Stand: 11.01.2019 07:43 Uhr

Zwei Jahre Elphi: Eine beeindruckende Bilanz

von Marcus Stäbler

Mit dem Eröffnungskonzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters am 11. Januar 2017 hat eine Erfolgsgeschichte begonnen, wie sie vorher kaum jemand für möglich gehalten hätte. Der Große Saal ist bei bisher knapp 800 Konzerten fast immer vollständig ausgebucht, auch der Kleine Saal hat eine Auslastung von über 90 Prozent. Insgesamt hat sich die Anzahl der Konzertbesucher in Hamburg seit der Eröffnung auf etwa 1,4 Millionen pro Jahr verdreifacht, auch die Laeiszhalle profitiert von diesem Boom. Damit sind selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen, aus dem Baudesaster und Millionengrab Elbphilharmonie ist ein Konzertsaal und Touristenmagnet von weltweiter Ausstrahlung geworden, von dem der ganze Norden profitiert. Über achteinhalb Millionen Menschen sind bisher auf die Plaza geströmt. Eine beeindruckende Bilanz.

Große Party für die Elphi: Bilder von der Eröffnung 2017

Probleme oft ganz profaner Natur

Natürlich darf man in Anbetracht dieser Erfolgszahlen nicht die Schwachstellen und Probleme aus dem Blick verlieren - und die sind manchmal ganz profaner Natur. Wegen des großen Andrangs auf den WCs müssen etwa auch heute noch in manchen Stockwerken immer wieder Damen auf die Herrentoilette ausweichen, das ist einfach nicht gut geplant und so eines Hauses unwürdig. Veranstaltungen mit elektronischer Verstärkung, die deutlich in der Minderzahl sind, erreichen oft nicht das akustische Topniveau der unverstärkten Konzerte. Und die vielen Treppen zu steigen, ist für manche Besucher ein beschwerlicher Angang.

Trotz baulicher Schwachstellen, die Mühe lohnt sich

Aber, auch das muss man ganz klar sagen, die Mühe lohnt sich. Denn das, was auf den Bühnen geschieht, ob im Großen oder Kleinen Saal, ist meistens erstklassig, oft außergewöhnlich und gar nicht so selten unvergesslich. Die Strahlkraft der Elbphilharmonie lockt Musiker der internationalen Spitzenklasse in einer Frequenz und Dichte an, wie sie in Norddeutschland vorher nicht annähernd zu erleben war - und zwar mit einer Bandbreite von Top-Orchestern und -Dirigenten der Klassik über Kammermusikensembles bis zu aufregenden Jazzpianisten, Popbands und Weltmusikern.

Lieben-Seutter setzt spannende Impulse

Christop Lieben-Seutter © Elbphilharmonie Foto: Michael Zapf

Elphi-Intendant zieht Bilanz

NDR Kultur -

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Dieser Mix hat dem Elbphilharmonie-Intendanten Christoph Lieben-Seutter schon den Vorwurf der Beliebigkeit eingebracht. Dabei erfüllt er mit der Vielfalt genau jene Verpflichtung, ein "Haus für alle" zu sein, die der Elbphilharmonie schon durch die astronomischen Baukosten ins Grundbuch geschrieben ist. Natürlich wandelt der Intendant da in der Doppelfunktion als Veranstalter und Vermieter, der viele Interessen berücksichtigen muss, auf einem schmalen Grat und er mag auch mal mit Entscheidungen danebenliegen. Aber schon ein kurzer Blick auf die vielen Konzerte mit Neuer und zeitgenössischer Musik, auf die mutigen Projekte beim kommenden Musikfest zeigt deutlich, dass Lieben-Seutter die Begeisterung nutzt, um spannende Impulse zu setzen.

Boom hat auch Kehrseite

Dass es noch immer schwierig ist, an Tickets zu kommen, mag im Einzelfall frustrierend sein, aber es ist eben auch die unvermeidliche Kehrseite des erfreulichen Booms. Von so einer Auslastung können andere Veranstalter nur träumen. Auch ein Massenexodus des Publikums wie beim Auftritt des Jazzpianisten Vijay Iyer Anfang November, als einige Hundert Besucher während der zweiten Hälfte den Saal verließen und damit das Konzert störten, ist zwar ärgerlich und hat vielen anderen Zuhörern komplett den Abend vermiest, doch es bleibt ein Einzelfall.

Elbphilharmonie bricht starre Rituale auf

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Kommentator Marcus Stäbler berichtet für NDR Kultur von Konzerten und Veranstaltungen.

In einem Haus für alle gehört es eben dazu, dass neben einem Menschen sitzen, die vielleicht vorher noch nie in einem klassischen Konzert gewesen sind. Denn genau die anzulocken, ist ja ein wichtiges Ziel der Elbphilharmonie. Wenn nur fünf Prozent dieser Erstbesucher langfristig Feuer fangen und wiederkommen, ist schon viel erreicht. Von der Veränderung profitieren schließlich auch die Klassik-Stammhörer. Denn das neue Konzerthaus ist auch deshalb ein Gewinn, weil es starre Rituale aufbricht und etwas in Bewegung bringt.

Schule der Kommunikation und des Respekts

Mit seiner demokratischen Rundum-Sitzordnung und der empfindlichen Akustik erhöht der Große Saal auch die Verantwortung des Publikums für das Gelingen eines Konzerts. Er ist eine Schule der Kommunikation. Wir müssen lernen, wirklich zuzuhören und eine besondere Sensibilität für die Musik, aber auch für die anderen Besucher zu entwickeln und neue Begegnungen zu akzeptieren, selbst wenn sie uns ungewohnt und fremd erscheinen. Auch solche Herausforderungen sind ein wichtiger Teil der Erfolgsgeschichte und eine zentrale Aufgabe für die Zukunft der Elbphilharmonie.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 11.01.2019 | 07:40 Uhr

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