Jella Haase und Albrecht Schuch bei der Preview des Kinofilms "Lieber Thomas" im Hamburger Zeise Kino © picture alliance / Geisler-Fotopress | gbrci/Geisler-Fotopress

Film "Lieber Thomas": Wie findet man den Zugang zu Thomas Brasch?

Stand: 12.11.2021 00:00 Uhr

Vor zwanzig Jahren starb der Dichter Thomas Brasch, eine wütende und rebellische Stimme in Ost- wie West-Deutschland. Albrecht Schuch und Jella Haase spielen die Hauptrollen im Film "Lieber Thomas". Ein Gespräch.

Albrecht Schuch spielt Thomas Brasch im Film "Lieber Thomas" und Jella Haase seine Geliebte. Beide sind geradezu Idealbesetzungen. Albrecht Schuch verkörpert mit Herz und Verstand diesen außergewöhnlichen Dichter. Jella Haase strahlt mit ihrer Mischung aus Berliner Schnauze und Bodenständigkeit als seine Gefährtin eine ebenso zarte wie intensive Unbeugsamkeit aus. Ein Gespräch mit den beiden über ihre Rollen.

Was wussten Sie überhaupt über diesen Menschen, als das Projekt auf sie zukam?

Albrecht Schuch: Ich wusste nicht viel. Ich hatte einen Text, der da hieß: "Warum spielen?", wirklich und intensiv gelesen, damit meine ich wiederholt gelesen in einer Schauspielschule. Der hing dann auch irgendwann in meinem Spind. Das war wie so eine Ode, so ein Lust machen auf das Spielen. Für den Spieler, an den Spieler. Aber was dieser Mensch alles geleistet hat, was der eigentlich für ein wahnsinniges Werk geschaffen hat mit Filmen, Übersetzungen und natürlich seinen Gedichten, das war mir komplett neu. Ich habe mir dann zumindest einen sehr großen Teil davon erschlossen.

Ein ganz wichtiger Zugang in das Brasch-Universum sind die Texte. Ich habe schon verstanden, dass Sie viel auch mit Menschen gesprochen haben, die ihn kannten. Herr Schuch, Sie auf jeden Fall, oder?

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Albrecht Schuch: Ja, sowohl aus der Theaterszene, wo er ja vor allen Dingen seine Spuren hinterlassen hat und seine Fans hatte, seine Bewunderer und Weggefährtinnen. Da waren viele Menschen dabei, die mir glücklicherweise und dankbarerweise eine Tür aufgemacht haben zu ihren Erlebnissen, Eindrücken und Erfahrungen mit diesem Menschen. Und das ist natürlich mitunter sehr privat und sehr besonders, solche Eindrücke geteilt zu bekommen.

Jella Haase, Sie spielen im Film die Lebensgefährtin von Brasch. Wie sind Sie jetzt da reingegangen, in diese Rolle der Katharina?

Jella Haase: Man wirft sich so rein in eine Zeit. Man liest viel. Man guckt viele Filme. Man spricht viel. Wir haben einen ganz tollen Autor, Thomas Wendrich (Drehbuchautor Anm. d. Red.), mit dem geht man auf eine Reise. Und dann muss man irgendwie alles wieder vergessen, was man einmal gelernt hat - mutig sein, loslassen, losgehen.

Albrecht Schuch, das ist gar nicht so einfach, den "eigenen" Brasch zu finden, oder?

Albrecht Schuch: Zumindest gab es für mich auch den Moment, wo ich total Herzklopfen, Herzrasen und schon Schiss bekommen hatte. Es war relativ am Anfang, da hat mich das fast erschlagen, dieses opulente Werk von ihm, diese Menschen, die er beeindruckt hat und die über ihn geschrieben haben. Wovon so viele einfach auch inspirierende Persönlichkeiten für mein Schaffen und meine Persönlichkeit sind und waren, dass ich dachte: Gott, wie soll ich dem überhaupt gerecht werden? Und das konnte ich natürlich nur unter anderem deswegen, dass ich irgendwann sage, ich will gar nicht den Brasch erzählen, sondern ich will meinen Brasch erzählen. Ich will einen Teil meines Braschs erzählen. In dem Moment, in dem ich den Anspruch verloren habe, dass ich irgendwie alles erzählen müsste oder es richtig machen müsste, ging es. Es hat einen Monat gedauert. Und dann war aber auch gut.

Das Gespräch führte Katja Weise.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur à la carte | 12.11.2021 | 13:00 Uhr

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