Stand: 17.01.2018 13:30 Uhr

Gary Oldman spielt Winston Churchill

Die dunkelste Stunde
, Regie: Joe Wright
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Den Golden Globe hat Gary Oldman für seine Rolle als britischer Premierminister Winston Churchill bereits gewonnen. Wird er dafür auch den Oscar für den besten Darsteller bekommen? Joe Wrights Historienfilm "Die dunkelste Stunde" zeigt den politischen Moment, an dem Churchill über das Schicksal Europas entschied.

Gary Oldman ist hinter der Maske kaum zu erkennen

Am 10. Mai 1940 wird Churchill Premierminister, nachdem er seinem Land schon als Handelsminister, Innenminister, Marineminister und Munitionsminister diente. Winston Churchill hat es geschafft, auch dank seiner Ehefrau Clementine Churchill, gespielt von Kristin Scott Thomas, deren Aufgabe in diesem Film besteht darin, ihrem Ehemann den Rücken zu stärken.

Winston Churchill wird gespielt von einem Gary Oldman mit dem riesigen Doppelkinn und den hängenden Wangen des legendären britischen Premierministers. So ganz sicher sein kann man nicht, dass sich unter der aufwendigen Maske wirklich Oldman verbirgt. Die leicht gebeugte, immer wie zum Angriff bereite Körperhaltung entspricht jedenfalls Winston Churchill, der berühmt war für seinen Trotz und seinen Eigensinn - auch gegenüber seinem König, George VI.

Churchill engagiert sich für den Kampf gegen Hitler

Joe Wrights Film "Die dunkelste Stunde" konzentriert sich auf jene Wochen, in denen das Schicksal der Welt in den Händen von Winston Churchill liegt. Adolf Hitler hat halb Europa überrannt, Frankreich ist besetzt, die nur unzureichend gerüstete britische Armee steht der deutschen Kriegsmaschinerie gegenüber. Immer noch gibt es in Churchills Kabinett Anhänger der von Lord Chamberlain vertretenen Appeasement-Politik. Diesen Beschwichtigern hält Gary Oldmans Churchill ein legendäres, historisch belegtes Zitat entgegen: "Man kann mit einem Tiger nicht vernünftig reden, wenn man mit seinem Kopf in dessen Maul steckt".

Anfang Juni 1940 gelingt Winston Churchill die Evakuierung der eingekesselten britischen Truppen an den Stränden von Dünkirchen. Er folgt seiner Intuition: Für ihn ist Hitler der Tyrann, den man zur bedingungslosen Kapitulation zwingen muss. Er ist das pure Böse, das Unaussprechliche. Er ist der Mann, mit dem die Welt, so Churchills Worte, im Abgrund eines neuen dunklen Zeitalters versinken wird.

Politische Dramatik mit heiteren Einschüben

Regisseur Joe Wright inszeniert Churchills Kampf gegen den Menschheitsverbrecher als spannungsvolles und konventionelles Drama mit vielen pathetischen Momenten. Hier herrscht die Ästhetik des Historienfilms mit seinen bräunlichen Farben, dem immer gleichen Licht. Das Drehbuch sorgt bei aller politischen Dramatik immer wieder für heitere Entlastung.

Frei erfunden ist eine Szene, in der Churchill vor seiner berühmten Mobilmachungsrede am 4. Juni 1940 in die Londoner U-Bahn steigt und sich Zuspruch beim so genannten einfachen Volk, ja sogar bei Kindern holt. Dann kommt sie, die Rede, auf die alles hinausläuft. "We shall fight on the beaches." Churchill schwört das Parlament und wenig später in einer Rundfunkansprache das britische Volk auf den Krieg ein.

Die Rede ist ein Musterbeispiel an politischer Rhetorik. Die Sehnsucht nach solchen Staatsmännern und solchen Appellen scheint so groß zu sein, dass das Kino über die historische Wahrheit hinweg erzählt. Denn tatsächlich war Churchills Rede eine einzige Nuschelei. Trotz seiner schleppenden, undeutlichen Diktion gelang es ihm jedoch, das britische Volk zu entflammen. "We shall fight on the beaches" - "Wir werden an den Stränden kämpfen" war die Ansprache eines großen Redners, der den Mund nicht richtig aufkriegte.

Die dunkelste Stunde

Genre:
Biografie
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Gary Oldman, Kristin Scott Thomas, Ben Mendelsohn
Regie:
Joe Wright
Länge:
126 min
FSK:
ab 6 Jahre
Kinostart:
18. Januar 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 18.01.2018 | 07:20 Uhr

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