Stand: 07.11.2018 13:10 Uhr

Ryan Gosling spielt ersten Mann auf dem Mond

Aufbruch zum Mond
, Regie: Damien Chazelle
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Der angesagteste amerikanische Filmstar spielt einen der berühmtesten Menschen des 20. Jahrhunderts: Das klingt nach einem populärkulturellen Overkill. Doch so einfach ist das nicht mit Damien Chazelles Film "Aufbruch zum Mond", in dem Ryan Gosling den Astronauten Neil Armstrong spielt.

Ryan Gosling als Neil Armstrong (rechts) - Szene aus dem Film "Aufbruch zum Mond" © Universal Pictures Intl. Germany

Filmtrailer: "Aufbruch zum Mond"

Damien Chazelles Mondlandungsfilm ist angenehm unpathetisch. Er zeigt fast zwei Stunden lang, wie viel Schmerz, Energie, Entbehrungen und Rückschläge die Reise zum Mond gekostet hat.

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Weltraum-Ikone als ganz normaler Mensch

Neil Armstrong, das ist der Mann mit dem Spruch über den kleinen Schritt für sich und den großen Schritt für die Menschheit. Der Mann, der am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond betrat und den Rest seines Lebens in Schulen, Universitäten, auf Kongressen und vor Büchereivereinen davon erzählte.

Damien Chazelles Film "Aufbruch zum Mond" will aus dieser mit ihrer Tat verschmolzenen Ikone etwas anderes machen: einen Menschen. Ryan Gosling spielt ihn überzeugend introvertiert: als Mann mit Sorgen, Zweifeln, Eheproblemen. Als Vater, dessen kleine Tochter an einem Hirntumor gestorben ist. Als erfahrenen Navy-Piloten, der sich vor einer NASA-Komission um die Teilnahme an einem Raumfahrtprogramm bewirbt.

Ein Mann musste auf erschütternde Weise die Grenzen der Wissenschaft erfahren - und stellt sich vielleicht gerade deshalb in den Dienst ihrer scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Von dieser Art Küchenpsychologie mutet uns "Aufbruch zum Mond" einige Dosen zu. So wirkt die Vermenschlichung einer der größten Heldenfliguren des 20. Jahrhunderts hier manchmal ein wenig vordergründig.

Spannung zwischen Öffentlichem und Privatem

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Armstrongs Frau Janet (Claire Foy) steht dem Vorhaben skeptisch gegenüber.

Interessant ist dennoch, wie der Film Armstrongs Privatleben zeichnet, wie er die Spannung zwischen Öffentlichem und Privatem verdeutlicht. Zu Hause erfüllt Armstrongs Ehefrau Janet die klassische Rolle der Mutter und Hauswirtschafterin. Aus seinem Berufsleben bleibt sie ausgesperrt. Sie weiß nicht wirklich, was ihr Mann gerade macht, an welcher Mission er beteiligt ist und welche Gefahren damit verbunden sind.

Claire Foy spielt Mrs. Armstrong als latent frustriertes, zurückhaltend genervtes Geschöpf. Immerhin: Hin und wieder kommt es zur Explosion - etwa als Janet während eines Testflugs darauf besteht, zu Hause den Funkverkehr zwischen ihrem Mann und der Bodenstation übertragen zu bekommen.

Wenn in diesem Fim etwas wirklich fasziniert, dann die halsbrecherischen technischen Konstruktionen, die zusammengenietet und gelötet wirkenden Raumschiffe, die stählerne Mechanik, die komplett altmodisch aussehende Eletronik.

Weltraumheld im Nachrückverfahren

Bei einem schief verlaufenden Testflug wird man im Zuschauerraum durchgerrüttelt durch den ohrenbetäubenden Lärm der Maschinen. Der Metallkörper des Mondlandunsgeräts kommt ins Schlingern, nur knapp überlebt Armstrong die Bruchlandung in der Pampa.

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Neil Armstrong (Ryan Gosling) hat die Bruchlandung überlebt.

Wer weiß heute noch, dass Neil Armstrong eigentlich nicht als Teilnehmer der Mondmission vorgesehen war? Dass er nachrückte, nachdem drei Astronauten während einer Startsimulation in der Kapsel erstickt waren? So sorgt "Aufbruch zum Mond" nebenbei für ein wenig Allgemeinbildung - und das Drehbuch für jene eingängigen Sprüche, die das amerikanische Mainstream-Kino so perfekt serviert.

Angenehm und überraschend ist Damien Chazelles Blick auf die eigentliche Landung. Es wird keine amerikanische Flagge in die Mondoberfläche gerammt, es gibt keine nationale Symbolik zu großem Musikgeorgel - im Gegenteil: Eher betreibt der Film die Ent-Nationalisierung und Ent-Pathetisierung des historischen Moments. Schließlich haben wir zuvor fast zwei Stunden lang erfahren, wie viel Schmerz, wie viele Tode, wie viel Energie, wie viele Entbehrungen, persönliche Krisen, Rückschläge und Vorbereitungen das Projekt Mondlandung gekostet hat.

Aufbruch zum Mond

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Ryan Gosling, Claire Foy, Jason Clarke
Regie:
Damien Chazelle
Länge:
142 Minuten
FSK:
ab 12 Jahren
Kinostart:
8. November 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 08.11.2018 | 07:20 Uhr

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