Corona-Helden: Erstes Dankeschön-Konzert in der Elbphilharmonie

Stand: 09.07.2021 08:23 Uhr

Die NDR Musikensembles hatten ihr Publikum dazu aufgerufen, ihre ganz persönlichen Heldinnen und Helden des Alltags zu nennen. Für sie spielte gestern Abend beim ersten der elf Konzerte das NDR Elbphilharmonie Orchester.

Die Elbphilharmonie von der Stadt aus Richtung Hafen betrachtet. © Maxim Schulz Foto:  Maxim Schulz
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von Kerry Rügemer

Glücklich, beseelt, dankbar - noch vor Beginn des Konzertes werden die ersten 200 Corona-Alltags-Heldinnen und -Helden von insgesamt 1.600 Nominierten mit rauschendem Applaus bedacht.

Grundschullehrerin: Unermüdlich für die Kinder da

Da ist zum Beispiel Dörte Waidbrecht, Grundschullehrerin aus Rissen. Eltern hatten die engagierte Pädagogin vorgeschlagen, weil sie unermüdlich für ihre Schülerinnen und Schüler da war. "Motiviert hat mich zuallererst das Wohlergehen der Kinder meiner Klasse", erzählt Waidbrecht. "Ich wollte ihnen in der Zeit, in der sie ganz alleine zu Hause waren, ein Gefühl von Verbundenheit geben. Die Kinder haben mir viel von ihren persönlichen Aktivitäten geschickt und ich habe daraus kleine Tagesfilme erstellt. So konnten wir einfach Anteil nehmen an dem, was zuhause lief. Und wir konnten sagen: Wir sind weiterhin die Klasse 3b und nicht nur kleine Einzelkämpfer vor dem Bildschirm."

VIDEO: Corona-Helden: Busfahrer erhält Elbphilharmonie-Ticket (3 Min)

Auch Ines Riedemann ist Lehrerin. Sie unterrichtet an einer Blindenschule. Online-Unterricht war da nicht möglich. Sie ist selbst auch blind und jeden Tag mit ihrem Hund quer durch die Stadt gefahren, um die Kinder zu unterrichten. Was sie dazu täglich motiviert hat? Für Riedemann ganz klar: “Die Schüler selbst. Weil man eine Vorbildfunktion hat, auch den blinden Schülern gegenüber, dass man weiter kämpft!”

Griegs Klavierkonzert und Mendelssohn Bartholdys "Italienische Sinfonie"

Zu hören ist Edvard Griegs Klavierkonzert mit Rudolf Buchbinder am Flügel und Felix Mendelssohn Bartholdys "Italienische Sinfonie", die mitreißend vor Lebensfreude sprudelt - viele der Corona-Heldinnen und -Helden sind von der Musik völlig hin und weg.

Tina Haug ist mit ihrem Mann Rudolf heute Abend aus Niedersachsen angereist. Die beiden haben sich monatelang immer wieder um ihre Enkelkinder gekümmert. Sie sind das erste Mal in der Elbphilharmonie und können ihr Glück kaum fassen: "Dass wir vorgeschlagen wurden ist an sich schon ein Geschenk, aber dass wir dann auch herkommen durften, ist nochmal eins", freut sich Tina Haug.

Altenbetreuerin: "Das hätte ich nie erwartet"

Auch Altenbetreuerin Elisabeth Müller geht es ähnlich: "Dass man dabei an mich gedacht hat - das hätte ich nie erwartet."

Der Riesenapplaus zum Schluss zeigt - schön war es, dieses musikalische Dankeschön an all die Alltags-Heldinnen und -Helden!

Bis Sonntag gibt es weitere Dankeskonzerte vom NDR Elbphilharmonie Orchester, der NDR Bigband, der NDR Radiophilharmonie und vom NDR Vokalensemble.

Auszüge aus den Held*innen-Geschichten
Eingesandt von...Held/Heldin
Stefan Prange"Meine Frau. Sie hat während Corona ihren Job verloren. Sich unermüdlich um einen neuen gekümmert und diesen auch ab 01.06. anfangen können. Drumherum hat sie unser Familienleben mit Homeoffice, Sportverbot des Sohnes, Krankenhausaufenthalte, Homeschooling etc. hervorragend organisiert. Sie ist die Beste und ich bin unglaublich stolz auf meine Frau."
Jürgen Schwartz"Frau Gerda B. aus Oldenburg. Sie ist eine ältere Dame, Anfang 80, sportlich, seit Jahrzehnten ehrenamtlich engagiert im sportlichen und kirchlichen Bereich. Sie hat in ihrer näheren und weiteren Nachbarschaft Besuchs- und Fahrdienste für andere gemacht, Mutmach-Telefon-Anrufe gemacht, Karten mit Grüßen verteilt, Briefe mit schönen Geschichten und Erinnerungstexten verschickt. Dadurch hat sie vielen anderen älteren, mehrheitlich allein lebenden Menschen Mut gemacht, den Tag für eine kurze Zeit aufgehellt, Zeichen der Verbundenheit gegeben und die Tristesse überwunden. Ohne ihr Engagement wären viele sicherlich nicht so gut durch die Corona-Zeit gekommen. (...) Sie macht das, obwohl sie selbst mit mancherlei gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen hat. Einfach toll."
Tim Burchardt"Ganz klar: Die Oma meiner Kinder, also meine Mutter. Sie hat mit ihren 81 Jahren immer Optimismus versprüht und war trotz Corona für ihre Enkel dar. 'Dann tragen wir halt die Maske', ist ihr Credo. Auch Nachbarn und Freunden hat sie immer Zuversicht zugesprochen und war/ ist der ruhende Pol in diesen stürmischen Zeiten. Selbst ein Wirbelbruch Anfang 2021 hat sie mit Stärke und Humor bewältigt. Trotz zwei OPs war sie immer zuversichtlich und hat sich durch die Reha gekämpft. Als sie dann wieder einigermaßen fit war, hat sie beschlossen: Die letzte Woche der Reha genieße ich. Ich finde, sie hat es sich verdient."
Heike Danker"Meine persönliche Corona-Heldin ist meine Schwester, die sich in der Pandemie liebevoll um unsere 94-jährige Mutter gekümmert hat. Unsere Mutter wohnt in ihrem hohen Alter noch immer alleine in ihrem Haus in Hamburg und könnte das ohne unsere Unterstützung nicht tun. Wir haben beide versucht sie ohne eine Infektion, die für sie sicherlich schwerwiegende Folgen gehabt hätte, durch diese Zeit zu bringen und das ist uns auch gelungen, wobei meine Schwester dabei den weitaus größeren Anteil geleistet hat. Um für meine Mutter immer bereit zu sein, hat sie ihre persönliches Leben sehr weit zurückgefahren, alle Kontakte auf ein Minimum beschränkt. Unsere Sorge war immer auch eine eigene Infektion zu verhindern, um unsere Mutter zu schützen. Nun ist unsere Mutter geimpft und wir sind erleichtert. Eigentlich ist unsere Mutter auch eine Corona-Heldin, weil uns mit viel Optimismus, Zuversicht und Geduld auch geholfen hat die Zeit zu überstehen."
Marc Rickenberg"Eine ehemalige Kollegin aus dem Supermarkt, welche mich durch meine Lehrzeit begleitet hat. Sie arbeitet dort seit Jahrzehnten an der Fleischtheke und ist einfach die 'Gute Seele des Hauses'. Sowohl im Kollegium als auch gegenüber den Kunden immer freundlich und hilfsbereit, ist sowohl was die Arbeit aber auch was das Zwischenmenschliche angeht immer für einen da. Wie eine 'zweite Mutti'. Ich arbeite schon lange nicht mehr in der Branche und habe noch eine Lehre zum Heilerziehungspfleger gemacht, aber kaufe in dem Geschäft dort noch regelmäßig ein und treffe dann meine ehemaligen Kollegen. Jetzt hat sie mir erzählt dass sie trotz der durchgängig anstrengenden Coronazeit noch nicht geimpft werden konnte, obwohl sie das gerne machen würde. Dabei steht sie die ganze Zeit für ihre Arbeit mit den Kunden ein, hat innerhalb jedes Lockdowns weitergemacht und dennoch immer ein Lächeln für die Kunden übrig. Für mich persönlich ist sie eine 'Heldin im Hintergrund'."
Claudia Colditz"Mein persönlicher Corona-Held ist mein Mann! Wir haben drei Kinder (jetzt 6, 9 und 12) und arbeiten seit März 2020 im Homeoffice - beide Vollzeit. Bis Juli hatten wir noch Unterstützung von einem Au-Pair, das vor Corona zu uns kam. Als ihr Au-Pair Jahr zu Ende war, waren die Grenzen dicht. Homeschooling und Kindergartenkind zu Hause neben Homeoffice betreuen wurde zwar durch die Regierung und teilweise durch die Medien als machbar dargestellt. Ist es aber nicht. (...) Damit ich weiterhin Vollzeit arbeiten konnte ohne groß wegen Betreuungsproblemen ausfallen zu müssen, hat mein Mann mit seinem Arbeitgeber geredet und eine flexible Lösung gefunden. Er übernahm Homeschooling und das Mittagessen, ich die 'Morgenschicht', bei der ein bis drei Kinder auf den Weg zum Kindergarten oder Wechselunterricht geschickt werden mussten und die Nachmittage. Ohne meinen Mann hätte ich das nicht geschafft. Es hört sich zwar in der Theorie machbar an, dass beide Elternteile Vollzeit und gleichberechtigt arbeiten. In der Praxis kenne ich allerdings keine Familie mit kleineren Kindern, die das so lebt/ leben kann. Ich danke Dir, Peter und liebe Dich jeden Tag mehr!"
Barbara Müller"Klaus und Anna B. haben sich rührend um mich gekümmert im Lockdown, da ich mit 85 Jahren noch alleine in meinem Haus wohne und meine Kinder weit weg wohnen. Ohne sie hätte ich die Zeit in noch mehr Einsamkeit verbracht."
Stefanie Raschke"Die Kindergärtnerin meiner beiden Söhne (...) in Basthorst. Während der Pandemie-bedingten Schließzeiten las sie unter anderem täglich Geschichten für die Kinder vor und erstellte herzerfrischende, kindgerechte Videos für die Kleinen. Sie fertigte zusätzlich jede Woche ideenreiche Mappen, Hefte mit Bastelanleitungen oder kleinen Experimenten, tolle persönliche Aufgaben für jedes Kind und brachte diese zu jedem nach Hause. Es war eine ganz wundervolle Erheiterung, jede Woche in den Briefkasten zu schauen und die Freude in den Kinderaugen zu sehen, wenn es Post von ihr gab! Die Coronazeit wurde so um ein vielfaches erträglicher (...). Daher ist Sie meine persönliche Corona-Heldin."
Nils Hendrik Use"Mein persönlicher Corona-Held ist meine Freundin. Sie hat während der Lockdowns eine Dementen-WG mit Essen versorgt, weil sich die gesamte WG in Quarantäne befunden hat. Sie hat jeden Tag für die WG frisch gekocht und somit den Bewohnern jeden Tag ein bisschen Freude in der schweren Zeit bereiten können. Des Weiteren hat sie in der Nachbarschaft berufstätige Eltern mit gekochtem Mittagessen versorgt, damit diese besser mit der Doppelbelastung aus Homeoffice und Kinderbetreuung klar kamen."
Yaira Elisabeth Wahmhoff"Meine persönlichen Helden sind das Schulleitungsteam der Elbinselschule in Hamburg Wilhelmsburg, stellvertretend für so viele Kolleginnen, die so viel geleistet haben und noch immer leisten. Eine Schule mit 90 KollegInnen, 400 Grundschülern und zwei Standorten durch dieses besondere und herausfordernde Schuljahr zu tragen verdient in meinen Augen ein großes Lob und viel Respekt."
Nicole Andersen-WillDas ist meine Tochter, die trotz einer Corona-Erkrankung die Fortbildung zum Rettungsassistent letztes Jahr im Sommer erfolgreich absolviert hat, die Tätigkeit dann auf Grund der Erkrankung nicht ausführen kann und seit November 2020 beim Gesundheitsamt (...) in Vollzeit tätig ist , Abstriche entnommen hat und immer an der vordersten Front steht, nebenher studiert und sich nie beklagt, und das mit mal geraden 21 Jahren. Eine Belohnung dieser besonderen Art hat sie sich wirklich verdient."
Diestelkamp, Corinna"Meine Corona-Heldin ist Susanne (...). Als die Pandemie begann und wir als Kirche keine Geburtstagsbesuche mehr machen sollten, hat sie die "Musik gegen Isolation" gestartet: zwei der Bläser*innen aus dem Posaunenchor gingen zu den Jubilar*innen und brachten ihnen ein kleines Ständchen. "Viel Glück und viel Segen", "Nun danket alle Gott" und "Lobet den Herren" gehörten zu den Rennern. Susanne selbst hat Woche für Woche die Mitwirkung koordiniert, Termine abgesprochen, mit dem Besuchsdienst telefoniert und sehr häufig selbst auf der Posaune mitgespielt. Über ein Jahr lang haben diese 4-5 Personen etwa 2-3 Ständchen pro Woche in ihren Kalender eingebaut und damit unglaublich viele Menschen zu Tränen gerührt, die doch ihren runden Geburtstag nicht feiern konnten. (...) In der Pandemiezeit war dieses öffentliche Gotteslob bei Wind und Wetter ein starkes Hoffnungszeichen (...)."
Christine Arisoy-Freitas"Meine Nichte (...) ist meine persönliche Corona Heldin. Sie ist Schülerin in Hamburg und hat schon vor dem Lockdown bei Edeka gejobbt. Während des Lockdowns hat sie wie andere auch teilweise längere und mehr Schichten übernommen, damit wir alle weiterhin Einkaufen konnten. Anfangs gab es noch kaum geeigneten Schutz und trotzdem hat sie engagiert ihren Job neben dem Homeschooling absolviert. Ihren 17. Geburtstag letztes Jahr durfte sie nicht groß feiern. Auf ihren 18. Geburtstag (...) darf sie diesmal mit ein paar mehr Freunden zusammen anstoßen! Und in der Schule ist es auch, trotz der ungewöhnlichen Umstände gut gelaufen! Das hat sie super gemacht. Sie ist meine Heldin!
Mirijam Wenzel"Meine persönliche Corona Heldin ist eine gute Freundin aus meiner Heimatstadt, die im letzten Jahr für einen Job nach Hamburg gezogen ist. Etliche Spaziergänge, Fahrradtouren und Koch- und Filmabenden haben in den letzten Monaten Abwechslung in eine Zeit gebracht, in der man weniger Möglichkeiten als sonst. Sie hat mich aus jedem Tief geholt. Ohne sie wäre die letzten Monate nicht ganz so einfach zu überstehen gewesen. Der schönste Tag war ein Ausflug an Meer, einen Tag den Kopf freibekommen, die Sonne aufsaugen und alles für einen Moment vergessen. Auch in diesem Jahr ist wieder ein Besuch in Niendorf geplant."
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Eine Frau mit Maske stellt Einkäufe vor eine Wohnungstür. © Imago/ photothek Foto: Thomas Trutschel

Corona-Held*innen aus dem Norden - die Geschichten

Mit Konzerttickets bedanken sich die NDR Ensembles bei Corona-Held*innen im Norden. Eine Auswahl der Geschichten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 09.07.2021 | 19:00 Uhr