitzt in einem leeren Kino mit roten Samtsesseln © Daniel Reinhardt/ dpa bildfunk

Kino-Reaktionen auf Shutdown: "Wir werden klagen"

Stand: 30.10.2020 15:19 Uhr

Was halten Kinobetreiberinnen und -macher vom erneuten Shutdown? Ein Überblick mit Reaktionen aus Norddeutschland.

Während der Pandemie hat Daniel Günther einen Kinospot aufgenommen. Darin sitzt der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein in einem Kinosaal mit Popcorn auf dem Schoß und sagt: "Ich fühle mich übrigens im Kino wirklich sicher." Aber: Auch er hat der erneuten Schließung der Kinos ab November zugestimmt. Das zweite Herunterfahren der Kultur mit Schließung der Lichtspielsäle ist für die Kinobetreiberinnen und -betreiber eine Katastrophe.

Kino-Vorstellungen ausverkauft

Kino-Betreiber Matthias Elwardt vom Zeise Kino Hamburg sitzt in einer leeren Sitzreihe mit roten Samtsesseln © Daniel Reinhardt/ dpa bildfunk
"Kinos sind in in keiner Weise gesundheitsgefährdend" sagt Matthias Elwardt vom Hamburger Zeise Kino.

Matthias Elwardt vom Hamburger Zeise-Kino sagt: "Das ist sehr, sehr bedauerlich, weil natürlich suggeriert wird, dass Kinos gesundheitsgefährdend sind. Das sind sie in keiner Weise. Es gibt weltweit keinen einzigen Fall einer Infektion im Kino." Die Vorstellungen Ende dieser Woche sind ausverkauft. Ob es an dem starken Film liegt, dem deutschen Oscar-Kandidaten "Und morgen die ganze Welt", oder daran, dass die Leute kurz vorm Dichtmachen nochmal machen, was geht - wer weiß es schon?

Gründer der Cinemaxx-Gruppe: "Wir werden klagen"

Hans-Joachim Flebbe, Gründer der Cinemaxx-Gruppe und Betreiber einiger Luxuskinos, stellt fest: "Ich bin natürlich extrem sauer und habe auch null Verständnis für diese Maßnahme. Ich hätte völliges Verständnis gehabt, wenn man sagt, wir machen einen kompletten Lockdown, wir stellen das ganze Land einen Monat ruhig und gucken, wie sich die Zahlen bewegen. Im Augenblick fühlt sich die ganze Kinobranche als Bauernopfer." Er fügt hinzu: "Natürlich werden wir klagen."

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Ausgleichszahlungen sind eine Hilfe

Die Bundesregierung will Unternehmen im November mit 70 bis 75 Prozent dessen unterstützen, was sie im November 2019 verdient hätten. Anne Kellner vom Rostocker Lichtspieltheater Wundervoll meint, "wenn man ehrlich ist, die Vorjahresumsätze sind ja mit denen, die wir im Moment erzielen würden, gar nicht vergleichbar, weil wir durch die Abstandsregeln enorm eingeschränkt sind. Natürlich ist das eine Hilfe."

Ein leerer Kinosaal mit roten Sitzen © Picture Alliance Foto: Klaus Ohlenschlaeger

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Hans-Joachim Flebbe sieht das deutlich skeptischer. "Gerade diese Unterstützung, die uns jetzt zugesagt wurde, da kann ich nur bitter lachen. Ich habe zwei edle Multiplexkinos in Hannover und Braunschweig frisch umgebaut. Die musste ich fünf Monate lang geschlossen halten, weil der Staat das so wollte". Danach habe es Einschränkungen gegeben, die einen wirtschaftlichen Betrieb unmöglich gemacht hätten. "Ich hab mit diesen beiden Kinos monatlich 250.000 Euro minus, und glauben Sie es mir oder nicht - erhalten habe ich vom Staat eine Entschädigung von 0,0 Euro."

Verleiher müssen Filme liefern

Außerdem: Das Hochfahren nach der Pause wird für die Kinos wieder schwierig werden. Die Menschen müssen erst mal mitkriegen, dass sie wieder auf sind, sie müssen sich wieder sicher fühlen, und: Die Filme müssen kommen, so Elwardt vom Hamburger Zeisekino: "Wir haben Vorläufe, wir müssen mit den Verleihern über die Filme reden, 'wann starten die Filme, gibt es überhaupt neue Filme?' Das alles führt zu einer großen Unsicherheit."

Christine Berg vom Hauptverband Deutscher Filmtheater resümiert: "Jetzt wird es richtig schwierig." Nach dem ersten Shutdown habe man Umsatzeinbußen von 80 Prozent gehabt, sich dann auf immerhin 60 Prozent hochgekämpft. Drei Kinos mussten bereits schließen. "Wir haben jetzt eine Hochrechnung mit den neuen Ereignissen gemacht, dass wir einen Umsatzverlust von einer Milliarde haben werden. Insolvenzen stehen vor der Tür."

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