Schauspielerin Nicole Heesters steht nach der Verleihung des Deutschen Theaterpreises auf der Bühne vom Staatstheater Hannover und hält ihre Auszeichnung "Der Faust" für ihr Lebenswerk in ihren Händen. © picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg

Deutscher Theaterpreis "Der Faust" würdigt innovative Formate

Stand: 21.11.2021 12:25 Uhr

Am Sonnabend wurde in der Staatsoper Hannover der Deutsche Theaterpreis "Der Faust" verliehen. Anders als sonst gab es keine Preise in einzelnen Kategorien. Stattdessen wurden besonders innovative Formate gewürdigt.

von Helgard Füchsel

Nur wenige Gäste verteilen sich in den Sitzreihen der Staatsoper Hannover. Auf der Bühne: ein Film auf einer großen Leinwand. Menschen in weißer Schutzkleidung lotsen Autofahrer in eine Tiefgarage. In den Autos sitzen Theaterbesucher. Sie fahren mit Lautsprechern im Auto an verschiedenen Schaufenstern vorbei: das Theaterstück "Die Methode" vom Deutschen Theater Göttingen.

Innovative Theaterkonzepte in Pandemiezeiten

Der Deutsche Bühnenverein ehrt 66 Inszenierungen und Projekte der vergangenen Spielzeit, die mit innovativen Konzepten schnell auf die Pandemie reagiert haben. Die Schauspielerin Tabitha Frehner und der Sänger Michael Kupfer-Radecky stellen als Moderatorin und Moderator sieben dieser Produktionen vor: "Sie gibt uns einen Moment, um innezuhalten, zu erinnern und zu überlegen, was wir aus dieser Zeit mitnehmen", sagt Frehner." "Vieles war mühsam, vieles schmerzlich, aber Kunst und Kultur waren da, weil wir zum täglich Brot einer Gesellschaft gehören", ergänzt Kupfer-Radecky.

Perspektivpreis für Orchester im Treppenhaus

Das Orchester im Treppenhaus aus Hannover bekommt den sogenannten Perspektivpreis. Es öffnet die Türen zu neuen Hörerlebnissen, meint die Jury. So können sich die Besucher beispielsweise selbst um die Musiker herum positionieren, erzählt Orchestermitglied Thomas Posth in einem Film: "Das Publikum kann mitbringen, was auch immer es will. Es kann sich ein Sofa oder ein Zelt mitbringen und wie in einem Flow-Erlebnis eine Stunde lang liegen, stehen oder tanzen."

Nicole Heesters erhält den "Faust" für ihr Lebenswerk

Witzige und spannende Projekte werden vorgestellt und auch solche, die eher ein Fragezeichen im Kopf hinterlassen. Ergänzt wurde das Programm durch Live-Auftritte - vom kunstvollen Duett aus einem Händeloratorium über modernen Tanz bis hin zum Auftritt einer Dragqueen mit Band. Immer wieder kommt am Abend das Digitale im Theater zur Sprache - wie neue digitale Formate mit Avataren wie im Computerspiel. Und schließlich gibt es noch den Preis für das Lebenswerk. In der Laudatio nimmt der Schauspieler und Theaterdirektor René Heinersdorff die Preisträgerin Nicole Heesters aufs Korn: "Vergibt man so einen Preis nicht am besten, wenn die auszuzeichnende Persönlichkeit gerade noch mitbekommt, dass sie ausgezeichnet wird, aber nicht mehr genau weiß, für was eigentlich?"

Nicole Heesters im Publikum hält sich vor Lachen und kommt schließlich auf die Bühne. Heesters: "Sie sehen vor sich einen glücklichen Menschen." Ein Film zeigt Ausschnitte aus ihrem vielseitigen Schaffen. Seit es den "Faust" gibt, habe sie sich immer gewünscht, dass sie ihn bekomme, sagt die 84-Jährige. "Aber ich habe nicht gedacht, dass es so früh passiert. Ich nehme ihn sehr dankbar an."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 21.11.2021 | 14:20 Uhr