Das Gespräch

Gast: Lena Gorelik

Sonntag, 30. Mai 2021, 13:00 bis 13:30 Uhr

Lena Gorelik © picture alliance / Geisler-Fotopress Foto: Christoph Hardt

"Ich schreibe lange Zeit nichts, suche nicht nach Worten. Passe auf, dass ich keine Sätze bilde." So formuliert es die Ich-Erzählerin in Lena Goreliks neuem Roman "Wer wir sind". Es sind die Eltern der Erzählerin, die sie lange Zeit hemmen, wieder zur Feder zu greifen, weil sie darum bitten, bloß nicht über die Familie zu schreiben. Besser wäre es doch, einen schwedischen Krimi anzugehen. Aber wer sich so gründlich mit Fragen der eigenen Identität befasst, wie es Lena Gorelik schon in ihren früheren Büchern getan hat, kann kaum anders, als autobiographisch zu schreiben. Also ist sie in die Offensive gegangen und hat sich eigenen Schwächen und Schamgefühlen genähert.

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Das Cover von Lena Goreliks Roman "Wer wir sind" © rowohlt

Mit angezogener Handbremse: Lena Goreliks "Wer wir sind"

Lena Gorelik erzählt im neuen Roman von der elfjährigen Lena, die mit ihrer Familie von St. Petersburg nach Deutschland ausgewandert ist. mehr

Sie erzählt, wie ihr Vater als Jude in Sankt Petersburg derart schikaniert worden ist, dass er sich plötzlich vorstellen kann, nach Deutschland auszuwandern; erzählt von ihrem Onkel, der ihr zur Geburt ein Leben als Dichterin voraussagt und sich bald darauf das Leben nimmt; erinnert sich an ihre erste Banane in Deutschland - und berichtet, dass sie sich lange Zeit den Verlust der russischen Muttersprache nicht eingestehen kann, um sie nun wieder in vollen Zügen genießen zu können. Über all das hat Lena Gorelik auf dem ARD-Forum bei "Leipzig liest extra" mit Joachim Dicks gesprochen - und dabei vielleicht auch verraten, wer sie ist.