Stand: 14.02.2019 21:15 Uhr

Berlinale: Goldener Ehrenbär für Charlotte Rampling

von Hartwig Tegeler

Die britische Schauspielerin Charlotte Rampling hat am Donnerstagabend auf der Berlinale den Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk erhalten. Rampling stehe "für ein unkonventionelles und aufregendes Kino", betonte Festivalchef Dieter Kosslick. 1946 in England geboren, wechselte Charlotte Rampling im Laufe ihrer Karriere scheinbar mühelos zwischen Hollywood und dem europäischen Kino. Und drückte Filmen auch in kleineren Rollen ihren Stempel auf.

Charlotte Rampling: Stationen ihrer Karriere

"Sich zu exponieren, ist gewaltig. Wenn du es einmal probierst. (…) Ich hatte nie gedacht, mal Schauspielerin oder Model zu werden, ich strebte das nicht an. Aber sobald du es probierst und erfolgreich bist, ist es eine gefräßige Bestie." Charlotte Rampling

Dieses Zitat stammt aus "The Look" von Angelina Maccarone - dem filmischen Porträt über die britische Schauspielerin. Doch es scheint, als habe Rampling mit den mehr als 100 Film- und Fernsehproduktionen diese "gefräßige Bestie" geritten und nicht umgekehrt. Erstaunlich bei einer Karriere, die mit zwei Skandal-Filmen ihren Anfang nahm: 1969 der Visconti-Film "Die Verdammten" und 1974 "Der Nachtportier", in dem Regisseurin Liliana Cavani die sadomasochistische Beziehung zwischen einer jungen Frau und einem Hotelportier, in dem sie zwölf Jahre nach dem Krieg ihren früheren KZ-Wachmann erkennt, beschreibt.

Eine geheimnisvolle Ausstrahlung

"Der Nachtportier" ist wüste Kolportage. Doch der verstörenden Wucht der Szene, in der Charlotte Rampling mit Uniformmütze, nacktem Oberkörper und langen Handschuhen eine deutsche Schnulze singt, kann man sich auch heute nicht entziehen. Ihrer geheimnisvollen Ausstrahlung konnten sich auch ihre Regisseure nicht entziehen: Patrice Chéreau ("Das Fleisch der Orchidee", 1974), Woody Allen ("Stardust Memories", 1980) oder Sidney Lumet ("The Verdict", 1982). Und natürlich François Ozon, dessen Kamera sie hemmungslos liebte. In "Unter dem Sand" - im Jahr 2000 im Kino - spielte Charlotte Rampling eine Frau, die den Tod ihres Mannes verdrängt.

Im Februar 2019 ist sie 73 Jahre alt geworden. Die Energie, die sie auf der Leinwand immer versprühte, wirkt ungebrochen. Charlotte Rampling hat weder das Blockbuster- noch das Serien-Geschäft gescheut. Aber nach solchen Werken wie "Basic Instinct 2" kam dann gleich wieder die Arbeit mit den Vertretern des anderen Kinos: dem dänischen Kino-Berserker Lars von Trier beispielsweise - oder eben ein "neuer Ozon".

"Schauspiel muss von Zauberhand passieren"

Dass sie eine alte Frau geworden ist - auch das macht die Faszination von Charlotte Rampling aus -, wird in den letzten Jahren zum vollkommen natürlichen Teil ihrer Rollen. Vielleicht gehört eben zum Geheimnisvollen immer auch die Radikalität, Grenzen zu überschreiten und die eigene Vergänglichkeit nicht zu kaschieren. Ach ja, und das Handwerk? Charlotte Rampling selbst sagte einmal: "Das Schauspielen muss etwas sein, das einfach so passiert, wie von Zauberhand, wie ganz von selbst. Das versuche ich immer zu erreichen, es soll einfach geschehen."

Und es ist geschehen, besser: Es geschieht immer noch, wenn wir sie sehen. Egal, ob als 20- oder 50- oder jetzt als über 70-Jährige.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 14.02.2019 | 11:20 Uhr

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