Stand: 20.12.2019 11:49 Uhr  - NDR Kultur

Caroline Link: "Kino muss intensiv sein"

Mit "Jenseits der Stille" begeisterte Caroline Link 1996 zum ersten Mal das Kino-Publikum. Sieben Jahre später bekam die Regisseurin für "Nirgendwo in Afrika" einen Oscar. Fast alle ihre Filme waren Publikumsfilme, doch keiner wurde bisher so begeistert aufgenommen wie "Der Junge muss an die frische Luft" nach den Erinnerungen von Hape Kerkeling, den mehr als 3,7 Millionen Menschen in Deutschland gesehen haben. Am 1. Weihnachtstag kommt Links neuer Film "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" nach dem Buch von Judith Kerr in die Kinos.

von Katja Weise

Etwas atemlos erscheint Caroline Link zum Interview in München. Sie ist mit dem Auto gekommen: Stau wegen einer Tagesbaustelle. Caroline Link hat die Dinge gerne im Griff, nicht nur bei den Dreharbeiten. Die dunklen Haare sind leicht zerzaust, eilig schält sie sich aus dem Mantel. Die Vorweihnachtszeit ist anstrengend in diesem Jahr, schon seit Wochen erhält ihr Film "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" viel Aufmerksamkeit.

Ein Buch, vor dem man keine Angst haben muss

Schriftstellerin Judith Kerr. © Ravensburger Verlag Foto: T. Ehling
Die britische Schriftstellerin Judith Kerr starb im Mai 2019. Ihr Buch "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" erschien 1973 in deutscher Sprache.

Caroline Link hat das Buch von Judith Kerr, das von der Flucht ihrer Familie während der Nazi-Zeit über die Schweiz nach Frankreich erzählt, bereits in der Grundschule gelesen. Sie mochte es damals schon, weil es "kein grausames Buch" sei. Judith Kerr habe ein Buch schreiben wollen, vor dem Kinder keine Angst haben müssen, weil die Autorin ihre Zeit der Flucht tatsächlich auch als Abenteuer erlebt habe, so Link.

Etwa zehn Jahre lang hat sich die Regisseurin mit einer Verfilmung des Stoffes beschäftigt. "Dass es thematisch gerade sehr gut passt, mit einem wieder aufkommenden Antisemitismus und einer großen Flüchtlingsbewegung in unserem Land, ist ehrlich gesagt Zufall", sagt Link.

Freude an der Arbeit mit Kindern

Caroline Link ist ein Familienmensch. In ihren Filmen geht es fast immer um Kinder oder junge Menschen: "Ich liebe Kinder wirklich sehr, vor allem Kinder, die es irgendwie schwer haben." Überhaupt versuche sie gerne, die Hintergründe zu erfassen, in denen Menschen leben: "Aus was für einer Welt kommen sie? Wieso sind sie so, wie sie sind?" Und sie liebe die Arbeit, das Drehen mit den Kindern - vor allem mit Mädchen und Jungen, die wie jetzt Riva Krymalowski in "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" oder Julius Weckauf in "Der Junge muss an die frische Luft" noch nie zuvor vor einer Kamera standen.

Caroline Link: "Kino muss intensiv sein"

Die große Leinwand beeindruckte Caroline Link schon als kleines Mädchen, wenn auch aus einer anderen Perspektive. Damals ging sie mit dem Vater und der Schwester ins Kino und sah "Love Story". "Ich weiß noch, wie mein Vater im Kino geweint hat, und ich weiß nicht, ob mich der Film oder mein Vater mehr beeindruckt hat. Auf jeden Fall habe ich in diesem Moment verstanden, was Kino kann: Sogar meinen toughen Papa zum Weinen bringen", erzählt Link. Ihr ist das mit ihren Filmen vielfach gelungen. "Ich finde, dass Kino in irgendeiner Weise intensiv sein muss. Entweder wirklich lustig oder wirklich spannend oder eben wirklich emotional."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 23.12.2019 | 07:20 Uhr

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