Andrea David, Drehort und Filmszene aus "Kurz und schmerzlos" von Fatih Akın 1998 © Andrea David, "Kurz und schmerzlos" Fatih Akın 1998/Altonaer Museum

"Close Up": Neue Ausstellung zur Filmgeschichte Hamburgs

Stand: 07.12.2021 17:04 Uhr

Hamburg kann auch London oder New York - zumindest im Kino! Das zeigt die neue Sonderausstellung "Close Up" im Altonaer Museum. Sie stellt die Besonderheiten der Hamburger Filmgeschichte dar.

von Kerry Rügemer

In der Altonaer Ausstellung "Close Up" kann man nicht nur durch echte Filmkulissen wandern - man erfährt auch so manch Kurioses aus der Hamburger Kinogeschichte: Die Hafenszenen aus dem Edgar Wallace Film "Die toten Augen von London" entstanden tatsächlich im Hamburger Hafen, in den Jerry-Cotton-Filmen aus den 60er-Jahren wurde Hamburg dann gleich mal zu New York oder 1956 auch zu Berlin - im "Hauptmann von Köpenick", erzählt Kuratorin Eva Hielscher: "In dem unter anderem das Finanzamt als Rathaus von Köpenick genutzt wurde. Aber auch hier in Altona: Das Altonaer Rathaus wurde zum Bahnhof von Köpenick umfunktioniert."

Hamburg als Kino-Metropole

Hamburg hatte zwar nie so große Filmstudios wie Berlin oder München - aber: Die Hansestadt hat den Hafen. Und der war schon immer ein beliebter Drehort. Die Ausstellung erzählt viele Geschichten rund um Hamburg als Kino-Metropole. In fünf kleinen Kinos kann man im Museum Ausschnitte wichtiger, hier entstandener Filme sehen - von Fritz Langs "Harakiri", der 1919 in exotischer Kulisse in Hagenbecks Tierpark entstand, bis hin zu Fatih Akins "Gegen die Wand" von 2004.

In Hamburg entstand auch das erste Filmdokument Deutschlands überhaupt. "Kaiser Wilhelm war 1895 auf dem Weg zur Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals und ist dafür am Dammtorbahnhof angekommen", berichtet Hielscher. "Und dieses Event ist auf Film festgehalten worden. Dadurch sind in Hamburg die ersten eindeutig datierbaren Aufnahmen entstanden."

Zeitreise in die 70er-Jahre: "Der goldene Handschuh"

Fatih Akin © picture alliance / abaca Foto: Marechal Aurore
Hamburg-Filme sind sein Metier: Neben "Soul Kitchen" stammt auch "Der Goldene Handschuh" vom Hamburger Regisseur Fatih Akin.

Schön ist auch die originale Kulisse der Kneipe "Der goldene Handschuh" von dem gleichnamigen Film von 2019. Man kann hineingehen, die Nikotingelben Vorhänge bewundern oder sich über die angeschlagenen Preise der Getränke freuen. In den 70er-Jahren reichten 20 D-Mark, um sich einen ausschweifenden Abend zu gönnen!

Die Zeitreise endet im Hier und Jetzt: "Wir haben ab den 80er-, 90er-Jahren versucht, den Fokus auf die diverse und vielfältige Stadtgeschichte zu legen - auf eine Vielfalt vor und hinter der Kamera. Es ist ja auch immer so, dass sich Film und Stadt widerspiegeln. Man sieht in den Stories, die erzählt werden, wie divers die Stadtgesellschaft gerade ist", findet Hielscher. /containerkraene100_v-contentxl.jpgPia Frankenbergs "Brennende Betten" oder Fatih Akins "Soul Kitchen" sind nur einige dieser urbanen Heimatfilme, wie Akin sie einmal genannt hat.

Altonaer Museum: Ausstellung "Close Up" bis 18. Juli 2022

Zu sehen sind übrigens auch einige originale Filmkostüme, unter anderem ein Kleid, das die damals 21-Jährige Romy Schneider in "Die schöne Lügnerin" trug. Besonders berührend daran ist zu sehen, wie unglaublich zierlich die Schauspielerin war. Eine sehr fesselnde Ausstellung, in die man richtig eintauchen kann.

Zu sehen ist "Close up" im Altonaer Museum bis zum 18. Juli nächsten Jahres. Zur Ausstellung gibt es ein spannendes Begleitprogramm - zum Beispiel werden die Filme, die ausschnittsweise im Museum zu sehen sind, in voller Länge im Metropolis Kino gezeigt.

 

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"Close Up": Neue Ausstellung zur Filmgeschichte Hamburgs

Die Sonderausstellung im Altonaer Museum stellt die Besonderheiten der Hamburger Filmgeschichte bis heute dar.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Altonaer Museum
Museumstraße 23
22765 Hamburg
Preis:
8,50€ (ermäßigt 5€), freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
Öffnungszeiten:
Montag und Mittwoch bis Freitag 10-17 Uhr
Samstag und Sonntag 10-18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kulturjournal | 07.12.2021 | 19:00 Uhr

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