SASCHA HEHN (Dr. Udo Brinkmann), BARBARA WUSSOW (Schwester Elke), KLAUSJÜRGEN WUSSOW (Prof. Brinkmann) und EVA MARIA BAUER (Oberschwester Hildegard, als Patientin) in einer Szene der Schwarzwaldklinik. © picture alliance / United Archives | United Archives / kpa

"Bergdoktor" bis "Dr. Ballouz": Was macht Arztserien so beliebt?

Stand: 10.04.2021 20:35 Uhr

Im ZDF ist Anfang April die neue Krankenhaus-Serie: "Doktor Ballouz" an den Start gegangen. In ZDF-Mediathek ist die komplette "Schwarzwaldklinik" abrufbar. Was macht dieses Genre so erfolgreich?

Dr. Amin Ballouz (Merab Ninidze) steht auf einem Feld mit Schafen vor einem Trabi. © ZDF Foto: Karel Kuehne
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von Walli Müller

Knittriger Trenchcoat, kleiner Trabi und ein großes Herz sind das Markenzeichen von Dr. Ballouz (Merab Ninidze). Er ist Chefarzt einer kleinen Klinik in der Uckermark. Gemeinsam mit seinem Team kämpft er für das Wohl der Patienten in dem idyllischen, aber strukturschwachen Landstrich und gegen die eigene Vergangenheit. Mit seiner neuen Serie setzt das ZDF auf ein beliebtes Genre. Viele Arztserien sind auch international beliebt.

Erfolgsgeschichte Arztserie: Dr. Brinkmann und Co.

George Clooney wurde als Kinderarzt im "Emergency Room" zum Star, Florian David Fitz als Oberarzt in "Doctor’s Diary". Unzählige Serien-Ärzte und -Ärztinnen praktizieren weltweit vor Fernsehpublikum. Um die 25 Millionen schauten Mitte der 80er-Jahre zu, wenn Professor Brinkmann in der Schwarzwald-Klinik seine fachliche und menschliche Kompetenz unter Beweis stellte. Er ist der Prototyp des Serien-Chefarzts: empathisch, gütig, humorvoll - und so weise, wenn er sagt: "Ein guter Arzt zweifelt immer ein bisschen, vor allem an sich selbst."

Inzwischen sitzen nicht mehr alle vor einer, sondern jeder vor seiner beziehungsweise ihrer eigenen Lieblings-Arztserie. Fan Neele Röschner liebt "Betty’s Diagnose" und "Dr. Klein", wie sie erzählt: "Arztserien gucke ich gerne, zum einen wegen der verrückten und dramatischen Diagnosen, aber auch, weil man einen Einblick in das Privatleben der Ärzte bekommt." Sie mag also Dialoge wie "Sturz aus zwei Metern Höhe auf ein Vordach. Verdacht auf stumpfes Thorax-Trauma. Intubation vor Ort, Becken stabil."

Arztserien-Dauerbrenner "Der Bergdoktor" und "In aller Freundschaft"

Auch Tim Hülskamp liebt die Serien "Der Bergdoktor" und "In aller Freundschaft", erzählt er: "Ich bin selbst als Arzt tätig und sage immer zu Hause: 'Fortbildung'." Er schaue am liebsten mit anderen zusammen, so Tim. "Weil ich dann damit angeben kann, dass ich die Krankheitsbilder erkenne, weil die natürlich meist wie im Lehrbuch sind." Das klingt dann zum Beispiel so: "Die Leukozyten- und Fibroblasten-Kulturen zeigen die typische fehlende Aktivität der Sphingomyelinase. - Klare Anzeichen für Morbus Niemann-Pick Typ A oder B."

Beraterinnen sorgen für medizinische Korrektheit

So soapig das "wer nun wieder mit wem in der Klinik" sein mag, beim medizinischen Fach-Chinesisch wird in guten Krankenhaus-Serien auf maximale Korrektheit geachtet, versichert Franka Bauer. Sie ist als MDR-Redakteurin zuständig für "In aller Freundschaft". Sie hätten medizinische Berater und Beraterinnen, Ärzte und auch Schwestern am Set, so Bauer. "Also nicht nur in der Buchentwicklung, sondern den ganzen Prozess begleitend."

Den ein oder anderen kleinen Kunstfehler entdecken da nur noch Experten wie Tim mit eigener Urologen-Praxis. "Bei 'In aller Freundschaft' hat mich jahrelang gefreut, dass ein urologisches Röntgenbild im Trailer falsch herum hing. Das wurde dann aber irgendwann mal geändert. Und sonst gibt es immer wieder Kleinigkeiten, aber insgesamt sind die nicht so schlecht beraten", so der Urologe.

"In aller Freundschaft": Schöne heile Arzt-Patienten-Welt

Seit bald 23 Jahren läuft "In aller Freundschaft" im Ersten - inzwischen mit zwei Ablegern. Weil die Redaktion einen engen Kontakt zu den Fans pflegt, weiß Franka Bauer ziemlich genau, was dem Publikum am Genre gefällt: "Das Spannendste ist natürlich, dass wir Wunschträume erfüllen, weil wir eben unsere Menschen in der Serie auf Augenhöhe behandeln." Die Patienten würden von Ärztinnen, Ärzten und Pflegern mit ihren Sorgen und Problemen ernst genommen. Das sei natürlich ein Wunschtraum, denn: "In welcher realen Klinik passiert das so? Da erzählen wir schon eine sehr schöne, heile Welt, die jetzt nicht immer, da draußen so real ist."

Das Geheimnis der Arztserie ist also, dass hier die besseren, die idealen Mediziner und Medizinerinnen im Einsatz sind. Wahre Engel in Weiß, die Sätze sagen wie: "Ich kann mir wirklich vorstellen, wie schwer das für Sie ist!" oder "Wir sind alle immer für Sie da." Nun hat die "Sachsen-Klinik" in der Serie auch nicht mit einer überbelegten Intensivstation zu kämpfen, wie reale Krankenhäuser zuletzt in der Pandemie.

Die 17. Staffel "Grey's Anatomy" thematisiert Corona-Pandemie

Sandra Oh, Ellen Pompeo, Katherine Heigl in einer Szene aus der ersten Staffel von Grey's Anatomy © APC 307362034 Foto:  Craig Sjodin
Sandra Oh, Ellen Pompeo, Katherine Heigl in einer Szene aus der ersten Staffel von Grey's Anatomy. Die Serie geht mittlerweile in die 17. Staffel.

Die neue Staffel der US-Serie "Grey’s Anatomy" arbeitet gezielt das Drama der Corona-Pandemie auf. Bei "In aller Freundschaft" wird es auf absehbare Zeit kein Covid-19-Einweisungen geben. Aus gutem Grund, wie Redakteurin Franka Bauer erklärt. Sie entwickelten jetzt Geschichten, die frühestens Anfang bis Mitte 2022 gesendet würden. "So lange sind bei uns die Abläufe. Unter diesem Aspekt ist es schwierig, vorauszuschauen. Wir haben natürlich alle keine Glaskugel - wie entwickeln sich bestimmte Geschichten?" In der Medizin ginge das schnell.

Außerdem liegt die heilsame Wirkung der Arztserie doch eher in ihrem unterhaltsamen Charakter. So ist wenigstens hier in der Filmwelt Verlass auf einen Inzidenzwert von Null und stets erfolgsversprechende Maßnahmen. Dort lauten Diagnosen dann so: "Das ist wahrscheinlich nur eine Zerrung. Aber vorsichtshalber sollten wir mal röntgen."

Die neue Serie "Doktor Ballouz" steht seit 1. April in der ZDF-Mediathek bereit und ist aber Donnerstag, 8. April 2021, 20.15 Uhr im ZDF-Fernsehen zu sehen.

Die aktuellen Folgen von "In aller Freundschaft" finden sich in der ARD-Mediathek.

In ZDF-Mediathek sind außerdem alle Folgen der "Schwarzwaldklinik" abrufbar.

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