Eine Gruppe Wölfe beim Rangeln im Wald © picture alliance / Bernd Thissen/dpa | Bernd Thissen

"Wölfe": Mecklenburgisches Staatstheater plant Naturoper

Stand: 21.09.2021 16:08 Uhr

Die Produktion "Wölfe" am Mecklenburgischen Staatstheater ist als dokumentarische Naturoper gedacht. Dabei sollen verschiedene Stimmen aus der Debatte über die Raubtiere ins Libretto einfließen. Uraufführung ist am 22. Juni 2022.

"Sie sind gefährlich. Aber gleichzeitig liebevoll. Sie küssen. Sie sind wie wir." So beginnt der Ankündigungstext für die Opernproduktion "Wölfe", die gerade am Mecklenburgischen Staatstheater vorbereitet wird.

Interviews als Grundlage für Naturoper "Wölfe"

Gerade im Nordosten vermehren sich die Wölfe derzeit ungehindert. 15 Rudel soll es in Mecklenburg-Vorpommern geben. Der Umgang mit ihnen löst immer wieder emotionale politische Debatten aus. Für ihr Libretto nimmt Nina Gühlstorff daher Interviews mit Wolfsexperten, Schäferinnen, Menschen aus dem Forst- und Jagdwesen, Politikern und Aktivistinnen als Grundlage. Diese authentischen Stimmen verknüpft die Regisseurin mit Motiven aus Mythos und Volksmärchen. 

Theater als Impulsgeber: Intendant will neues Publikum erreichen

Hans-Georg Wegner im Porträt © NDR Foto: Axel Seitz
Auf den Wolf gekommen: Hans-Georg Wegner, Intendant des Mecklenburgisches Staatstheaters

Das ungewöhnliche Opern-Thema ist für den Intendanten Hans-Georg Wegner Teil der Bemühungen seines Hauses, ein neues Publikum zu erreichen. "Wir müssen Theaterformen finden, wo wir eine Bandbreite von unterschiedlichen kulturellen Prägungen in einem Raum versammeln", sagte Wegner der Deutschen Presse-Agentur. Damit wolle man Impulsgeber für Diskurse in der Region sein.

Dass das Thema Wölfe die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt, zeigt sich immer wieder. Während sich Naturschützer über die Rückkehr der Tiere freuen, sorgt sie bei Bauern und Weidetierhaltern für Sorgen und Frust. So rissen Wölfe im vergangenen Jahr mehr als 450 Nutztiere.

Politischer Streit über die Bejagung des Wolfes

Über die Frage, ob der Wolf bejagt werden sollte, tobt ein politischer Streit. Ein neuer Wolfs-Managementplan des Landes hat nun festgelegt: Aktiv gejagt werden dürfen die Raubtiere weiterhin nicht. Dies könnte sich allerdings ändern, wenn die EU einen "günstigen Erhaltungszustand" für den Wolf feststellt. Laut Detlef Kurreck vom Landesbauernverband ist dieser bereits gegeben.

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Ein Wolf blickt in die Kamera. © picture alliance/chromorange Foto: CHROMORANGE / Dieter Möbus

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Uraufführung am 22. Juni 2022

Buchstäblich andere Töne zum Thema schlägt die estnische Komponistin Helena Tulve an, die die Musik zu "Wölfe" beisteuert. Laut Mecklenburgischem Staatstheater sollen ihre von der Natur inspirierten Klänge das Publikum "in die Tiefe des Waldes und die Wildnis in uns" entführen. 

Auf und vor der Bühne zu erleben sein wird das Ensemble des Musiktheaters, der Opernchor des Mecklenburgischen Staatstheaters und die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin. Die Uraufführung ist für 22. Juni 2022 geplant.  

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kulturjournal | 12.05.2021 | 19:00 Uhr