Stand: 12.03.2019 14:45 Uhr

David Kross als Fußballer Bert Trautmann

Trautmann
, Regie: Marcus H. Rosenmüller
Vorgestellt von Walli Müller

Der Wechsel eines deutschen Fußballers nach England ist heute keine große Sache mehr - 1949 hingegen war es eine Ungeheuerlichkeit! Als nur vier Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs Manchester City den deutschen Torwart Bert Trautmann unter Vertrag nahm, machten die Fans dem Verein die Hölle heiß. Den "Feind" wollte keiner im Team haben. Ein Historiendrama von Marcus H. Rosenmüller erzählt nun, wie der deutsche Keeper es schließlich schaffte, zum Idol der englischen Fußballfans zu werden.

Der Regisseur ist ein echter Fußballfan

Zur Vorpremiere seines Films in Trautmanns Geburtsstadt Bremen kommt Marcus H. Rosenmüller direkt aus dem Weserstadion. Wenigstens eine Halbzeit vom Werder-Spiel hat er vor dem Kino-Termin noch geschafft. Der Mann liebt Fußball und gesteht: "Ich bin absoluter Fußballfan und war deswegen noch verblüffter, dass ich noch nie von der Geschichte Trautmann gehört habe."

Der Stoff hat Rosenmüller dann so begeistert, dass er, der Spezialist für moderne bayerische Heimatfilme, sich erstmals auf eine deutsch-britische Koproduktion einließ, gedreht in englischer Sprache.

Fußballspielen in englischer Gefangenschaft

Bert Trautmanns Geschichte beginnt im Film 1945 in einem englischen Kriegsgefangenenlager. Es ist Trautmanns Glück, dass der Geschäftsmann Jack Friar ihn im Lager Fußball spielen sieht. Er kann ihn als Laden-Hilfe gebrauchen - und als Verstärkung für den kleinen Fußballverein, den er trainiert. Seine Familie allerdings ist "not amused".

Trautmanns Lebensgeschichte, die in Wirklichkeit ein paar Haken schlug, wurde für den Film sehr verdichtet. Die Dialoge wirken oft gedrechselt und die anfängliche Sprach-Barriere wird in der deutschen Synchronisation völlig eingeebnet. Dennoch ist die Geschichte berührend, weil sie deutlich macht, was es den europäischen Nachbarn nach 1945 abverlangt hat, überhaupt wieder mit den Deutschen zu reden.

Regisseur Rosenmüller, der vor Trautmanns Tod 2013 noch ausführlich mit ihm sprechen konnte, weiß, wie sehr dem Fußballer an der Versöhnung zwischen den Völkern gelegen war. Er erinnert sich: "Er hat gesagt, sein neues Leben hat im Kriegsgefangenenlager begonnen. Erst da konnte er sich dieser Gehirnwäsche entledigen. Im Alter hat er dann eine Stiftung gegründet, mit dem Ziel, dass sich englische und deutsche Jugendliche kennenlernen, Begegnungen stattfinden, gegeneinander Fußball spielen, damit Vorurteile weggewischt werden."

Trautmann-Darsteller Kross hat sich gründlich vorbereitet

David Kross spielt Trautmann als sympathisch zurückhaltenden, geradlinigen Menschen. Er hält den Hass, der ihm in England anfangs entgegenschlägt, aus und vollbringt später im Tor von Manchester City Wunderdinge.

Wer so einen Weltklasse-Keeper glaubwürdig spielen will, kann sich nicht einfach ins Tor stellen. Kross hat richtig hart trainiert. Es sagt: "Ich habe selbst viel Fußball gespielt in meiner Jugend, aber im Tor stand ich vorher noch nie. Da musste ich dann erst mal Torwart-Training nehmen und das alles lernen. Aber das war super, weil so konnte ich mich dann einmal im Leben wie ein Fußballprofi fühlen."

Die Stadion-Szenen feiern den Fußball, der Film insgesamt die Völkerverständigung - zwei gute Gründe, sich "Trautmann" anzuschauen.

Trautmann

Genre:
Biografie
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
Deutschland, Großbritannien, Irland
Zusatzinfo:
mit David Kross, Freya Mavor, John Henshaw
Regie:
Marcus H. Rosenmüller
Länge:
120 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
14. März 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 13.03.2019 | 06:40 Uhr

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