Porträt von Uwe Johnson. © picture alliance / dpa | dpa

Uwe Johnson - Dichter der deutschen Teilung

Stand: 19.07.2021 18:00 Uhr

von Irene Altenmüller

Uwe Johnson: Der Kampf mit dem Selbst

Von 1966 bis 1968 lebt Johnson mit seiner Familie in New York, wo er als Schulbuchlektor arbeitet. Hier verfestigt sich auch seine Freundschaft zu der politischen Philosophin Hannah Arendt, die bis zu ihrem Tod 1975 halten sollte. In New York beginnt Uwe Johnson 1968 sein viel gerühmtes Hauptwerk, die "Jahrestage. Aus dem Leben der Gesine Cresspahl".

Der Schriftsteller Uwe Johnson 1973 © dpa Foto: Manfred Rehm
Uwe Johnson 1973. Nur ein Jahr später verfiel er in eine tiefe seelische Krise.

Der erste Band erscheint 1970, der zweite und dritte Teil schließen sich 1971 und 1973 an. 1974 zieht Uwe Johnson nach Sheerness-on-Sea auf der Themse-Insel Sheppey. Dort verfällt er in eine tiefe seelische Krise, die sich in einer fast zehn Jahre andauernden Schreibblockade manifestiert. 1979 ist der Autor Gastdozent für Poetik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Im selben Jahr erhält er den Thomas-Mann-Preis. 1983, ein Jahr vor seinem Tod, erscheint schließlich der vierte Band der "Jahrestage". Am 23. Februar 1984 stirbt Uwe Johnson in Sheerness-on Sea an Herzversagen. Seine Leiche wird erst knapp drei Wochen später, am 12. März, aufgefunden.

Uwe Johnson: "Dichter beider Deutschland"

Schon kurz nach dem Erscheinen seines ersten Romans ehrte die Literaturkritik Uwe Johnson mit dem Titel "Dichter beider Deutschland". Johnson selbst lehnte diese Festlegung ab: "Damit können sie mir gestohlen bleiben", so der Schriftsteller wörtlich.

Und doch trifft die Bezeichnung durchaus zu. Denn die deutsche Teilung und das, was die politischen Umstände mit den Menschen anstellen, wie sie in das Individuum hineinwirken, diese Themen sind zentrale Motive seines Werks. Die Schicksale von Johnsons Figuren sind, obgleich auch universell lesbar, sehr deutsche Schicksale.

Mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall hat Johnson mit seinem Werk zusätzlich an Bedeutung gewonnen - als Dokumentar des Traumas der deutsch-deutschen Teilung. Zu seinen Ehren wird bereits seit 1994 jährlich der Uwe-Johnson-Preis verliehen.

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