Stand: 03.01.2017 18:20 Uhr

Kaispeicher: Ein Platz für Wahrzeichen

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"Hamburg baut ein Wahrzeichen": Der Kaispeicher A am Tag der Grundsteinlegung für die Elbphilharmonie im April 2007.

Wo einst Tee, Kaffee, Tabak und vor allem Kakao gelagert worden sind, entstand mit der Elbphilharmonie einer der außergewöhnlichsten Konzertsäle der Welt und ein neues Wahrzeichen für Hamburg. Das Lagerhaus Kaispeicher A hat eine lange Geschichte.

Ideal für Seeschiffe

Der Kaiserspeicher, wie er zunächst heißt, wird 1875 im Zuge des Ausbaus des Hamburger Hafens auf der Spitze des Kaiserhöfts errichtet. Er ist seinerzeit der größte und modernste Speicher im Hafen - und der einzige, der von Seeschiffen direkt angefahren werden kann. Das Lagerhaus im neugotischen Stil bietet auf rund 19.000 Quadratmetern Platz für Schiffsware. Der Kaispeicher, wie der Name des Lagerhauses abgekürzt wird, avanciert schnell zum Wahrzeichen des Hamburger Hafens. 1892 bricht ein Feuer im Kaiserspeicher aus; das Gebäude wird jedoch renoviert.

Der Kaispeicher A in Hamburg © NDR

Als sich im Kaispeicher A noch Kakao stapelte

Hamburg Journal -

Ab dem 4. November darf die Öffentlichkeit die Elbphilharmonie betreten. Es gab aber eine Zeit, in der im Kaispeicher A noch Hafenarbeiter schufteten und und Kakao-Säcke schulterten.

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Bekannt für seinen Zeitball

Das markante Lagergebäude hat lange Zeit noch eine andere Funktion: Eine Zeitball-Uhr am Kaispeicher dient als Zeitansage für die Seeleute. Mittags pünktlich um zwölf Uhr fällt der ein Meter große, schwarze Ball und die Seeleute stellen ihre Uhren. 1934 wird die Uhr am Kaiserspeicher schließlich stillgelegt: Die Ära der Zeitbälle endet. Der Kaiserspeicher selbst wird bis 1943 genutzt. In diesem Jahr wird das Gebäude bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt.

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Der erste Kaispeicher A - auch Kaiserspeicher genannt - ist im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden; 1963 wird der Bau dann abgerissen.
Vorgängerbau wird 1963 abgerissen

Ein originalgetreuer Wiederaufbau des Kaispeichers erweist sich nach dem Krieg als wirtschaftlich nicht sinnvoll. So wird das Gebäude 1963 zum Bedauern vieler Hamburger gesprengt. Nach einem Entwurf von Werner Kallmorgen wird der Kaispeicher A neu aufgebaut und nach dreijähriger Bauzeit 1966 fertiggestellt. Markant ist besonders die spitz zulaufende Form des Gebäudes. Hafenarbeiter schuften hier tagein, tagaus, um vor allem Kakao-Säcke im Inneren des Gebäudes zu stapeln. Deswegen heißt der Kaispeicher A im Volksmund auch "Kakobunker".

Kühne Pläne für einen 100-Meter-Glasturm

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Der Siegerentwurf aus dem Jahr 2001 für den "MediaCityPort" sah vor, dass ein Teil der Kaispeicher-Fassade erhalten bleibt.

Aber schon bald gilt das Lagerhaus als unmodern. Die Durchgänge zwischen den Stützpfeilern sind zu schmal für Gabelstapler: Für Paletten-Ware ist der Kaispeicher A somit nicht geeignet. Und in Zeiten der Container-Schifffahrt ist kaum noch Bedarf an riesigen Lagerhäusern. Bis zum Frühjahr 2001 wird das Gebäude aber weiter sporadisch genutzt. Inzwischen gibt es Pläne, den Kaispeicher A für das Medienhaus "MediaCityPort" umzubauen. Geplant ist zudem ein knapp 100 Meter hoher Glasturm. "Das Gebäude wird eine Leuchtturm-Funktion für die Hafencity haben", sagte im Herbst 2001 der damalige Hamburger Wirtschaftssenator Thomas Mirow.

Abriss in letzter Minute abgewendet

Später ist sogar ein Abriss des Kaispeichers vorgesehen. Dem Investor liegt schon eine Abbruch-Genehmigung vor. Aber das Immobilien-Projekt scheitert 2003. Den Planern ist es nicht gelungen, für den "MediaCityPort" ausreichend Mieter zu finden. Und so ist der Weg frei für ein noch viel ambitionierteres Vorhaben: den Bau der Elbphilharmonie.

Große Pläne für den Kaispeicher A

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Der unbekannte Vorgänger der Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie gilt als Geniestreich der Stararchitekten Herzog & de Meuron. Aber zwei Jahre vor ihnen hatte schon ein Berliner Architekten-Duo die Idee, einen Glasbau auf den Kaispeicher zu setzen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Welt der Musik | 30.10.2016 | 18:00 Uhr

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