Szene aus der Performance "Die Ruhe" des Performance-Kollektivs Signa. © Erich Goldmann

Neue Performance von Signa: Die Suche nach der Ruhe

Sendedatum: 20.11.2021 06:40 Uhr

Die Arbeiten des dänisch-österreichischen Performance-Kollektivs Signa sind legendär. "Die Ruhe" heißt das neue Projekt, das im Hamburger Paketpostamt Altona Uhraufführung gefeiert hat.

von Katja Weise

Das Kollektiv inszeniert nicht auf Bühnen, sondern sucht sich seine Orte vorwiegend in leer stehenden Gebäuden und schafft hier seine Welten - in denen das Publikum immer zum Mitspieler wird. Mehrfach hat das Hamburger Schauspielhaus Signa schon engagiert.

Signa: Willkommen im Erholungsinstitut

Szene aus der Performance "Die Ruhe" des Performance-Kollektivs Signa. © Erich Goldmann
Beruhigend wirkt die Performance von Signa kaum.

Als erstes gibt es ein Bettlaken - und eine Matratze im großen Schlafsaal: "Herzlich willkommen hier in unserem frisch gegründeten Erholungsinstitut in Hamburg," heißt es. Gegründet angeblich nach einem merkwürdigen Tag, an dem die Aale aus dem Klinik-Teich über die Wiese in den Wald zu wandern begannen. Fünfer-Gruppen werden gebildet, die gut fünf Stunden zusammenbleiben und auf eine Reise gehen - durch verschiedene Räume.

"Also, ich bin die Catina und ich werde für heute Abend euch ein Leitwanderer sein. Das heißt, dass wir gemeinsam einen Weg einschlagen und ich euch begleite auf euren ersten Schritten weg von der Unruhe hin zur Ruhe." Das geht vonstatten, indem auch das Publikum - wie die Aale - sich auf den Wald zu bewegt. Zunächst befindet man sich in einem Vorbereitungsraum, dann geht es mitten hinein in die Dunkelheit.

Herbstblätter bedecken den Boden, Äste recken sich schemenhaft empor, auf einem Baumstumpf hockt eine Frau, bastelt aus Zweigen kleine Figuren, ein paar Meter weiter windet sich ein Mann auf der Erde, er hat die Verbindungen zur "Menschenwelt" fast vollständig gekappt. Er ist, so heißt es, in die "Waldeinsamkeit gegangen". Es sind skurrile, irritierende Situationen. Die Begleiterinnen und Begleiter, auch Catina, sin psychisch offensichtlich instabil. Und doch ist alles so genau geplant, so detailversessen eingerichtet, dass schnell ein Sog entsteht.

Sich der Natur hingeben

"Mein Name ist Doktor Glenn Hirschheimer. Du stehst jetzt auf und suchst Dich und wenn Du Dich gefunden hast, dann setzt Du Dich dazu." Man setzt sich zu einer Puppe. Ziemlich abgedreht. Aber irgendwie funktioniert auch das, das doppelte Ich. Viele Themen klingen an: Vereinsamung, Flucht, Krankheit - die Zerstörung des Waldes, der Natur. Die einzige Hoffnung scheint darin zu liegen, dass der Mensch sich ihr ergibt, in ihr aufgeht, im wahrsten Sinne des Wortes: "Die Ameisen nehmen zuerst seine Augen mit."

Beruhigend jedenfalls ist diese "Ruhe" nicht, eher - wie auch schon die anderen Performances von Signa - verstörend.  Dazu kommt das Gefühl, einerseits nicht ganz freiwillig in den Wald geschickt zu werden, andererseits unbedingt dabei sein zu wollen auf diesem Trip.

Am Ende werden alle einfach entlassen. Es gibt nicht einmal Applaus für die großartigen Performerinnen und Performer und ihre beeindruckende Installation. Und: Ruhe ist nicht eingekehrt: "Wenn du die Ruhe suchst, dann such' die Ruhe bald, ich wünsch es dir."

 

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Neue Performance von Signa: Die Suche nach der Ruhe

Die Arbeiten des dänisch-österreichischen Performance Kollektivs Signa sind legendär. In Hamburg hat "Die Ruhe" Uraufführung gefeiert.

Datum:
Ende:
Ort:
(Ehemaliges) Paketpostamt Altona
Kaltenkirchener Straße 1-3
22769 Hamburg
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 20.11.2021 | 06:40 Uhr