Leere Sitze in einem Theater © imago

Theater im Norden: Erstes Haus schließt wegen Corona

Stand: 11.01.2022 11:53 Uhr

Viele Theater in Norddeutschland haben wegen Corona weiterhin mit Einnahmeverlusten zu kämpfen. Die ersten Häuser ziehen daraus Konsequenzen. Ein Blick nach Niedersachsen und Hamburg.

Hajo Fouquet, der Intendant des Theaters Lüneburg, im Interview.
Hajo Fouquet, der Intendant des Theaters Lüneburg, stellt den Betrieb bis zum 21. April ein.

Viele Theater in Niedersachsen haben wegen Corona weiter mit Einnahmeverlusten zu kämpfen. Das Theater in Lüneburg ist jetzt einen drastischen Schritt gegangen und hat den Spielbetrieb bis zum 21. April eingestellt. 140 Vorstellungen fallen damit aus. Von den Verantwortlichen heißt es, die Einnahmen seien bislang um mehr als 60 Prozent eingebrochen. Ein Minus von mehr als einer Million Euro droht. "Wir haben uns leider entschließen müssen, in diese Richtung zu gehen, weil wir davon ausgehen, dass durch unsere relativ dünne Personaldecke und durch Ausfälle von Mitarbeitern, viele Vorstellungen abgesagt werden müssen", sagte der Intendant Hajo Fouquet im Interview auf NDR Kultur. "Allein um die Weihnachtszeit bis zum Jahreswechsel mussten wir bereits zehn Vorstellungen absagen."

 

Starker Rückgang bei den Gästezahlen in Göttingen und Celle

Ins Deutsche Theater Göttingen kommen derzeit im Schnitt weniger als 200 Gäste in eine Vorstellung. Auch am Schlosstheater in Celle ist die Besucherzahl zurückgegangen. Der freie Kartenverkauf sei am Boden, heißt es von dort, wie NDR 1 Niedersachsen berichtete. In Oldenburg dürfen aktuell 70 Prozent der Plätze belegt werden.

Hamburg: St. Pauli Theater dünnt Spielbetrieb massiv aus

Das St. Pauli Theater neben der Hamburger Davidwache im Stadtteil St. Pauli 2007. © dpa - Report Foto: Sebastian Widmann
Das St. Pauli Theater dünnt ab kommender Woche den Spielbetrieb aus.

In Hamburg hat auch das St. Pauli Theater über Konsequenzen nachgedacht. "Es wird immer schwieriger", sagte Thomas Collien, einer der beiden Theater-Chefs des Hauses auf der Reeperbahn. "Wenn es mehr Darsteller und Mitwirkende gibt als Zuschauer, muss man sich auch mal eingestehen, dass es so keinen Sinn mehr macht." Im St. Pauli Theater wird ab kommender Woche der Spielbetrieb massiv ausgedünnt.

Auch die anderen Theater in Hamburg überlegen derzeit ob und wie sie weitermachen. Das Ernst Deutsch Theater zum Beispiel will erst einmal schauen, wie gut der Kartenverkauf läuft. Die Hamburgische Staatsoper und das Thalia Theater führen den Spielbetrieb vorerst wie geplant weiter.

Kritik an den Botschaften von Politik und Regierung

Hintergrund der zurückgehenden Besucherzahlen ist offenbar die Angst des Publikums vor der Coronavirus-Variante Omikron. Die Theatermacher finden in diesem Zusammenhang aber auch die Botschaften, die Politik und Regierung senden, wenig hilfreich. "Überall wird publik gemacht: Reduzieren Sie die Kontakte. Die Leute reduzieren die Kontakte und buchen viel weniger bis gar keine Theaterkarten", sagt Inken Rahardt vom Opernloft im Alten Fährterminal Altona. "Auch bei uns ist die Lage jetzt dramatisch. Es fühlt sich an wie ein Lockdown, es wird aber nicht Lockdown genannt." Derzeit werde nicht mal eine Handvoll Karten verkauft.

Hamburger Musik-Club Knust setzt auf Streams

Auch die Musik-Clubs in Hamburg leiden weiterhin unter der derzeitigen Corona-Welle. Die geplante Wiedereröffnung des Logo wurde verschoben. Das Knust setzt auf Streams, wie Chef Karsten Schölermann sagt: "Wir haben schon im vergangenen Jahr festgestellt: Konzerte können immer stattfinden, schlimmstenfalls ohne Publikum. Wir werden also Konzerte machen. Wir passen uns an. Im Moment können wir mit Studiogästen streamen. Das ist ein bisschen so wie eine Fernsehproduktion. Insofern hat uns die aktuelle Änderung gar nicht so berührt."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 10.01.2022 | 14:20 Uhr