Stand: 03.09.2018 11:35 Uhr

Funken sprühende Saisoneröffnung mit Gardiner

von Daniel Kaiser

Zum Auftakt der neuen Saison der Elbphilharmonie-Konzerte kam ein Weltstar in das Konzerthaus im Hamburger Hafen: Sir John Eliot Gardiner. Zu seiner Elphi-Premiere spielte er mit seinem Orchestre Révolutionnaire et Romantique Musik von Hector Berlioz. Stargast des Abends war die bekannte Mezzosopranistin Joyce DiDonato.

Bild vergrößern
Joyce DiDonato stirbt als Kleopatra den dramatischen Bühnentod - hier nimmt sie den Jubel mit Stardirigent Sir John Eliot Gardiner entgegen.

Wie ein Orkan fegt das Orchester durch den Saal. Vom ersten Takt an sprühen die Funken. Gardiner lässt die Musiker die Konzertouvertüre "Le Corsaire" im Stehen spielen. Die Musik von Hector Berlioz vibriert, auch wenn das Orchester später sitzt, bleibt sie intensiv und kompromisslos. In einem Orchester-Part der Berlioz-Oper "Les Troyens" erklingt plötzlich ein Frauenchor. Die Geigerinnen singen und spielen gleichzeitig. Die Spielfreude wirkt ansteckend. Man sieht die Musiker auf der Stuhlkante sitzend sich mit ganzem Körpereinsatz ins romantisch-zerrissene Getümmel werfen. Wunderbar!

Dramatischer Bühnentod

Die weltbekannte Mezzosopranistin Joyce DiDonato stirbt als Kleopatra einen dramatischen Bühnentod. Ihr gelingt gemeinsam mit dem Orchester ein wunderbarer Dialog bis in den ersterbenden Puls in den Celli. Man kann bis heute nachvollziehen, dass dieses Werk die Jury verstörte, als Berlioz die Komposition über den Selbstmord der ägyptischen Königin ("La mort de Cléopâtre") für den "Rompreis" einreichte.

Herzrasen und packender Musik-Thriller bis zum Schluss

Mehr Opening Night

Bunter Start in die Elbphilharmonie-Saison

Mit Jubel ist das NDR Elbphilharmonie Orchester in die neue Saison gestartet. Bei Ravels weltberühmtem "Bolero" setzte sich Dirigent Krzysztof Urbański überraschend ins Publikum. mehr

Bei Berlioz geht es immer zur Sache. Der Zuhörer kann sich keine Minute ausruhen. Die Musiker schon gar nicht. Jeder Takt ist ein existenzielles Geschehen. Zum Finale macht der große Gardiner aus Berlioz‘ Hauptwerk, der "Symphonie fantastique", einen packenden Musik-Thriller. Ob der Komponist hier nun wirklich seine zunächst unglückliche und unerwiderte Liebe zur Schauspielerin Harriet Smithson oder doch, wie neuere Forschungen nahelegen, seine Epilepsie verarbeitet: Das Stück hat in jedem Fall eine fast schon übergriffige Dramatik, der man sich kaum entziehen kann. Gardiner lässt für den zweiten Satz vier Harfen auf die Bühne tragen, die hinter seinem Rücken wie eine Phalanx stehen.

Immer wieder leuchtet die "idée fixe" in dem Orchestergeschehen auf - bis tief in den abgründigen Traum vom Hexensabbat im letzten Satz. Ständig brodeln bedrohliche Pauken- und Trommelwirbel, und eruptive Attacken aus dem Orchester lassen den Puls bis zum Finale rasen. Das Publikum bedankt sich für diesen außergewöhnlichen, mitreißenden Konzertabend mit lautem Jubel und langem Applaus.

Mehr zur neuen Saison 2018/19
NDR Elbphilharmonie Orchester

Große Leidenschaft: Die Saison 2018/2019

NDR Elbphilharmonie Orchester

Auch in der Saison 2018/2019 spricht große Leidenschaft für die Musik aus dem Programm des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Was Sie erwartet? Spannende Gäste - und die neue NDR EO App. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 03.09.2018 | 19:00 Uhr

Mehr Kultur

52:01
NDR Info
48:03
NDR Info
87:45
NDR Kultur