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Claus-Steffen Mahnkopf: Mahner, Philosoph, Komponist

Dienstag, 20. April 2021, 21:00 bis 22:00 Uhr

"Es ist ja immer die Frage bei der neuen Musik 'Braucht man dafür ein Spezialwissen?' - Nein, braucht man nicht!" Wenn der Komponist das sagt, der einen Ruf als intellektueller Philosoph und Vordenker unter den Komponierenden hat, ist das beinahe schockierend.

Claus-Steffen Mahnkopf © picture alliance / Eventpress | Eventpress Herrmann
Claus-Steffen Mahnkopf studierte Musik und Philosophie. Er ist Komponist mit einem umfangreichen Werk in allen Gattungen sowie Autor zahlreicher Bücher

Claus-Steffen Mahnkopf hat über Arnold Schönberg promoviert, beim Meister der Komplexität Brian Ferneyhough studiert, Vorlesungen von Jürgen Habermas besucht und lässt sich inspirieren von Texten von Adorno.

Bürgerliche Gefühlswelt ade?

Claus-Steffen Mahnkopf sieht in Alban Berg den letzten Vertreter der bürgerlichen Gefühlswelt und greift seine Skizzen zu einer Sinfonie auf, um eine Brücke in diese expressive Zeit zu bauen. Damit wird deutlich, dass die Entwicklung der Musik die politisch-sozialen Verhältnisse in Deutschland im 20. Jahrhundert in der Zeit des Nationalsozialismus brutal unterbrochen wurde.

Void - die Leere, das Nichts

Die Leere Ist häufig Ausgangspunkt und Reibungsfläche seiner Werke und findet sich als Zusatz schon im Titel. Es gilt, die Lücke in der Entwicklung der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts in Deutschland, die insbesondere der Holocaust gerissen hat, schmerzlich bewusst zu machen. Und die Fülle an Möglichkeiten von damals bewusst aufzugreifen.

Wie komponiert Claus-Steffen Mahnkopf?

Die Musikerinnen und Musiker erzählen mit der Musik vom Leben, verschleiern nichts. Brutal, fordernd, direkt. Die Sinnlichkeit und die Plastizität der Musik sind greifbar.

Liebe zu Pasolini

Irgendwann entdeckte Claus-Steffen Mahnkopf seine Liebe zum Film. Mit seinem Porträt des italienischen Filmregisseurs Pier Paolo Pasolini nach dem Buch von Marco Tullio Giordana mit dem Titel "Pasolini. Un delitto italiano" möchte er ein Panorama des Pasolinischen Denkens schaffen. Dabei geht es um Tod und Hoffnung, Ästhetik, Ethik und das Schweigen.

Musik und Ästhetik

1995 hat Claus-Steffen Mahnkopf das Projekt "Musik und Ästhetik" mit gegründet, das regelmäßig die gleichnamige Zeitschrift im Verlag Klett-Cotta veröffentlicht. Regelmäßig veröffentlicht er Artikel in Zeitschriften und schreibt Bücher, u.a.

  • Deutschland oder Jerusalem. Das kurze Leben der Francesca Albertini. Springe 2013.
  • Schlüsselwerke der Musik (mit Bernd Asmus und Johannes Menke). Hofheim 2019

Eine Sendung von Margarete Zander.

Weitere Informationen
Tasten eines Konzertflügels © NDR

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Die Sendung informiert über aktuelle Trends und Renaissancen in der zeitgenössischen Musik, präsentiert Komponistenporträts, Festivalberichte, CD-Tipps und mehr. mehr