Stand: 18.02.2020 12:24 Uhr

Kirill Petrenko in der Elphi: Exakt auf den Punkt

von Marcus Stäbler

Seit August 2019 ist Kirill Petrenko neuer Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Am Montagabend war das Weltklasseorchester erstmals unter seiner Leitung in der Elbphilharmonie zu erleben - mit drei verschiedenen Werken aus der Mitte des 20. Jahrhunderts von Igor Strawinsky, Bernd Alois Zimmermann und Sergej Rachmaninoff.

Kirill Petrenko steht vor den Musikern der Berliner Philharmoniker in der Elbphilharmonie © Stephan Rabold Foto: Stephan Rabold
Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker beim Konzert in der Elbphilharmonie

Das Erste, was beeindruckt, ist die unglaubliche Präzision. Igor Strawinsky montiert in seiner Sinfonie in drei Sätzen prägnante, genau kalkulierte Rhythmen. Die bringen die Berliner Philharmoniker exakt auf den Punkt und wirken dabei stellenweise fast wie eine gut geölte Maschine, sei es in den kantigen oder in den jazzig swingenden Momenten.

Faszinierend, wie einheitlich das klingt, aber auch wie es aussieht, wenn 26 Geigenbögen sich vollkommen synchron hin und her bewegen, geführt von Kirill Petrenko mit klaren, eckigen Schlägen. Hier zuckt sein Taktstock so akkurat wie der Sekundenzeiger einer Schweizer Uhr.

Spannendes wie eigenwilligen Programm

Strawinskys Sinfonie bildet den Auftakt zu einem ebenso spannenden wie eigenwilligen Programm mit Werken des 20. Jahrhunderts. Es kreist um die Idee des Tanzes und bewegt sich zunächst weit abseits vom Parkett des klassischen Standardrepertoires - auch mit der selten aufgeführten Ballett-Suite "Alagoana" von Bernd Alois Zimmermann.

Inspiriert von brasilianischen Mythen und Rhythmen erweitert Zimmermann das Spektrum des großen Orchesters um Instrumente wie Gitarre, Rasseln und Marimba, aber auch um Anklänge an südamerikanische Tänze. Im vierten Satz überlagert der Komponist Rumba, Boogie-Woogie und Marsch zu einer Tanzcollage von greller Leuchtkraft.

Da verwandelt Petrenko seine Berliner Philharmoniker in einen Zwitter aus Orchester, Spielmannszug und Sambatruppe - nachdem er vorher im dritten Satz mit dem Titel "Saudade" eine Atmosphäre von beklemmender Düsternis geschaffen hat.

Vertrauter und spätromantischer Ton

Die Musikern der Berliner Philharmoniker verbeugen sich in der Elbphilharmonie © Stephan Rabold Foto: Stephan Rabold
Großer Beifall nach dem Konzert für die Berliner Philharmoniker

In der zweiten Hälfte schlägt das Konzert einen vertrauteren, einen spätromantischen Ton an, mit den Sinfonischen Tänzen von Sergej Rachmaninoff - seinem letzten, autobiografisch geprägten Werk, das einen Bogen von der Aufbruchsstimmung der Jugend bis zur Vorahnung auf die Nacht des Todes spannt.

Wie schon vor der Pause demonstriert Petrenko auch bei Rachmaninoff seine außergewöhnliche Gabe, den Energiefluss der Musik in klare Gesten zu kleiden: mit einer Körpersprache, die den Klangcharakter sehr ausdrucksvoll und zugleich ganz natürlich formt. Beim Walzer im zweiten Satz, in dem ihm ein leichtes Schwingen der Schultern als Andeutung reicht. Oder in der lyrischen Holzbläserpassage im ersten Satz, wo Petrenko mit den Händen ganz feine Linien zeichnet und einmal mehr die Luxusqualität seines Klangkörpers demonstriert. So hinreißend schön sind die Soli selten zu hören.

Die Berliner Philharmoniker sind mit exzellenten Solisten besetzt und ergeben gemeinsam ein fantastisches Team - das haben sie in der Elbphilharmonie wieder mal eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Dossier
Elbphilharmonie © Pressebilder Elbphilharmonie Foto: iwan baan

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 18.02.2020 | 14:20 Uhr