Stand: 03.04.2019 14:00 Uhr

Drama: Marihuana ist das grüne Gold der Wayuu

Birds of Passage - Das grüne Gold der Wayuu
, Regie: Ciro Guerra und Cristina Gallego
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Vor vier Jahren wurde der kolumbianische Film "Der Schamane und die Schlange" über das Verhältnis von indigenen Völkern und Kolonisatoren für den Oscar des besten fremdsprachigen Films nominiert - und wurde zu einem weltweiten Arthouse-Hit. Nun haben die Macher einen weiteren Film gedreht, der sich mit der Geschichte ihrer Heimat auseinandersetzt. Diesmal geht es um den Ursprung der Drogenkartelle in den 60er-Jahren. Auch "Birds of Passage" wurde von kolumbianischer Seite für das Oscar-Rennen nominiert.

Úrsula (Carmiña Martínez) mit Migliedern des Wayuu Stammes - Szene aus dem Film "Birds of Passage - Das grüne Gold der Wayuu" © MFA Filmverleih Foto: Mateo Contreras

Filmtrailer: "Birds of Passage"

Der Thriller "Birds of Passage - Das grüne Gold der Wayuu" erzählt Kolumbiens Entwicklung zu einem Land mit lebhaftem Drogenhandel am Drama einer indigenen Familie.

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Früher war Kolumbien drogenfrei

Kaum zu glauben, aber das hat es einmal gegeben: Ein Kolumbien ohne Drogen, Drogenkriege und Kartelle. Ein Kolumbien, in dem verschiedene Bevölkerungsgruppen friedlich ihren Lebensunterhalt bestreiten - durch Landwirtschaft, bescheidene Viehzucht. So wie die Wayuu, der größte indigene Stamm im Norden des Landes.

Der Film "Birds of Passage" von Ciro Guerra und Cristina Gallego wirft uns direkt hinein in die Riten und den Alltag eines Wayuu Clans. Es ist ein Leben, das eng verbunden ist mit der Natur und einer Spiritualität, die auf uralten Gesängen und dem Dialog mit den eigenen Träumen beruht. Etwa wenn Zaída, Tochter der Clan-Chefin Ursula ihrer Mutter erzählt, dass ihr im Traum die Großmutter erschienen sei.

Rapayet wirbt um die schöne Zaída

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Rapayet (José Acosta) muss ein strenges Ritual einhalten, wenn er die schöne Zaida (Natalia Reyes) heiraten will.

"Birds of Passage" beginnt mit einem Fest. Zaída gilt als heiratsfähig. Ein entfernter Verwandter, der junge Rapayet, verliebt sich auf den ersten Blick in die schöne junge Frau. Spannend ist das Prinzip der sogenannten Wortboten, das nun einsetzt. Rapayet kann nicht direkt mit der Familie seiner Angebeteten verhandeln. Er muss einen Wortboten aus der eigenen Familie schicken, der sein Anliegen vertritt.

Faszinierend sind die Bilder der wüstenhaften Ebene und ist der endlose Horizont, der Himmel, vor dem sich die Figuren manchmal nur als winzige Wesen abzeichnen. Die Hütten sind einfach, die Lebensform ist archaisch, doch der Stolz der Menschen schwebt über allem.

Die Clan-Chefin Úrsula versucht, die Heirat ihrer Tochter zu verhindern, indem sie ein absurd hohes Brautgeld festsetzt. Dafür ersinnt Rapayet eine fatale Geschäftsidee: Er wird den Gringos, amerikanischen Soldaten des in Kolumbien stationierten "peace corps", Marihuana verkaufen - erst in kleinen und schnell in immer größeren Mengen.

Eine Geschichte von Gier und Gewalt

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Manche Szenen erinnern an typische Mafia-Filme.

Eine der eindrücklichsten Sequenzen von "Birds of Passage" zeigt, wie das mit Hochdruck in die Region fließende Drogengeld die Menschen und Lebensformen verändert. Aus den Hütten werden protzige Neureichenvillen. Aus den kleinen Eselskarawanen mit den Ballen aus getrockneten Marihuana-Blättern werden lange Konvois aus Pick-ups, bewacht von Männern mit Schnellfeuergewehren. Es gibt Schießereien und Konkurrenzkämpfe. In manchen Momenten hat "Birds of Passage" Anklänge an klassische Mafia-Epen wie "Der Pate" oder "Scarface" - etwa wenn ein außer Kontrolle geratener Verwandter kalt gestellt wird.

"Birds of Passage" erzählt die Entwicklung von Kolumbien zum Drogenland mit dem fast shakespearehaften Drama einer Familie. Das hohe Brautgeld, das Úrsula einst von ihrem zukünftigen Schwiegersohn forderte, legte den Grundstein für die folgenden, immer brutaler werdenden Jahre der Drogengeschäfte. Als sie inmitten der entbrannten Clan-Kriege ihre Tochter zurückholen will, ist es zu spät.

Diese Geschichte von Gewalt, Gier und dem Niedergang einer Familie erzählen Ciro Guerra und Christina Gallego in Kapiteln, die von den traditionellen Gesängen der Wayuu eingeleitet werden. So wird der Verlust der Tradition auf traditionelle Weise erzählt, was "Birds of Passage" trotz seiner fatalen Geschichte zu einer einzigartigen ethnografischen Exkursion macht.

Birds of Passage - Das grüne Gold der Wayuu

Genre:
Thriller
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Kolumbien, Dänemark, Mexiko
Zusatzinfo:
mit José Acosta, Carmiña Martínez, Jhon Narváez
Regie:
Ciro Guerra und Cristina Gallego
Länge:
125 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
4. April 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 04.04.2019 | 07:20 Uhr

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