Stand: 12.01.2020 23:00 Uhr  - NDR Kultur

Charaktergesicht Matthias Habich ist 80

von Julia Jakob

Am 12. Januar hat Charakterdarsteller Matthias Habich seinen 80. Geburtstag gefeiert. Ein Porträt des Theater- und Filmschauspielers, der noch mit dem legendären Gustaf Gründgens in Hamburg gearbeitet und im oscarprämierten Drama "Nirgendwo in Afrika" mitgespielt hat.

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Matthias Habich gibt nicht gerne Interviews und mag seine Arbeit ungern erklären.

Alias - so nannten ihn seine Mitschüler. Denn Matthias Habich schlüpfte schon als Pennäler gerne in andere Rollen. Heute zählt der gebürtige Danziger zu den Charakterdarstellern im deutschen Film. Dabei fing er klassisch auf der Theaterbühne an: in Hamburg, wo er aufwuchs, noch unter Gustaf Gründgens. Mit 80 Jahren kann er auch auf eine Reihe von großartigen Filmen zurückblicken.

Erster Auftritt 1965 im Fernsehen

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Schon oft hat Matthias Habich den Faust gespielt - hier etwa 1996 mit Peter Heinrich als Mephisto in Bad Hersfeld.

1965, als Fernseh-Serien noch Straßenfeger sein konnten, hat Matthias Habich seinen ersten, kleinen TV-Auftritt. In "Der Forellenhof" spielt er einen Bösewicht. Ein paar Jahre später übernimmt er die Hauptrolle in dem Sechsteiler "Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherr von Trenck". Weitere Fernseh-Mehrteiler um historische Figuren machen das Charaktergesicht Ende der 70er-Jahre dem breiten Publikum bekannt.

Matthias Habich spielt am Theater in Wien, Berlin, Paris

Parallel bleibt Habich der Bühne treu. Er spielt von King Lear bis Faust die großen Rollen an den großen Theatern in Wien, Berlin und Paris. Matthias Habich mag seine Arbeit nicht erklären, die Rollen sollen für ihn sprechen. Deswegen gibt er nicht gerne Interviews und mag nicht über sein Privatleben sprechen: "Der Raum, in den man eine Rolle stellt, müsste leer sein. Da muss die Rolle stehen. Wenn man diesen Raum vollstellt mit persönlichem Mobiliar - ich habe so viele Scheidungen erlebt, Drogenabhängigkeit, zerstörte Hotelzimmer - dann ist dieser Raum mit Parasiten voll." Man verliere sehr viel Zeit, die man aufbringen könne, sich auf das zu konzentrieren, was da gezeigt werde, so Habich. "Deswegen halte ich nichts davon, dass Schauspieler ihr Privatleben so in die Öffentlichkeit tragen."

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In Caroline Links Literaturverfilmung "Nirgendwo in Afrika" spielt Habich die Rolle des Süßkind.

Seine Darstellung lebt von der Geschichte, die er seinen Figuren mitgibt. Nie sind es Abziehbilder - wie etwa der liebende Familienvater. Seine Figuren sind zerrissen, unsicher, verlottert. Habich kann leise, kann laut - und das immer mit großer Dichte und Intensität. So wundert es nicht, dass er auch in großen internationalen Kinoproduktionen wie "Der Vorleser" (2009) oder "Nirgendwo in Afrika", dem oscarprämierten Drama von Caroline Link im Jahr 2001, mitgespielt hat. Für seine Darstellung von Victor Klemperer in dem Film "Klemperer - ein Leben in Deutschland" erhielt er vor 20 Jahren den deutschen Fernsehpreis.

Kleines Handicap - eine Legasthenie

Aber auch in vielen Hörspielen hat der großgewachsene Mann mitgewirkt - trotz seines Handicaps: Er musste etwa ganze Hörspiele auswendig lernen, erzählt Habich, denn: "Ich hatte früher eine leichte Legasthenie. Es wechselten sich immer Buchstaben aus, so kam ich leicht ins Stottern. "Die einzige Möglichkeit, dies zu überstehen sei gewesen, es auswendig zu können.

Flucht mit fünf Jahren aus Danzig

Als Fünfjähriger floh Habich mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern aus seiner Geburtsstadt Danzig. Nach anderthalb Jahren Flucht landete die Familie schließlich in Hamburg. Diese Erfahrungen sind es wohl, die Habich immer diesen Hauch von trotziger Einsamkeit geben. Seit vielen Jahren lebt der Schauspieler in Paris, wie er in einem Gespräch erzählt: "Paris liebe ich, weil es die schönste Stadt auf diesem Planeten ist." Sein Zweitwohnsitz ist in Zürich.

Auf Arbeit wird und will er nicht verzichten. Höchstens ein bisschen kürzer treten - mit 80 Jahren. "Ich bin schon Arzt gewesen und Pilot. Dieses Leben als Schauspieler ist sehr, sehr abwechslungsreich."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 12.01.2020 | 16:20 Uhr