Ein Wagnis: "Die Blechtrommel" als Ein-Personen-Stück

Stand: 20.10.2021 10:28 Uhr

Günter Grass' Roman "Die Blechtrommel" ist voll von besonderen Charakteren. Kann man ihn als Ein-Personen-Stück inszenieren?

von Larissa Dudek

Am Montagabend ging das Hamburger Theater Festival zu Ende, das dieses Jahr ausnahmsweise in kürzerer Version im Herbst veranstaltet wurde, statt im Frühling. Mit der international gefeierten Inszenierung des Berliner Ensembles von "Die Blechtrommel", des Erfolgsromans von Günter Grass, als Ein-Personen-Stück mit Nico Holonics im St. Pauli Theater.

Regisseur Reese: "Bei einem Monolog bin ich der einzige Partner"

Man kann es durchaus als Wagnis bezeichnen, den über 800 Seiten starken, fünf Jahrzehnte umspannenden Klassiker von Günter Grass mit seinen vielen Charakteren und Schauplätzen als Ein-Mann Stück zu inszenieren.

"Für mich als Regisseur ist ein Monolog deswegen toll, weil ich unglaublich viel arbeiten muss", sagt Regisseur Oliver Reese: "Bei mehreren Schauspielern machen die sehr viel unter sich aus. Als Regisseur sind sie aber beim Monolog der einzige Partner des Schauspielers und sie müssen immer hundertprozentig wach sein."

Günter Grass wusste von dem Projekt und fand es toll

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Aber dieses Wagnis geht mehr als auf. Nico Holonics ist einfach grandios in der Rolle des Oskar Matzerath, der mit drei Jahren beschließt, nicht mehr zu wachsen. Er tobt, winselt, stürmt und sprudelt über die Bühne, knapp zwei Stunden ohne Pause, zwei Stunden pure Intensität und Wortgewalt.

Kurz vor Günter Grass' Tod im Jahr 2015 haben die beiden ihn noch getroffen. "Wir haben ihn besucht, der Hauptdarsteller Nico Holonics und ich, in seinem Haus, kurz bevor er starb", erzählt Reese. "Er wusste also von dem Projekt. Er fand es toll und hat uns aber erzählt, dass er beim Schreiben mit der Hand schrieb, dann lautliest und danach erst abschreibt. Und dieses Laut Lesen, das Gestische, das merkt man dem Text an. Er ist ganz stark. 'Die Blechtrommel' ist nicht nur ein guter Roman, das ist auch ein Thema, das uns im Mark trifft, weil es um deutsche Geschichte geht. Es geht um Schuld, es geht um alle großen Menschheitsfragen."

Ein starker Abschluss des Hamburger Theater Festivals, das trotz abgespeckter Version mit großen Namen und großartigen Stücken das Hamburger Publikum begeistert hat.

 

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Buchtitel des Romans "Die Blechtrommel" © dpa Bildfunk Foto: Maurizio Gambarini

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Hamburg Journal | 19.10.2021 | 19:30 Uhr

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