Stand: 19.06.2018 12:01 Uhr

Die Tragik einer gescheiterten Hochzeitsnacht

Am Strand
, Regie: Dominic Cooke
Vorgestellt von Walli Müller

Ihre erste Oscar-Nominierung bekam die irische Schauspielerin Saoirse (sprich: Sörsche) Ronan, da war sie gerade mal 13 Jahre alt. In der Ian-McEwan-Verfilmung "Abbitte" hatte sie alle umgehauen. Inzwischen ist sie 24 und nicht mehr nur ein Geheimtipp, sondern ein Star - dreifach für den Oscar nominiert und dieses Jahr mit dem Golden Globe ausgezeichnet für "Lady Bird". Ihr neuer Film "Am Strand" basiert wieder auf einer Buchvorlage von Ian McEwan, von dem diesmal auch das Drehbuch stammt. Der Film kommt just an seinem 70. Geburtstag, am 21. Juni, in die Kinos.

Eine Frau (links) steht einem Mann (rechts) auf einer Wiese gegenüber. Er reicht ihr eine Butterblume. Eine Szene aus dem Film "Am Strand". © 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

Filmtrailer: "Am Strand"

Ihre Gefühle füreinander sind groß und aufrichtig - doch die Erwartungen des frischvermählten Ehepaares an die Hochzeitsnacht könnten kaum unterschiedlicher sein.

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Sich zu verlieben, das ist leicht. Auch für Florence und Edward, die sich Anfang der 1960er-Jahre begegnen und bald glücklich vor den Traualtar treten. Dann aber als frisch verheiratetes Paar in einem Hotelzimmer zu sitzen, wissend, was nun kommen muss - das ist doch noch mal was anderes in Zeiten, in denen ein Mädchen aus gutem Hause noch "keusch" in die Ehe geht.

Regisseur Cooke findet die richtige Bildsprache

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Geigerin Florence (Saoirse Ronan) stammt aus gutem Haus und geht "keusch" in die Ehe.

Man verrät nicht zu viel, wenn man sagt, dass "Am Strand" von einer tragisch scheiternden Hochzeitsnacht erzählt. Denn das ist das Thema des Films. Spannend ist das Wie und Warum. Das Unbehagen, das Florence und Edward in der intimen Situation empfinden, ist fast mit Händen zu greifen. Der renommierte britische Theater-Regisseur Dominic Cooke findet in seinem Kinodebüt auf Anhieb die richtige Bildsprache dafür: Ein nervös zuckender Fuß unter dem Tisch, eine sich verkrampfende Faust, ein Reißverschluss, der so verklemmt ist wie die Trägerin des Kleides. Dabei besteht kein Zweifel daran, dass die beiden sich aufrichtig lieben. Das belegen die eingeschobenen Rückblenden.

Edward gefällt der jungen Geigerin Florence gerade deshalb, weil er anders ist als die Snobs, mit denen sie bisher zu tun hatte. Sie ist in einem Upperclass-Haushalt aufgewachsen, er kleinbürgerlich. Verschiedene soziale Kontexte, die beide natürlich prägen. Auch der unterschiedliche Musikgeschmack spielt eine wichtige Rolle im Film. Der Soundtrack besteht zu einem Großteil aus klassischen Werken, weil Florence ausschließlich Klassik hört.

Saoirse Ronan und Billy Howle überzeugen in ihren Rollen

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Edward (Billy Howle) und Florence (Saoirse Ronan) sind im England der 1960er-Jahre vollkommen unerfahren in Liebesdingen.

Die Musik drückt hier aber mehr aus, als die zwei in dem Moment ahnen: Klassik steht für eine harmonische Verbindung, für Seelen im Gleichklang. Aber sicher nicht für Sex! Das wäre dann eher Chuck Berry, den Edward hört. "Am Strand" ist über die unglückliche Liebesgeschichte hinaus auch ein Zeit-Porträt: Während Edward schon empfänglich für den Freigeist der Sixties ist, steht Florence noch stellvertretend für eine Generation schlecht aufgeklärter Mädchen, die von einer erfüllten erotischen Beziehung gar nichts ahnen.

Saoirse Ronan und die britische Neuentdeckung Billy Howle spielen das junge Paar ganz großartig. Es ist herzzerreißend zu sehen, wie zwei, die sich so viel zu sagen und zu geben haben, einfach keine körperliche Sprache miteinander finden.

Für ein Beziehungsmodell jenseits der Konventionen ist auch Edward noch zu sehr Kind seiner Zeit. Und so wird man im Schlussbild die zwei, die anfangs Hand an Hand "Am Strand" spazierten, in entgegengesetzte Richtungen laufen sehen.

Am Strand

Genre:
Drama/Liebesfilm
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Großbritannien
Zusatzinfo:
mit Saoirse Ronan, Billy Howle, Anne Marie-Duff, Adrian Scarborough, Emily Watson, Samuel West
Regie:
Dominic Cooke
Länge:
110 min
FSK:
Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
21. Juni 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 20.06.2018 | 08:55 Uhr

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