Besucher bei der Bulli-Tour in Greifswald © NDR.de Foto: Juliane Voigt

Wahl-Aktion: Künstler*innen auf Bustour durch MV

Stand: 29.08.2021 14:19 Uhr

Für den Erhalt der Demokratie fährt gerade ein alter Bulli durch Mecklenburg-Vorpommern. Eine Werbekamapgne für die Wahl unter dem Titel "In welcher Gesellschaft wollen wir leben", ohne Parteiwerbung - organisiert von der Koeppen-Stiftung.

von Juliane Voigt

Ein blitzblanker Bulli - für Kenner ein T2 - in sanftem beige, ein Automobil aus den 70er Jahren. Auf Tournee sind politisch engagierte Journalist*innen und Politolog*innne. Mit von der Partie sind aber auch Schriftsteller*innen und Musiker*innen. Sie wollen mit Menschen in Mecklenburg-Vorpommern ins Gespräch kommen.

Erste Station: Der Marktplatz in Greifswald. Mathias Greffrath ist Journalist und Schriftsteller: "Wir wollen nicht für eine bestimmte Partei werben, sondern für das Wählengehen überhaupt. Ich glaube, dass je mehr Wahlbeteiligung da ist, desto mehr Legitimität hat das, was dann kommt, das ist ja auch ein bisschen knapp, zwischen halb links und halb rechts im Augenblick. Insofern lohnt es sich wählen zu gehen in MV und wir wollen die Lücke zwischen den Repräsentanten und den Wählern ein bisschen schließen. Denn ich glaube, viele Wähler gehen deshalb nicht zur Wahl, weil sie glauben, die da oben haben noch nicht mal begriffen, wie groß die Probleme sind, vor denen wir stehen."

Bekannte Schriftsteller*innen werben für die Wahl

15 Bushaltestellen gibt es. Von Heringsdorf bis Wismar. Mit dabei: Liedermacherin Barbara Thalheim und Schriftsteller wie Ingo Schulze, Katja Lange-Müller oder - wie beim Auftakt in Greifswald - Judith Schalansky. Es ist die Heimatstadt der Schriftstellerin: "Das Mindeste, was ihr machen könnt, ist wählen gehen. Ihr müsst ja nicht irgendwie einer Partei beitreten oder ein Engagement übernehmen, sondern das ist doch eine geringste Bürgerpflicht, die ist nicht besonders aufwendig und dazu zu animieren, halte ich erstmal für eine sehr unterstützenswerte Sache."

Judith Schalansky hat ein Kapitel aus ihrem Buch "Verzeichnis einiger Verluste. Ein Stadtrundgang durch Greifswald" gelesen. Dass der Bulli Künstler*innen mitnimmt, hat für Matthias Greffrath eine Geschichte: "Die Künstler sollten mal ein bisschen aktiver werden. Wenn ich mich an die 60er Jahre erinnere, was es da für intellektuellen Aufruhr gab, um die Ostpolitik zum Beispiel durchzusetzen, da waren es die Künstler, die Intellektuellen, die der Sache immer ein bisschen voraus waren. Ich glaube, dass Künstler für das Verstärken von Motiven immer noch ganz wichtig sind."

Erinnerungen an frühere Wahlkampf-Touren

Auch die Bulli-Tour ist eine Reminiszenz. 1969 warb Günter Grass um Wähler für den damaligen Kanzlerkandidaten Willy Brandt. 30.000 Kilometer war er mit so einem Auto durch Deutschland gefahren und redete auf Marktplätzen. Christine Becker von der Koeppenstiftung sitzt jetzt hinter dem Lenkrad: "Das ist ganz schöne Muskelarbeit. Ich habe diesen Bulli gestern von Berlin nach Greifswald gefahren und mir tut alles weh, weil der will auch gerne mal die Spur verlassen. Es war schon sehr abenteuerlich, aber es ist eben einfach noch ein richtiges Auto."

Knapp 100 Greifswalder*innen waren beim Auftakt gestern dabei. Eingeladen sind zu allen Veranstaltungen auch immer politische Gruppierungen, die vor Ort aktiv sind. In Greifswald: die "Fridays for future"-Bewegung. Am Ende zieht er wieder los - der kleine Bulli, wie ein Anachronismus, durch Alleen, durch Dörfer und Städte. Eine Wahlkampagne, in der Geschwindigkeit einer längst vergangenen Zeit mit den Mitteln einer längst vergangenen Zeit.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 28.08.2021 | 16:20 Uhr