Stand: 03.11.2019 08:19 Uhr  - NDR Info

Bud Spencer: Ein Multitalent mit Kultstatus

von Jan Farclas

Der Name des italienischen Schauspielers Carlo Pedersoli ist wahrscheinlich nicht jedem ein Begriff - sein Künstlername Bud Spencer schon eher. Am 31. Oktober wäre der legendäre "Dampfhammer" 90 Jahre alt geworden. Drei Jahre nach seinem Tod scheint er populärer denn je zu sein. Die Einschaltquoten im Fernsehen sind hoch, es gibt ein Fan-Festival und zu seinem 90. Geburtstag kam die Doku "Sie nannten ihn Spencer" erneut ins Kino - diesmal in einer Comedy-Fassung.

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Das Dreamteam Bud Spencer (l) und Terence Hill trat im Oktober 1984 in der deutschen Fernsehshow "Auf los geht's los" auf.

Bud Spencer, der grobe Bärtige, Marke Plattfuß, immer hungrig, meist schlecht gelaunt, aber das Herz auf dem rechten Fleck und eine Kelle schlagend, für die er eigentlich einen Waffenschein braucht - so kennen ihn die meisten. Abseits der Leinwand war der am 31. Oktober 1929 in Neapel geborene Schauspieler ungleich interessanter. Ein Multitalent, der das, was viele in drei Leben nicht schaffen, in eines packte: Schriftsteller, Musiker, Erfinder, Pilot, Leistungssportler und promovierter Jurist. Privat hatte er für Schlägereien nichts übrig, wie Bud Spencer mal 2011 in einem Interview sagte: "Ich habe für Gerechtigkeit auf gewaltlose Art gesorgt und die Leute akzeptieren das. Es ging in den Filmen eigentlich nicht mit Gewalt zu. Und das Tolle daran ist: Ich hasse die Gewalt. In dem ich aber Gewalt auf so komische Art vorführe, wird sie ungefährlich. Sogar die Kinder, wenn sie das sehen, geraten ins Lachen."

Bereits die dritte Zuschauergeneration lacht über Bud Spencer

Der Kult um den als Carlo Pedersoli geborenen Schauspieler ist ungebrochen. Auch die dritte Zuschauer-Generation, überwiegend männlich, lacht noch über die Filme. Einen großen Anteil daran hat auch Synchron-Regisseur Rainer Brandt. Der heute 83-Jährige ist verantwortlich für die meisten Dialoge, also die flapsigen Sprüche in den Filmen mit Bud Spencer und Terence Hill. "Es ist immer Gut gegen Böse", erklärt er. "Es gibt keine Toten in Form von Erschießen und Umbringen. Da wird mit seinem Vorschlaghammer ein Scheitel gehauen, das ist alles. Ansonsten gibt es Komik. Die Zuschauer wollen richtig abschalten - und das können sie in den Filmen. Darum sind sie nach wie vor auch gut."

"Dampfhammer" zufällig entstanden

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Synchronregisseur Rainer Brandt (r.) - hier mit NDR Reporter Jan Farclas - hat das sogenannte "Schnodderdeutsch" erfunden.

Rainer Brandt, der auch als Synchronstimme von Elvis Presley, Jean-Paul Belmondo und Tony Curtis bekannt ist, hat das sogenannte "Schnodderdeutsch" erfunden. Die Dialoge in den Spencer-Hill-Filmen wichen dabei oft stark vom Originaltext ab - Kalauer und Kneipenjargon stammen aus Brandts Feder. Bud Spencers berühmter "Dampfhammer" sei eher zufällig entstanden, erzählt er. Bei Dreharbeiten in den 60er-Jahren war ein Schauspieler ausgefallen. "Carlo war in der Nähe. Sie haben mit ihm probiert und er fragte, was er machen solle. Zuhauen, hieß es - und dann kam der Schlag von oben auf den Kopf und nicht von vorne." Das habe das Team herrlich gefunden. "Er hat immer mitgedacht. Er war ein toller, toller Mann", so Brandt über Bud Spencer.

Spencer und Hill wurden sozusagen Familienmitglieder

Bis heute scheint die Fan-Gemeinde in Europa ständig zu wachsen, in sozialen Netzwerken hauen sich die Leute die Sprüche um die Ohren, wie Marcus Zölch sagt. Er ist Hauptdarsteller in der Dokumentation "Sie nannten ihn Spencer" von 2017. "Das ist ein hochemotionales Thema, dass die beiden (Terence Hill und Bud Spencer, Anm. d. Redaktion) seit Anfang der 70er-Jahre in jedes deutsche Wohnzimmer gehört haben und über die Jahrzehnte sozusagen Familienmitglieder geworden sind. Ich hatte das große Glück, Bud kennenlernen zu dürfen und auch sein Freund zu sein. Er hat sich vor der Kamera nie verstellt, er war immer er selber, und das spüren die Leute einfach. Er hat eine Authentizität gehabt, die bei den Leuten ankommt", so Zölch.

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Szene aus dem Film "Hügel der blutigen Stiefel": Bud Spencer und Terence Hill wurden so etwas wie Familienmitglieder für die Fans.

Zum Spencers 90. Geburtstag kommt nun "Sie nannten ihn Spencer" nochmals in die Kinos - in einer Comedy-Fassung. Die dokumentarische Verneigung enthält auch ein nie gezeigtes Interview. Es sind die wahrscheinlich letzten bewegten Bilder des berühmten Dampfhammers.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 30.10.2019 | 15:55 Uhr

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