András Siebold, künstlerischer Leiter von Hamburg-Kampnagel, lehnt an einer Wand © Marcelo Hernandez

"Togetherness": Sommerfestival auf Kampnagel beginnt

Stand: 04.08.2021 20:37 Uhr

Vom 4. bis zum 22. August findet das Sommerfestival auf Kampfnagel statt. Es ist die zweite Ausgabe in Corona-Zeiten. Kurator András Siebold gibt einen Ausblick.

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Am Donnerstag beginnt auf dem Gelände der Kulturfabrik Kampnagel in Hamburg das Internationale Sommerfestival - alles ist etwas anders als in den vergangenen Jahren. Aber laut eigenen Angaben ist es alles andere als eine "Virus-Schmalspur-Version". Das macht natürlich eine Nachfrage notwendig. Ein Sommerfestival, das keine "Virus-Schmalspur-Version" ist, geht das überhaupt?

András Siebold: Die Frage ist natürlich berechtigt und die haben wir uns auch schon oft gestellt. Ein Sommerfestival mitten in einer Pandemie machen, wie geht das? Die Erfahrung aus dem letzten Jahr hat uns Rückenwind gegeben. Wir haben schon mal ein Sommerfestival in der Pandemie gemacht. Allerdings ist dieses Jahr doch alles etwas anders, denn wir wissen einfach mehr. Wir haben alle mehr Corona-Wissen angehäuft. Und das macht uns ein bisschen sicherer aber gleichzeitig auch etwas pessimistischer, was die Zukunft betrifft. Denn wir wissen, dass wir es weiterhin mit diesem Virus zu tun haben werden und wir nicht einfach durch die Frischluft des Sommers oder ein schönes Sommerfestival das Virus wegbekommen. Deswegen haben wir jetzt ein Festival gebaut, was auf sehr virussicheren Beinen steht - sowohl was die Publikumsaufführungen betrifft, als auch die internationale Reisetätigkeit, die es halt braucht, um auf dem Festival Gruppen aus Brasilien oder Kanada präsentieren zu können.

Und dann heißt es in der Ankündigung auch noch: "Geholfen haben uns Künstler*innen, die aus der Krise heraus Kunst machen und Perspektiven für die Zukunft entwerfen." Das macht natürlich neugierig. Und wer könnte im Moment keine Perspektiven für die Zukunft gebrauchen? Was machen die denn dann da?

Siebold: Die setzen sich einfach mit der Gegenwart auseinander. Und die Gegenwart ist nun mal so, dass wir an dem Thema Corona nicht so ganz vorbeikommen. Aber die Lösungen, Perspektiven und Reaktionen, die unsere Künstler*innen mit ihren Arbeiten finden, sind doch ziemlich überraschend. Das beginnt allein mit Feist (Musik-Künstlerin aus Nordamerika, Anm. der Redaktion), die einen Vorschlag macht, wie sie die Bühne wieder zurückerobert. Ein Zusammensein mit dem Publikum wiederherstellen kann. "Togetherness" - wie wir es auf die Plakate geschrieben haben. Da sitzen 190 Menschen mit Feist und teilen die Bühne der K6 und schauen auf das leere Theater, das auch für Feist ein Thema war. Während nebenan Christoph Marthaler seine Apotheke als Bühnenbild aufbaut. Auch natürlich eine starke Metapher für die aseptische Gegenwart. Das ist übrigens ein Bühnenbild, das er sich vorher ausgedacht hat. Was aber natürlich jetzt in der Pandemie noch mal eine Brisanz bekommen hat. "Das Weinen nach Dieter Roth läuft hier dreimal. Nebenan bringt dann die norwegische Theatergruppe Susie Wang ein deutsches Urlauberpärchen im exotischen Urlaubsparadies an ihre Grenzen. Dieser Urlaub wird zum richtigen Horrortrip und Susie Wang machen auch damit ein wirklich tolles Gegenwarts-Panorama auf, denn das Thema Deutsche und Urlaub ist ja nicht ganz unrelevant gewesen in den letzten Monaten. All diese Produktionen zeigen eigentlich, dass Theater, das sich mit der Gegenwart beschäftigt, in Zeiten der Pandemie extrem spannende Produktionen produziert.

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Hat es dadurch, dass so viel nicht stattfinden konnte in den letzten Monaten, eine Art Stau gegeben? Sie kündigen jetzt das bis dato umfangreichste Sommerfestival an.

Siebold: Auf jeden Fall. Es gibt einige Produktionen, die aus dem letzten Jahr verschoben wurden und die zusätzlich zu den jetzt schon geplanten Sachen kommen. Außerdem haben die vielen Corona-Hilfsgelder tatsächlich auch sehr viel neue Projekte ermöglicht. So etwas wie der Kultursommer Hamburg, wo die Stadt Hamburg unter Federführung von Kultursenator Carsten Brosda zehn Millionen extra zur Verfügung gestellt hat. Das macht natürlich etwas mit der Stadt und auch wir profitieren davon und haben dadurch allein 14 Stadtprojekte machen können, die wir jetzt drei Wochen präsentieren. Das heißt, der Umfang des Programms ist auch ein direkter Effekt der Situation, in der wir jetzt gerade sind.

Das Gespräch führte Jürgen Deppe.

Das Sommerfestival auf Kampnagel läuft bis zum 22. August. Im Rahmen dieses Festivals wird auch NDR Kultur zusammen mit der Zeit-Stiftung präsent sein. NDR Kultur sendet ab Dienstag, den 10. August, ein Kultur Sommer-Spezial - teilweise auch live vom Kampnagel-Gelände.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 04.08.2021 | 18:00 Uhr