Zwei Darsteller des Stückes "Danke für das Geräusch!", ein Mann und eine Frau, sind in einer Büro-Szenerie zu sehen. Er fällt gerade auf sein Hinterteil. © D. Heise Foto: D. Heise

Junges Theater Göttingen geht wegen Corona auf Tour

Stand: 30.11.2021 14:16 Uhr

In seiner vorübergehenden Spielstätte kann das Junge Theater Göttingen zur Zeit Corona-bedingt nur 45 Zuschauer aufnehmen. Jetzt wollen die Theaterleute mehr Gastspiele in der Region machen. Los ging es in Northeim.

von Eva Werler

Die Corona-Schutzmaßnahmen treffen viele Kulturbetriebe hart. Doch  das Junge Theater in Göttingen hat es besonders schwer: Weil das Stammhaus renoviert werden soll, hat es eine Interims-Spielstätte bezogen, in die nur halb so viele Besucher passen. Und das wegen Corona nicht mehr jeder Platz besetzt werden darf, sind es nun ganz wenige, nämlich nur noch 45 Zuschauer, die zu den Vorstellungen reingelassen werden dürfen. Doch die Theaterleute sind erfinderisch. Wenn das Publikum nicht zu Ihnen kommen darf, gehen sie halt zum Publikum. Unter dem Motto: "Das Junge Theater geht in die Region" startete am vergangenen Wochenende die Gastspieltournee in Northeim.

Mit Kulissen und Requisiten zum Gastspiel nach Northeim

Intendant Nico Dietrich packt mit an, denn jede Hand wird zum Beladen gebraucht: "Eigentlich ist es nicht viel, drei bis vier Kulissen. Aber die Summe macht es. Am Ende ist man schon den ganzen Tag unterwegs." Und so wandern Schreibtisch, Telefon, Zimmerpflanze, Aktenschränke und Silbertablett in den Tourenbus, Bühnenbild und Requisiten für das Heinz-Ehrhardt-Stück.

Ziel ist das 25 Kilometer entfernte Northeim. Heute ist Premiere. Es ist der Auftakt der Gastspielreise. Denn vor nur wenigen Leuten in Göttingen zu spielen, rechnet sich nicht mehr. In Northeim ist die Stadthalle dagegen groß, und - für Coronamaßstäbe - gut gefüllt.

Heinz-Erhardt-Abend sorgt für kurzweilige, witzige Unterhaltung

Ein buntes Potpourri aus Gedichten und Liedern von Heinz Erhardt beginnt. Die Rahmenhandlung: Der Finanzbeamte Willy Winzig ist eigentlich leidenschaftlicher Dichter. Kurz vor seiner Pensionierung erlebt der ewige Junggeselle unglaubliche Begegnungen mit der Damenwelt: mit einer in ihn schwer verliebten Kollegin, mit einer Mopsforscherin, die es nur auf Fördergelder abgesehen hat und mit einer Putzfrau, die genauso seltsam dichtet wie Willy Winzig selbst. Nur zwei Personen sind nötig dafür nötig. Und es entsteht ein Feuerwerk an Witz, Dynamik und Klamauk.

Weitere Auftritte in Dransfeld, Einbeck und Osterode geplant

Zwei Darsteller des Stückes "Danke für das Geräusch", ein Mann und eine Frau, reichen sich einer Büro-Szenerie die Hände. © D. Heise Foto: D. Heise
Szene aus dem Heinz-Erhardt-Abend "Danke für das Geräusch!" am Jungen Theater Göttingen

Für Intendant Nico Dietrich und seine Darsteller ist es der Start, nun regelmäßig in die Regionen zu gehen: Es stehen Auftritte in Dransfeld, Einbeck oder Osterode auf dem Tourneeplan. Und so kommen auch im Stück  Anspielungen auf nur hier bekannte Orte vor. So hat Willy Winzig große Angst, strafversetzt zu werden: nach Bodenfelde. Das bringt viele Lacher. Und gehört zum regionalen Konzept. Außerdem werden Ortsmarken eingestreut: "Ähhh, Gieboldehausen, Goslar, Gannover…"

Teilweise wird das Ensemble gebucht, teilweise mietet es selber die Hallen an. Alles, um seinen guten Namen nicht zu verlieren, um zu beweisen, dass das Junge Theater mehr als nur eine Handvoll Leute begeistern kann, sagt Intendant Dietrich.  Bleib die Frage, ob sich das rechnet. Nein, sagt Nico Dietrich: "Am Ende ist es sehr viel Arbeit und eine Plus-Minus-Null- Rechnung. Denn mit Saalmieten, Arbeitszeitaufwänden kommt noch mal einiges an Arbeitszeit hinzu. Zusätzliche Arbeit, die wir uns im  Stammhaus hätten sparen können. Wir haben einen Namen zu verteidigen, wir haben eine Marke zu verteidigen, und das bedeutet eben auch, dass wir in einer entsprechenden Größenordnung arbeiten können."

Dankbares Publikum und glückliche Schauspieler

Eins an dem Konzept geht jedenfalls auf: Das Publikum in Northeim ist dankbar für den schönen Abend. Und auch die beiden Darsteller, Jan Reinarz und Dorothea Röger, bemerken, dass einiges hier anders ist als in Göttingen: "Man hat gemerkt, wie konzentriert das Publikum war, wie offen für die ganzen Witze. Und ich hab gespürt, dass es ein anderes Publikum war als in Göttingen, weil eine andere Frische da war, andere Dynamiken, es hat sehr viel Spaß gemacht", freut sich Röger. Und ihr Kollege ergänzt: "Das ist wunderschön. Tatsächlich arbeitet das Junge Theater daran, in die Fläche zu gehen. Das war heute das erste Mal und ich bin gespannt, wo wir noch hinkommen."

Die Northeimer Stadthalle leert sich, das Ensemble packt wieder zusammen. Mit einem guten Gefühl, sagt Intendant Dietrich. "Das schöne daran ist, dass die Northeimer jetzt zu Fuß nach Hause gehen können, die haben alle schon ein Weinchen getrunken. Und wir fahren jetzt mal wieder ins Oberzentrum Göttingen. Ich glaube, wir haben viele Leute glücklich gemacht."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Kulturspiegel | 30.11.2021 | 19:00 Uhr

Besucher einer Vorstellung der Hamburger Kammerspiele gehen am Eingang an einem Aushang vorbei, der auf die geltenden 2G-Regeln im Haus für den Theaterbesuch hinweist. © picture alliance/dpa | Markus Scholz

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