Maren Eggert erhält Silbernen Bären für "Ich bin dein Mensch"

Stand: 05.03.2021 13:26 Uhr

"Bad Luck Banging or Loony Porn" hat bei der 71. Berlinale den Goldenen Bären bekommen. Maren Eggert erhält für "Ich bin dein Mensch" den wichtigsten Schauspielpreis des Wettbewerbs mit 15 Filmen.

von Patricia Batlle

Die sechsköpfige Jury des Wettbewerbs ohne Vorsitz, bestehend aus vorherigen Gewinnerinnen und Gewinnern der Online-Berlinale, hat am Freitagmittag ihre Entscheidungen in einer virtuellen Pressekonferenz mitgeteilt. Wie der israelische Regisseur Nadav Lapid ("Synonyme") verkündete, geht der Goldene Bär an den außergewöhnlichen Film "Bad Luck Banging or Loony Porn" des Rumänen Radu Jude. In der Jurybegründung hieß es über die experimentelle Satire, sie sei "ausgelassen, intelligent und kindisch, geometrisch und lebendig, auf beste Art ungenau.". Darin geht es um eine Lehrerin, die wegen eines privaten Sexvideos in Schwierigkeiten gerät, als es an die Öffentlichkeit gelangt.

Silberner Bär für Schauspielerin Maren Eggert, die Maria Schrader dankt

Mit einem Silbernen Bären wurde Maren Eggert für ihre Rolle als Alma in Maria Schraders romantischer Sci-Fi-Komödie "Ich bin dein Mensch" ausgezeichnet. In der Jurybegründung hieß es: "Ihre Präsenz machte uns neugierig, ihr Charme sensibel. Und ihre breite schauspielerische Palette ließ uns fühlen, lachen und Fragen stellen." Die Hamburger Schauspielerin spielt eine auf Keilschriften spezialisierte Anthropolin, die als eine von zehn Expertinnen das künftige Zusammenleben von Menschen und humanoiden Robotern evaluieren soll. Sie soll dafür drei Wochen lang mit dem auf sie zugeschnittenen Roboter Tom (Dan Stevens) zusammenleben.

Dan Stevens tanzt mit Maren Eggert in einer Szene von Maria Schraders Berlinale-Wettbewerbsfilm "Ich bin dein Mensch" © Christine Frenzl Foto: Christine Frenzl
AUDIO: Berlinale-Film "Ich bin dein Mensch": Eine tiefsinnige Komödie (3 Min)

In einem Statement des Filmverleihs dankte Eggert für den Preis besonders ihrer Regisseurin: "Maria Schrader ist der wahrscheinlich radikalste und leidenschaftlichste Mensch, mit dem ich bisher das Glück hatte zusammenzuarbeiten. Ich danke ihr für ihr Vertrauen und ihre Liebe für unseren Film". Sie hätten den Film trotz der Pandemie drehen können. "Dieses Glück haben nicht viele Kulturschaffende, denen meine Solidarität gilt. Ich wünsche mir, dass die Pandemie bald überstanden ist und wir uns im Juni, wenn die Berlinale ihr Programm dem Publikum präsentiert, wieder persönlich treffen können."

Silberner Bär für Doku "Herr Bachmann und seiner Klasse"

Szene aus dem DokumentarfilmFilm "Herr Bachmann und seine Klasse" von Maria Speth, Silberner Bär Preis der Jury der Berlinale 2021 © Madonnen Film
Regisseurin Maria Speth zeige in "Herr Bachmann und seine Klasse", so die Jury, wie weit Lehrende "allein mit echtem Respekt, offenem Austausch" bringen könnten.

Den Silbernen Bär Preis der Jury erhielt eine fast vierstündige deutsche Dokumentation von Maria Speth, "Herr Bachmann und seine Klasse". Als bester Regisseur wurde der Ungar Dénes Nagy für "Natural Light", der Südkoreaner Hong Sangsoo für sein bestes Drehbuch des Filmes "Introduction" ausgezeichnet. Der Große Preis der Jury ging an den Japaner Ryusuke Hamaguchi für sein Drama "Wheel of Fortune and Fantasy". In der Begründung hieß es: "Dort, wo Dialoge und Wörter für gewöhnlich aufhören, fangen die Dialoge dieses Films erst an. Hier gehen sie in die Tiefe, so tief, dass wir uns erstaunt und besorgt fragen: Wieviel tiefer geht es noch? Hamaguchis Wörter sind Materie, Musik, Werkstoff."

Die Preisverleihung soll im Juni bei einem Sommer-Event mit Publikum vom 9. bis zum 20. Juni stattfinden. In der Reihe Encounters wurde der französische Dokumentarfilm "Nous" von Alice Diop als bester Film ausgezeichnet. Die Übersicht aller weiteren Preise ist auf der Berlinalepräsenz zu finden.

Weitere Informationen
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