Stand: 25.07.2018 15:21 Uhr

"Papillon": Remake eines großen Klassikers

Papillon
, Regie: Michael Noer
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Das Original ist das, was man einen Kultfilm nennt. 1973 drehte Franklin J. Schaffner den Film "Papillon" mit Steve McQueen und Dustin Hoffman - nach dem gleichnamigen halb-autobiografischen Roman von Henri Charrière. Nun kommt das Remake dieses Klassikers ins Kino, gedreht von dem Dänen Michael Noer.

Es gibt solche Szenen zu Beginn eines Films, die so schön und rauschhaft sind, dass es von nun an nur bergab gehen kann. Eine junge schöne Frau, ein junger schöner Mann mit feinen Tätowierungen auf den gut definierten Brustmuskeln.

Ja, es kann jetzt wirklich nur bergab gehen, zumal in einem Film, der "Papillon" heißt, und dessen zum großen Teil in französischen Straflagern in Südamerika spielende Handlung einigermaßen bekannt sein dürfte.

"Papillon" hält sich in seiner Szenenfolge weitgehend an das 1973 gedrehte Original mit Steve McQueen und Dustin Hoffman. Deren Rollen spielen im neuen Film Charlie Hunnam und Rami Malek. Wenn man eben nicht an Steve McQueen, den "King of Cool" in der Rolle des Ganoven und Safeknackers mit dem Spitznamen Papillon denkt, wenn man den Oscarpreisträger Dustin Hoffman in der Rolle des jüdischen Millionärs und Underdogs Louis Dega verdrängt - dann machen die beiden Neubesetzungen ihre Sache gar nicht schlecht. Zu Beginn ist ihre Beziehung noch eine reine Zweckverbindung. Auf dem Schiff ins Straflager in Französisch-Guayana bietet Papillon dem schwächlichen Dega seinen Schutz an.

"Menschenmaterial" für Frankreichs Kolonialmacht

Was die beiden Häftlinge noch nicht wissen: Ihre Zweckverbindung wird sich zu einer tiefen Freundschaft entwickeln. Und damit zu einem humanen Rückhalt in einer Umgebung, die nur ein Ziel hat: die Sträflinge fern der Heimat zu entmenschlichen, ihrer Rechte, ihrer Würde zu berauben. Die Ansprache des Lagerleiters macht schon alles klar. Frankreich hat sich dieser Häftlinge keineswegs entledigt. Sie sind das Menschenmaterial, mit dem die Kolonialmacht in den 30er-Jahren ihre Position im fernen Südamerika festigen will. Wer Menschen zu Material machen will, muss sie brechen. Die grauenvolle Mechanik dieses Prozesses macht "Papillon" deutlich - indem der Film die drakonischen Strafen zeigt, die Demütigungen, die Einzelhaft. Die Prügeleien um verstecktes Geld, Essensrationen oder die Rangordnung.

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Charlie Hunnams Vorbereitungen auf den Film

Es mag ein bisschen lächerlich anmuten, dass sich Charlie Hunnam fünf Tage Isolationshaft aussetzte, um sich in die jahrelange Einzelhaft seiner Filmfigur einzufühlen. Doch gelingt es dem 38-Jährigen überzeugend, den physischen und psychischen Kampf des Häftlings Papillon um seine Menschlichkeit zu spielen. Das Ziel dieses Kampfes heißt: Flucht. Und zwar gegen alle Wahrscheinlichkeiten, Widerstände, Drohungen.

Schwierigkeiten der Neuverfilmung

Das Problem des "Papillon"-Remakes ist das so vieler Neuverfilmungen: Ein Stoff wird noch einmal erzählt, doch seine Atmosphäre, sein Hintergrund, sein Lebensgefühl verlieren sich. In den Freiheits- und Fluchtbewegungen des Originalfilms spiegelten sich auch die Revolten und Freiheitsbewegungen der 70er-Jahre. Der neue Film spielt in einem atmosphärischen Nirgendwo. Das liegt auch an seiner geleckten Fotografie. Tiefblau tost das Meer, der Dschungel wirkt fast unwirklich grün - und Charlie Hunnams Muskeln werden auch an seinem ausgezehrten Körper irgendwie sexy in Szene gesetzt. Kurz: "Papillon" ist trotz seiner grausamen Geschichte ein schöner Film, was nicht wirklich für ihn spricht.

Papillon

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Charlie Hunnam, Rami Malek, Eve Hewson, Tommy Flanagan, Roland Møller, Michael Socha, Yorick Van Wageningen, Michael Noer
Regie:
Michael Noer
Länge:
117
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
26. Juli 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 26.07.2018 | 07:20 Uhr

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