Das Gespräch

Gast: Emma Becker

Samstag, 26. September 2020, 18:00 bis 18:30 Uhr

Emma Becker © NDR
Emma Becker erzählt in ihrem neuen Roman "La Maison" von einem Berliner Bordell als Hort der Freundlichkeit und Liebe.

Über Prostitution zu sprechen, das bedeutet: zu sprechen über Macht und Ohnmacht, über Gier, Gewalt und Ausbeutung - oder? Emma Becker, zur Zeit eine der spannendsten Autorinnen Frankreichs, unterläuft alle Erwartungen - und erzählt in ihrem neuen Roman "La Maison" von einem Berliner Bordell als Hort der Freundlichkeit und Liebe. Die französische Schriftstellerin hat ihn selbst aus der Nähe kennengelernt, zweieinhalb Jahre dort gearbeitet - als Prostituierte, natürlich: "Die Leute denken immer, sie könnten eine Meinung über Prostitution haben, ohne zu wissen, wie das läuft im Puff", sagt Emma Becker. "Ich wollte körperlich und seelisch spüren, was das mit einer Frau macht."

Ein ehrliches Buch wollte sie schreiben, ein zutiefst doppelbödiges ist es geworden: Während Emma, die Prostituierte mit dem Künstlernamen "Justine", noch fröhlich pfeifend von der entspannten Atmosphäre in "La Maison" schwärmt, fallen ihr die Geschichten ins Wort, dementieren sie auch immer wieder. Ganz so frühlingsduftend heiter ist es natürlich doch nicht.

"La Maison" - bei seinem Erscheinen in Frankreich von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen - ist jetzt auf Deutsch erschienen.

Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 3.0.

Weitere Informationen
Emma Becker: "La Maison" © Rowohlt

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