Das Gespräch

Gast: Josef Haslinger

Samstag, 25. April 2020, 18:00 bis 18:30 Uhr

Josef Haslinger © imago
Josef Haslinger fordert den Zugriff staatlicher Ermittler auf die Akten der katholischen Kirche in Österreich.

Josef Haslinger ist zehn Jahre alt, als er Mitte der 1960er-Jahre Schüler und Sängerknabe im Stift Zwettl wird, einer Zisterzienser-Abtei im Waldviertel in Niederösterreich. Damals trägt sich der Junge noch mit dem Gedanken, selbst Priester zu werden oder sogar Missionar. Doch das ändert sich im Laufe der Jahre, die er im Konvikt verbringt, fernab der eigenen Familie. Denn in dieser Zeit, in seinen frühen Teenagerjahren, wird Haslinger zum Opfer von Missbrauch durch einzelne Padres - jenen Leitfiguren, denen er in Zwettl anvertraut war.

Buch-Info

Mein Fall
von Josef Haslinger
S. Fischer Verlag
Seiten: 144
ISBN: 978-3-10-030058-4
Preis: 20,00 Euro

Schon mehrfach hat der Schriftsteller und frühere Präsident des PEN-Zentrums Deutschland das Thema des sexuellen Missbrauchs literarisch bearbeitet - doch erst jetzt hat er sein eigenes Erleben ausführlich beschrieben: Sein Buch "Mein Fall" ist eine Mischung aus Dokumentation und Selbstbeobachtung. Haslinger, der am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig lehrt, wirft der katholischen Kirche in Österreich vor, sich nicht ausreichend um eine Aufarbeitung des Missbrauchsskandals zu bemühen - und fordert deshalb den Zugriff staatlicher Ermittler auf die Akten der Kirche. Auf NDR Kultur spricht Josef Haslinger mit Ellen Schweda darüber, wie er selbst den Missbrauch empfunden hat - und wie er heute als Autor damit umgeht.