Stand: 25.10.2017 08:11 Uhr

Cleveland Orchestra mit glanzvollem Auftritt

von Marcus Stäbler

Das Cleveland Orchestra gehört zu den sogenannten Big Five, den fünf bekanntesten und wahrscheinlich auch besten Orchestern in den USA. Zudem kommt es nur relativ selten nach Deutschland. Auf seiner Tournee zum 100-jährigen Bestehen ist das Orchester mit zwei Konzerten in der Elbphilharmonie zu Gast - unter Leitung seines langjährigen Chefdirigenten Franz Welser-Möst.

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Seit 2002 leitet Franz Welser-Möst das Cleveland Orchestra.

Ein ungewöhnlicher Start in ein Sinfoniekonzert. Franz Welser-Möst verzichtete in der ersten Hälfte ganz auf Bläser und Schlagwerk und dirigierte zunächst nur die Streicher, in seiner eigenen Bearbeitung von Beethovens Quartett op. 132. Damit demonstrierte er seinen kammermusikalischen Anspruch an das Orchester, das er seit 2002 leitet. Das Cleveland Orchestra stehe gerade nicht für den kraftstrotzenden Sound, der als typisch amerikanisch gilt, so Welser-Möst: "Wir sind nicht ein Orchester, das mit dem breiten Pinsel anrichtet, sondern mit dem feinen Pinsel."

Franz Welser-Möst hat Beethovens Quartett in seiner Bearbeitung auf eine Besetzung von über 60 Streichern angedickt, die scharfen Konturen gerundet und damit auch den Charakter verändert. Trotzdem wirkte der Klangkörper nicht schwerfällig, sondern bewegte sich erstaunlich geschmeidig und folgte seinem Dirigenten aufmerksam. Mit klaren Gesten modellierte Welser-Möst viele Nuancen in der Dynamik und im Klang und wählte auffallend flüssige Tempi - dadurch klang der zentrale langsame Satz mit dem Titel "Heiliger Dankgesang eines Genesenden" ganz unsentimental und schlicht.

Große Sorgfalt und Disziplin

Nach der Pause saß das Orchester in voller Stärke auf der Bühne, für Strawinskys "Le Sacre du Printemps".  Ein Stück, das mitunter als brachiale Rhythmusorgie ohne allzu viel Zwischentöne inszeniert wird. Doch auch da blieb Franz Welser-Möst seiner Handschrift treu und wahrte eine große Sorgfalt und Disziplin. Der 57-jährige Österreicher erkundete Strawinskys zarte Farben und feine Klangmischungen - etwa mit den vorzüglichen Holzbläsern des Cleveland Ochestra.

Elbphilharmonie © Daniel Reinhardt/dpa

Cleveland Orchestra spielt in der Elbphilharmonie

NDR Kultur -

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Welser-Möst - dessen schnörkelloser Dirigierstil manchmal fast eine Spur unbeteiligt aussieht - nahm mit seinem Spitzenorchester die Einladung der Elbphilharmonie an. Er nutzte die transparente Akustik des Raums für eine Fülle an Piano-Schattierungen und entfaltete dann in den dramatischen Ausbrüchen eine umso stärkere Wucht, wenn er die Klangmassen von Schlagwerk und Blech aufeinanderprallen ließ. Eine beeindruckende Interpretation von Strawinskys Sacre - von Franz Welser-Möst präzise durch die eckigen Rhythmen und Kontraste gesteuert und am Ende in ein packendes Finale geführt.

Programmtipp
mit Audio

"Big Five"-Orchester zu Gast in der "Elphi"

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 25.10.2017 | 07:20 Uhr

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