Stand: 23.05.2019 20:00 Uhr

Kurzfilm "Kippa" erhält CIVIS Preis

von Benedikt Scheper

Seit einiger Zeit sorgt Antisemitismus an Berliner Schulen immer wieder für Schlagzeilen. Jüdische Kinder erfahren Ausgrenzung, Mobbing und teilweise sogar Gewalt. Doch das Problem beschränkt sich nicht auf die Hauptstadt. Ein Kurzfilm der Hamburg Media School hat das thematisiert und dafür im Auswärtigen Amt den ARD gestützten CIVIS - Europas Medienpreis für Integration - erhalten. Ein Besuch bei Regisseur Lukas Nathrath.

Oskar, ein schlanker dunkelhaariger Junge, ist 15 Jahre alt, neu an der Schule und will einfach nur dazugehören. Doch als im Religionsunterricht herauskommt, dass er Jude ist, beginnt das Drama. Seine Klassenkameraden grenzen ihn aus, beleidigen und schlagen ihn. Als Jude müsse er sich rechtfertigen, etwa für die Politik Israels oder das teure Auto seiner Mutter, meinen die Schläger. Die Dialoge greifen uralte, aber nach wie vor aktuelle Vorurteile auf.

Hauptdarsteller des Kurzfilms "Kippa"

Kurzfilm "Kippa" erhält CIVIS Medienpreis

Hamburg Journal -

Der Kurzfilm "Kippa" von Studenten der Hamburg Media School basiert auf wahren Begebenheiten und will das Publikum für zunehmende antisemitische Übergriffe sensibilisieren.

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Verbunden mit der herben Gewalt - keine einfachen Szenen für den 17-jährigen Hauptdarsteller Riccardo Campione: "Wenn man das mit dem Regisseur bespricht und durchgeht, was da alles passiert, dann kommt der Gedanke, dass das ja wirklich passiert ist und auch tatsächlich immer noch passiert."

Antisemitische Vorfälle haben zugenommen

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Regisseur Lukas Nathrath hat sich für seinen Kurzfilm an realen Fällen orientiert.

Der Kurzfilm "Kippa" der Hamburg Media School basiert auf wahren Begebenheiten und will das Publikum für das Thema sensibilisieren. Nach Auskunft der nicht-staatlichen Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin "Rias" haben antisemitische Vorfälle im letzten Jahr zugenommen.

Der 28-jährige Regisseur Lukas Nathrath hat sich für sein Drehbuch an verschiedenen realen Fällen orientiert und mit Betroffenen gesprochen. Es erschüttert ihn, dass offensichtlich jüdische Schüler heutzutage nicht mehr überall in Deutschland sicher zur Schule gehen können - und dass die Umstehenden, die Schule und die Politik nicht mehr gehandelt haben.

Eltern machtlos - Schule verharmlost

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Oskar, gespielt von Riccardo Campione, wird im Film von seinen Mitschülern aufgrund von seiner Religion schikaniert.

Im Film gerät der jüdische Oskar in eine Spirale aus Demütigung und Gewalt. Auch sein vermeintlicher Freund lässt ihn fallen, schlägt ihn sogar - unter Gruppenzwang. Die Eltern des Schülers wirken machtlos, die Schule verharmlost das Problem. Dass "Jude" ein Schimpfwort an Schulen ist, habe ihm sogar ein Schauspieler bestätigt, berichtet der Regisseur: "Wenn an seine Schule ein Jude gekommen wäre, wäre es ihm genauso ergangen. Darum geht es also, antisemitisches Mobbing und die Ausgrenzung aufgrund seiner Religionszugehörigkeit. Aber es ist auch eine universellere Geschichte über Gruppendruck, Ausgrenzung, Verrat, aber auch Freundschaft."

Eine glaubwürdige Gruppe

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Nathrath ist erschüttert vom Antisemitismus an deutschen Schulen.

Doch es gab auch einige Herausforderungen: Bei 40 Grad im Sommer hätten die Kamera-Akkus reihenweise nicht mehr funktioniert, erzählt der Regisseur. Außerdem sei es nicht nur schwierig gewesen, Locations zu finden, sondern auch, eine jugendliche Schauspielgruppe, die zueinander passt. Dafür ist das Drehteam durch ganz Deutschland gefahren, in Theatergruppen in Schulen gegangen und hat viele Casting-Agenturen gefragt.

"Ich bin froh, dass wir ganz tolle Leute gefunden haben, einen aus Hamburg und auch einen aus Berlin. Es ist wichtig, dass die Gruppe auch glaubwürdig wirkt", erklärt Nathrath. Der Aufwand hat sich gelohnt. Der brisante Stoff - vom NDR koproduziert - ist nun auch für den Studio Hamburg Nachwuchs Preis nominiert.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 24.05.2019 | 06:20 Uhr