Stand: 06.06.2017 16:45 Uhr

Erschreckend gut: Ethan Hawke als Chet Baker

Born to be Blue
, Regie: Robert Budreau
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Es heißt zwar gern "Sex and Drugs and Rock 'n' Roll", aber auch unter Jazzmusikern gab es so einige Frauenhelden und Drogenabhängige. Einer der berühmtesten war Chet Baker. Der Film "Born to be blue" zeigt das Leben des legendären Trompeters.

Frauenschwarm mit samtweicher Stimme

Chat Bakers Aufstieg in den 1950er-Jahren war kometenhaft. Der Mann konnte nicht nur Trompete spielen, sondern auch singen, und sah extrem gut aus. Wenn er mit seiner samtweichen Stimme Liebeslieder wie "My Funny Valentine" ins Mikrofon hauchte, lag ihm besonders das weibliche Publikum zu Füßen.

Nicht selten ist der Blick auf die klassische Ära des Jazz ein wenig verklärt. Um die Ikonen dieser Zeit, Miles Davis, Dizzy Gillespie, Charlie Parker und eben Chet Baker ranken sich unzählige Anekdoten von verqualmten Clubs, dramatischen Frauengeschichten und der alles beflügelnden Liebesdroge Heroin.

Dealer schlagen ihm Zähne aus

Bild vergrößern
Ethan Hawke spielt Chet Baker. Carmen Ejogo verkörpert Jane, die ihm aus seiner Krise heraushilft.

Baker war nicht der Einzige, der an der Nadel hing. 1966 befindet er sich an einem Tiefpunkt: Dealer schlagen ihm die Zähne aus, er kommt ins Gefängnis und wird zumindest einen Rat des Arztes nicht befolgen: "Ich habe mit Ihrem Bewährungshelfer gesprochen, der eine Methadonbehandlung empfohlen hat, deshalb darf ich Ihnen keine Schmerzmittel verschreiben ... Halten Sie einfach durch und vermeiden Sie es, Ihren Mund zu belasten, okay?"

Letzteres geht natürlich gar nicht. Erst ohne, später mit Zahnprothese tut er, was er eben nicht lassen kann: Trompete spielen. Die Musik und die Drogen, das sind die beiden großen Lieben seines Lebens. Dagegen ist auch seine Ehefrau machtlos.

Vom Farmersohn zur Jazz-Legende

Die Geschichte von Chet Baker ist eine komplexe Story. Sie handelt von dem weißen Farmerssohn aus Oklahoma in der von schwarzen Musikern an der Ostküste dominierten Jazzwelt.

Chet Baker sitzt am offenen Fenster auf Fensterbank und spielt Trompete, Schwarzweiß-Foto © picture-alliance/akg-images / Bianconero

Chet Bakers letztes Konzert

NDR Kultur

Chet Baker's Last Great Concert, nur zwei Wochen vor dem überraschenden Tod der Jazz-Legende, das er mit der NDR Bigband und dem Rundfunkorchester Hannover im NDR Funkhaus spielte.

5 bei 6 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Es ist kein Geheimnis, dass Baker besonders die Anerkennung von Miles Davis wichtig war. Sie erzählt von einem Ausnahmetalent, für das die Freiheit der Improvisation in der Musik zum Zwang zu Kreativität und Wettbewerb wurde.

Wer einen "echten" Film über Chat Baker sehen möchte, sollte sich die Dokumentation "Let's get lost" von Bruce Weber anschauen. Wer die dramaturgisch aufgepeppte Variante mit einigen belegten Schlüsselszenen und anderen hinzugedichteten bevorzugt, ist bei "Born to be Blue" genau richtig. Auch, weil der Hauptdarsteller Ethan Hawke eine geradezu erschreckend gute Leistung zeigt. Nur wer die Originale sehr gut kennt, wird hören, dass hier nicht der Meister selbst singt und spielt!

Born to be Blue

Genre:
Biografie
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Großbritannien, Kanada
Zusatzinfo:
mit Ethan Hawke, Carmen Ejogo, Callum Keith Rennie
Regie:
Robert Budreau
Länge:
98 Min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
8. Juni 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 07.06.2017 | 06:40 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/film/Biografie-Born-to-be-Blue,borntobeblue114.html

Mehr Jazz

Ohren-Gold: Jazz-Essays von Michael Naura

Michael Naura war Moderator, Autor, Produzent, Musiker und vor allem: Fan. In 26 Miniaturessays stellt NDR Kultur seine Jazz-Favoriten vor - von A wie Armstrong bis Z wie Zawinul. mehr

Weitere Neustarts der Woche

Film zeigt Whitney Houstons Untergang

Sie sollte perfekt sein, doch Whitney Houston wollte raus aus diesem Korsett. Jahre nach ihrem Tod erzählt nun die Doku "Whitney - Can I Be Me?" von den Kämpfen des Superstars. mehr

Mehr Kultur

02:22

Porträt: Die Fotografin Anna Zuidema

20.08.2017 20:15 Uhr
Landpartie - Im Norden unterwegs
02:07

Matsch und Glitzer: MS Dockville gestartet

19.08.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
03:07

Eine Reise durch Roger Willemsens Gedankenwelt

19.08.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin