Stand: 08.08.2017 10:25 Uhr

SHMF: Avital trifft Feidman

von Daniel Kaiser
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Der 81-jährige Giora Feidman (Mitte) ist in der Elbphilharmonie in seinem Element.

Das Publikum in der Elbphilharmonie hat das gemeinsame Konzert des weltberühmten Klarinettisten Giora Feidman und des neuen Superstars der Mandoline, Avi Avital, stürmisch gefeiert. Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals spielten sie in Hamburg gemeinsam mit der Kremerata Baltica ein buntes Programm mit Musik von Schostakowitsch, Mieczysław Weinberg, mit Auftragswerken für Mandoline und natürlich Klezmer.

Er spielt nicht nur, er singt mit seiner Klarinette: Sie kiekst, klagt, prahlt und brüllt. Bei langen Schlusstönen spielt Giora Feidman mit nur noch einer Hand, reckt die andere in Höhe und ballt die Feidman-Faust. Das Publikum bejubelt diese Momente und hängt Feidman an den Lippen, wenn er im Pianissimo ins Mikrofon spricht.

In der Elbphilharmonie ist der 81-Jährige in seinem Element. "Ich fühle mich hier wie in einem Tempel", lächelt er. Er wisse, dass die Hamburger zehn Jahre auf das Konzerthaus hätten warten müssen. Das sei aber nicht sehr lange: "Als Juden warten wir schon 2.000 Jahre auf den Messias."

Verstärkte Mandoline

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Begleitet werden Feidman und Avital an diesem Abend von der Kremerata Baltica.

Als jugendlicher Sidekick steht ihm an diesem Abend Avi Avital zur Seite, der neue Posterboy der Klassik-Szene. Im Slim-Fit-Anzug zupft und streicht er seine Mandoline sehr virtuos, manchmal dramatisch wie ein Rockstar seine E-Gitarre. Seine schwarzen Locken fallen dazu im Takt in die Stirn. Die Optik gehört einfach dazu.

Lustvoll werfen sich Avital und die Kremerata Baltica in das Konzert für Mandoline und Streichorchester, das Avner Dorman dem 39-jährigen Avital auf den Leib geschrieben hat. Hinter ihm auf der Bühne steht ein kleiner Lautsprecher, mit dem die Mandoline behutsam verstärkt wird - manchmal vielleicht ein bisschen zu behutsam, denn im schon sehr zurückhaltenden Orchesterklang geht das kleine Instrument bisweilen unter.

Inklusive Mitsingen

Das Programm ist - nun ja: bunt. Man hört Weltmusik (Murat Coşkun begeistert an der Rahmentrommel mit atemberaubender Fingertechnik) und Schostakowitsch (Zwei Stücke für Streichoktett), Louis Armstrong und Klezmer - fast zwischendurch noch eine Uraufführung eines Mandolinenkonzerts ("Three Sisters" von Anna Clyne). Klar erkennbare rote Fäden sind an diesem Abend Nebensache.

Das Orchester tritt ab, ein Akkordeon tritt auf. Man kommt kaum hinterher. Und Giora Feidman steht mittendrin und lächelt schelmisch. Er weiß ganz genau, welche Knöpfe er drücken muss. Und tatsächlich: Ohne langes Aufwärmen singt das Publikum auf sein Zeichen "Donna Donna". Alles dabei.

Er sagt auch diese Sachen, ohne die ein Feidman-Konzert kein richtiges wäre: "Drei Religionen stehen auf der Bühne, und doch verbindet uns eine Sprache: die Musik." Es ist ein schönes Bild, wie die beiden, Avital und Feidman, Arm in Arm generationenübergreifend auf die Bühne kommen und auch gemeinsam Musik machen. "Wir wollen Ihnen ein Geschenk geben, das bei Ihnen bleibt: eine Melodie", ruft Feidman ins Publikum und beginnt sogleich damit, eine melancholische Weise vorzusingen. Diese Melodie hört man dann wirklich noch manchen auf der Tube, der Rolltreppe der Elbphilharmonie, auf dem Weg zum Ausgang summen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 08.08.2017 | 07:20 Uhr

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