Ein Goldern Bär steht hinter Silbernen Bären - den Filmpreisen der Internationalen Filmfestspiele Berlin © Michael Kappeler/dpa-Bildfunk Foto: Michael Kappeler

Berlinale 2021: Bärenstarke Jury-Besetzung

Stand: 01.02.2021 15:34 Uhr

Die 71. Berlinale läuft vom 1. bis 5. März inklusive Film-Markt in digitaler Form. Die sechs Gewinnerinnen und Gewinner der vergangenen sechs Goldenen Bären urteilen dieser Jahr über den Wettbewerb.

Vom 9. bis 20. Juni folgt dann später im Frühsommer ein Fest mit mehreren Filmsektionen und mit Publikum. Zu dieser Gelegenheit soll die Bären-Vergabe stattfinden. Wie die Berlinale am Montag bekannt gab, werden in der diesjährigen Jury sechs Filmemacherinnen und Filmemacher sitzen, die die letzten sechs Goldenen Bären gewonnen haben. Mit dabei sind der Iraner Mohammad Rasoulof, Regisseur des Goldenen Bären-Gewinnerfilms von 2020, "Es gibt kein Böses", der Israeli Nadav Lapid (Israel), Regisseur von "Synonyme" von 2019 sowie die Ungarin ldikó Enyedi - sie siegte 2017 mit ihrem Liebesfilm "Körper und Seele". Ihr nächster - hauptsächlich in Hamburg gedrehter Historienfilm "The Story Of My Wife", wird dieses Jahr im Kino erwartet.

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Berlinale: Publikumsfest 2021 erst im Juni

Die Berlinale-Festivalchefs Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian bei der Abschlussgala der 70. Berlinale. © imago images / Future Image
Die Berlinale-Festivalchefs Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian bei der Abschlussgala der 70. Berlinale.

Bereits im Dezember wurde, bekannt, dass die Internationalen Filmfestspiele Berlin 2021 nicht wie geplant im Februar stattfinden würden. So gab das Festival bekannt, dass die Berlinale aufgrund der aktuellen Corona-Situation zweigeteilt werde: in einen digitalen Branchentreff vom 1. bis 5. März und in ein Publikumsfest im Juni. "Es gibt ein großes Bedürfnis nach physischen Begegnungsmöglichkeiten. Aber die aktuelle Situation lässt das im Februar nicht zu. Zugleich ist es wichtig, der Filmindustrie im ersten Quartal einen Markt zu bieten", sagte Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek.

Mit der Veränderung des Festivalformats 2021 habe man so die Möglichkeit, "die Gesundheit aller Gäste zu schützen und den Neustart der Kinobranche zu unterstützen". Im Sommer wolle man dann "ein Fest für das Kino feiern und dem Berliner Publikum das langersehnte Gemeinschaftserlebnis von Kino und Kultur bieten" hieß es in der Pressemeldung weiter.

Bekanntgabe der Wettbewerbsfilme am 11. Februar

Am dem 8. Februar wolle man beginnen, erste Filme bekannt zu geben, so die Berlinale am Montag. Die Wettbewerbsfilme werden am 11. Februar veröffentlicht. Dem Berliner Publikum werden die Preisträgerinnen und Preisträger sowie die Filmauswahl im Sommer präsentiert. Das Festival plant hierfür eine festliche Eröffnung. Das Sommerfestival solle jedoch nicht im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz stattfinden, sondern in mehreren Kinos. Bisher seien laut Geschäftsführerin Rissenbeek zehn Spielstätten im Gespräch, sagte Auch Freiluft-Veranstaltungen seien angedacht. Die Berlinale gilt als Publikumsfestival. Zuletzt waren 2020 rund 330.000 Karten verkauft worden.

Berlinale-Filme vom 9. bis 20. Juni vor Publikum

Beim Publikumsfestival sollen voraussichtlich etwa 70 Filme gezeigt werden, sagte Rissenbeek über die Pläne für den zweiten Teil der Berlinale im Deutschlandfunk. Frische Filme für Filmfestivals gibt es dieses Jahr genug, das dürfte kein Problem für das Line-Up der A-Festivals Berlinale, Cannes und Venedig bedeuten. Die Festivalleitung betonte, die Gesundheit und das Wohlbefinden aller Gäste und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehe bei den Planungen aber an erster Stelle.

Berliner Kultursenator Klaus Lederer äußert Bedenken

Bereits am 3. Dezember hatte der Berliner Kultursenator Lederer laut Deutsche Presse Agentur gesagt, er blicke skeptisch auf eine Berlinale im gewohnten Rahmen. "Dass eine normale Berlinale, wie wir sie hatten, nicht kommen wird, wissen wohl alle", äußerte der Politiker der in Berlin auch im Hinblick auf die "Berliner Pandemie-Zahlen". Er verweise darauf, dass "viele andere Kulturakteure hybride oder auch rein digitale Veranstaltungen hinbekommen und da auch tolle Sachen draus geworden sind."

Genderneutraler Schauspielpreis Silberner Bär ab 2021

Im Sommer hatte die Berlinale bereits Änderungen angekündigt. So verschwindet etwa die Trennung zwischen den Geschlechtern bei dem Silbernen Bären für die beste Darstellerin und den besten Darsteller. Es wird nur noch ein einziger Preis für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle vergeben. Im Gegenzug soll künftig ein Silberner Bär für die beste Nebenrolle verliehen werden. "Die Auszeichnungen im Schauspielfach nicht mehr nach Geschlechtern zu trennen, ist ein Signal für ein gendergerechteres Bewusstsein in der Filmbranche", kommentierte das Festival-Leitungsduo Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian die Entscheidung.

Der "Silberne Bär Alfred-Bauer-Preis" für neue Perspektiven der Filmkunst wird nicht mehr verliehen, nachdem im Frühjahr durch Recherchen der "Zeit" die Vergangenheit des Berlinale-Gründers und Namensgebers des Sonderpreises, Alfred Bauer, bekannt geworden war. In der "Zeit" hieß es, Bauer sei ein "hochrangiger Funktionär der NS-Filmbürokratie" gewesen.

Das Filmfest hatte daraufhin eine Studie in Auftrag gegeben, die im September 2020 bestätigte, "dass Bauers Rolle in der Reichsfilmintendanz bedeutender war als bisher bekannt und von ihm nach 1945 systematisch verschleiert wurde".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 01.02.2021 | 19:00 Uhr

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