Stand: 08.01.2019 11:00 Uhr

"Ben is Back": Drogen-Drama mit Julia Roberts

Ben is Back
, Regie: Peter Hedges
Vorgestellt von Walli Müller

Es gibt Hollywood-Schauspieler, die pausenlos Filme drehen - aus Angst, sie könnten irgendwann nicht mehr gefragt sein. Andere machen sich rar. Julia Roberts zum Beispiel ist höchstens einmal im Jahr im Kino zu sehen und wählt ihre Rollen entsprechend sorgfältig aus. "Ben is Back" heißt ihr neuer Film, in dem sie die Mutter eines drogensüchtigen Sohnes spielt. Emotionaler Stoff für eine Frau, die selbst drei Kinder hat.

Überraschungsbesuch von Sohn Ben

Weihnachten steht vor der Tür. Holly, gespielt von Julia Roberts, kommt mit ihren drei Töchtern gerade von der Krippenspiel-Probe, als sie ihren Ältesten, Ben, vor der Haustür stehen sieht. Ein Überraschungsbesuch zum Fest. Aber warum nur schaut die große Tochter Ivy so betreten? Fast wirkt sie, als hätte sie Angst vor ihrem Bruder. Glücklich jedenfalls ist nur die Mutter über die Wiederkehr des "verlorenen Sohns".

Regisseur Peter Hedges lässt die Zuschauer aus der Situation selbst ihre Schlüsse ziehen. Offenbar hat der 19-jährige Ben eine längere Drogen-Karriere hinter sich und wiederholt Therapien abgebrochen. Nun ist er plötzlich clean und geläutert?

Spannungen unter den Familienmitgliedern

Der Stiefvater hat eine zu realistische Weltsicht dafür. Er rät Holly, Ben auf der Stelle in die Suchtklinik zurückzubringen. Sie aber kann nicht anders, als ihrem Mutterinstinkt zu folgen und ihn zu Weihnachten willkommen zu heißen. Unter strengen Auflagen. Also wird der Medikamentenschrank ausgeräumt, alles Geld weggesteckt und der Sohn nicht aus den Augen gelassen. Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl: Wann wird er ausbüchsen, um sich wieder Stoff zu besorgen? Zugleich hofft man, dass er vielleicht doch ein anderer Mensch geworden ist.

In diesem Spannungsfeld entwickelt sich ein packendes Drama mit zwei großartigen Hauptdarstellern. Julia Roberts kann man die Sorge und Verzweiflung einer liebenden Mutter nachfühlen und dem jungen Lucas Hedges die Zerrissenheit. So gern er sich von Mama helfen und trösten lassen möchte, so sehr wird er doch verfolgt von den Schatten der Vergangenheit. Irgendwer, der noch eine Rechnung mit ihm offen hat, hat seiner Familie einen üblen Streich gespielt.

Emotional aufwühlende Geschichte

Dass die Geschichte dieses drogenabhängigen Jungen emotional so aufwühlend ist, liegt sicher auch daran, dass man sie nicht als Außenseiter-Story abtun kann. Ben kommt nicht aus einer Familien-Hölle, der er entfliehen musste, sondern aus geordneten Verhältnissen. Die Mutter ist sogar besonders liebevoll, auch der Stiefvater steht für ihn gerade. Umso mehr lässt dieses Drama erahnen, wie niederschmetternd es sein muss, wenn das eigene Kind abstürzt. Noch schlimmer, wenn man ihm nicht mehr vertrauen kann und darf.

Julia Roberts aber spielt in "Ben is Back" eine Mutter, die sich weigert, ihr Kind aufzugeben. Komme, was wolle. Das ist schlicht ergreifend.

Ben is Back

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Julia Roberts, Lucas Hedges, Courtney B. Vance
Regie:
Peter Hedges
Länge:
102 Min.
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
10. Januar 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 09.01.2019 | 06:40 Uhr