Stand: 06.03.2017 16:42 Uhr

John Malkovich spricht mit der Orgel

von Daniel Kaiser

Der weltbekannte Schauspieler John Malkovich macht aus der Elbphilharmonie eine Theaterbühne. Im Stück "Just Call Me God" ("Nenn mich einfach Gott") spielt er einen Diktator kurz vor dem Untergang. Die Feinde stehen schon vor der Tür, und er hält immer noch wahnhaft an der Vorstellung seiner Gottgleichheit fest. Zwei Tage vor der Weltpremiere am Mittwoch hat Malkovich das Projekt vorgestellt.

John Malkovich

John Malkovich in der Elbphilharmonie

Kulturjournal -

Elbphilharmonie und Hollywoodstar: zwei Begriffe mit Sogwirkung. Im neuen Theaterstück von John Malkovich, das am 8. März Premiere hatte, geht es um Macht und Diktatoren.

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Malkovich spielt den Diktator eines fiktiven Landes. "Es könnte im Nahen Osten liegen oder eine ehemalige Sowjetrepublik sein", erklärt er. "Ich habe mich zur Vorbereitung viel mit Stalin befasst, in der Vergangenheit auch Hitler gelesen, es wird auch Anklänge an Gaddafi oder Idi Amin geben."

Kein Interesse an Politik

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Das Musiktheaterstück "Just Call Me God" mit Malkovich feiert seine Erstaufführung in der Elbphilharmonie.

Ein kleiner Diktator stecke auch in ihm selbst, witzelt Malkovich: "Ich entwerfe meine eigene Kleidung. So haben es ja auch Göring, Mobuto und Gaddafi getan. Aber Diktatoren haben ein großes Interesse an Macht. Und das fehlt mir." Überraschenderweise fehlt Malkovich allerdings auch ein generelles Interesse an Politik. Er nennt sich selbst unpolitisch. Seit Jahren habe er nicht mehr gewählt. Auf die Frage, was ihm, der jetzt in dieser Zeit einen Diktator spielt, denn Demokratie bedeute, wie wichtig sie ihm sei, überlegt er erst einmal 18 lange, sehr lange Sekunden - für dieses Fazit: "Ich fühle mich wohl damit, wie meine Landsleute entscheiden. Die wissen ohnehin viel besser Bescheid als ich, oder?" Ein bisschen mehr politische Haltung hätte man sich schon gewünscht und nicht nur "Being John Malkovich".

"Elbphilharmonie will mehr bieten als schöne Musik"

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Malkovich möchte fast keine Bezüge zur Tagespolitik herstellen.

Während Malkovich mit dem Stück kaum Bezüge zur aktuellen Tagespolitik herstellen möchte, beeilt sich der Generalintendant der Elbphilharmonie, Christoph Lieben-Seutter, doch noch auf aktuelle autoritäre Tendenzen in einigen Regionen hinzuweisen: "In der Elbphilharmonie geht es eben nicht nur um wunderschöne klassische Musik, zeitlose Kunst und ewige Meisterwerke, sondern wir wollen diese Meisterwerke auch für den aktuellen politischen Diskurs nutzen."

Lob für die Akustik

Für die Elbphilharmonie hat Malkovich immerhin nur Lob im Gepäck. "Am ersten Abend dachte ich, wir würden schon mit Mikrofonen verstärkt proben, weil die Akustik so klar war. Dabei waren die Mikrofone noch gar nicht eingeschaltet. Der Saal ist wunderbar", schwärmt er. "Mir gefällt hier vor allem, dass die Zuschauer rund um die Bühne herumsitzen. Mit dem frontalen Bespielen kann ich nicht so viel anfangen."

Dialog mit der Orgel

Die zweite Hauptrolle wird an dem Abend die große Orgel im Konzertsaal spielen, an der dann Martin Haselböck sitzt. "Der Diktator fordert den Organisten auf, seine letzte große Rede mit würdiger Musik zu begleiten", erklärt er. Zu Musik von Bach, Ligeti und Messiaen liefert sich der Diktator dann ein Streitgespräch mit einer Reporterin, die ihm in seinem verlassen geglaubten Palast plötzlich gegenübersteht. "Plötzlich beginnt sich die Geschichte zu entwickeln. Es gibt Tote auf der Bühne und es geht sehr dramatisch zu", sagt Haselböck. Die Orgel übernimmt eine Rolle als Dialogpartner aber auch, wie in der Filmmusik, als große Untermalung im Hintergrund.

Orgelpfeifen als Macht-Instrument

Der Diktator und die Orgel - das passe, findet Haselböck. Die Orgel sei seit jeher auch ein Machtinstrument gewesen. "Man muss sich vorstellen, dass die Orgel ja die lauteste, menschengemachte Musik war, und diese Klangmacht wurde verwendet, um Politik-Macht zu unterstreichen." Die Orgeln hätten schon im alten Rom bei den Gladiatorenkämpfen im Zirkus gespielt. "Die römischen Kaiser kannten die Orgel. Nero soll Organist gewesen sein." Auch im 20. Jahrhundert habe es eine weltliche Orgeltradition gegeben, die eng an die Macht gebunden war. "Für die Reichsparteitage der Nazis in Nürnberg wurde eine Monsterorgel gebaut. Und auch der Diktator Mobutu hat sich eine deutsche Konzertorgel in den Palast im Dschungel bauen und die dann auch bespielen lassen."

Es wird ein Abend zwischen großer Macht und tiefem Fall.

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Backstage-Interview mit John Malkovich

Kulturjournal

Was für Menschen sind Diktatoren? Das Kulturjournal hat John Malkovich bei den Proben für sein Theaterstück "Just Call Me God" in der Hamburger Elbphilharmonie interviewt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 06.03.2017 | 19:00 Uhr

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