Wehrmachts-Unteroffizier Walter (Jürgen Frohriep) lernt die Jüdin Ruth (Sascha Kruschareska) kennen, als diese ihn um Hilfe für eine Mitgefangene bittet - Szene aus "Sterne" der DEFA ©  rbb/DEFA-Stiftung/Lotte Michailo Foto: Lotte Michailo

75 Jahre DEFA - Erfolge im Westen, unerwünscht im Osten

Stand: 10.05.2021 15:21 Uhr

Die DEFA wurde am 17. Mai 1946 gegründet. Ein Blick zurück auf Persönlichkeiten, Produktionen der rund 730 Spielfilme und Politik im ostdeutschen Film. Teil 6 erzählt von den "Folgen" westdeutscher Filmauszeichnungen für die Schauspielerinnen in der DDR.

von Axel Seitz

Bei der ersten Bambi-Verleihung 1948 (die Rehstatuen aus Porzellan wurden damals nicht öffentlich verliehen, sondern den Gewinnern nach Hause geschickt) wurden Regisseur Kurt Maetzig und sein Film "Ehe im Schatten" als künstlerisch wertvollster deutscher Nachkriegsfilm ausgezeichnet. Das nach einer wahren Geschichte entstandene Drama um ein Schauspielerehepaar, das im Dritten Reich den Freitod wählt, war bei der DEFA entstanden. In den folgenden Jahrzehnten erhielten immer wieder DEFA-Produktionen auch internationale Preise. Allerdings brachten vor allem Ehrungen aus dem Westen den Beteiligten manchmal kein Glück in der DDR, wie Axel Seitz erzählt.

Was waren Sie früher? – Bevor man bemerkte, dass ich Jüdin bin? – Ruth, Sie müssen sich retten, sie müssen fliehen. Filmzitat aus "Sterne"

Wehrmachts-Unteroffizier Walter (Jürgen Frohriep) lernt die Jüdin Ruth (Sascha Kruschareska) kennen, als diese ihn um Hilfe für eine Mitgefangene bittet - Szene aus "Sterne" der DEFA ©  rbb/DEFA-Stiftung/Lotte Michailo Foto: Lotte Michailo
Das Drama "Sterne" läuft am 15. Mai ab 23:40 Uhr im RBB.

Ein Wehrmachtsunteroffizier verliebt sich in eine Jüdin, kann ihren Transport ins Vernichtungslager Auschwitz aber nicht verhindern. "Sterne" von Konrad Wolf erhielt unter anderem 1959 in Cannes den Sonderpreis der Jury. Allerdings wurde der DEFA-Film in Frankreich als bulgarische Produktion angemeldet und damit unterlief die DDR den während des Kalten Kriegs von Bonn erhobenen Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik.

Gut 15 Jahre später dann - 1975 - machte sich die DEFA Hoffnung auf einen Oscar, für "Jakob der Lügner". Hier lässt der Jude Jakob im Ghetto ein Mädchen glauben, er hätte ein Radio und wisse, wie die Rote Armee vormarschiert. Den Oscar für den besten fremdsprachigen Film erhielt "Jakob der Lügner" zwar nicht, Hauptdarsteller Vlastimil Brodský bekam aber im Juni 1975 den Silbernen Bären der Berlinale.

Silberne Bären für Renate Krößner und Katrin Sass

Dieser Silberne Bär brachten Anfang der 80er-Jahre gleich zwei Schauspielerinnen in der DDR kein Glück. Renate Krößner wurde 1980 in Westberlin für Solo Sunny geehrt, Katrin Sass - geboren in Schwerin - erhielt zwei Jahre später den Silbernen Bären für ihre Rolle in "Bürgschaft für ein Jahr".

"Ja", erinnert sich Katrin Sass, "dann kam ich zum Filmminister mit Hermann Zschoche, dem Regisseur. Und dann sagte der Filmminister nicht 'Herzlichen Glückwunsch', sondern, klopfte mir auf die Schulter und sagte: Und jetzt schön auf dem Teppich bleiben." -   Danach bekam Katrin Sass über Jahre keine Angebote mehr.

Dass ging der Renate Krößner genauso. "Das hatte damit zu tun, dass ich nicht abhebe. Genau nach zwei Jahren kam der erste Anruf und tatsächlich fragte der Regisseur, ob ich eine Mutter spielen könnte, das Kind ist anderthalb und da es mein eigener Sohn sei, ob ich den mitbringen würde. Ich sagte, ich habe kein Kind." - Eine kolportierte Schwangerschaft, die keine war, sorgte für eine unfreiwillige Schauspielpause bei Katrin Sass.

Die Auszeichnungen brachten kein Ansehen

Dass sich die Filmverantwortlichen in der DDR so gegenüber den Geehrten verhielten, nennt Stefanie Eckert von der DEFA-Stiftung rückblickend nur absurd: "Wenn Künstler auf westdeutsche Festivals eingeladen wurden oder dort auch Preise erhalten haben, dass sie anschließend nicht wirklich angemessen gewürdigt wurden in der DDR, sondern, ich will jetzt nicht sagen als Landesverrat betrachtet wurde, aber man hat es ihnen nicht unbedingt goutiert.

Warum mit den Künstlern so umgegangen wurde, das kann Stefanie Eckert eher nur vermuten: "Es gab jetzt in der DDR auch nicht diese Star-Wesen wie es in anderen Filmländern existierte. Also, eine Angelika Domröse war vielleicht bekannt, war aber eben nicht der Filmstar, sondern wurde dann, nachdem sie vielleicht Preise bekommen hat - oder Renate Krößner - immer noch als eine ganz normale Schauspielerin behandelt."

Eine normale Schauspielerin blieb auch Jutta Hoffmann, nach dem sie für ihren Rolle in "Der Dritte" bei den Filmfestspielen in Venedig 1972 mit einem Darstellerpreis geehrt wurde. Aufgrund der politischen und künstlerischen Situation im Land verließ Jutta Hoffmann allerdings, ebenso wie Renate Krößner, in den 80er-Jahren die DDR.  

 

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