Stand: 20.07.2014 09:45 Uhr

Uwe Johnson - Dichter der deutschen Teilung

von Irene Altenmüller
Undatierte Aufnahme des Schriftstellers Uwe Johnson © dpa Foto: Binder
Uwe Johnson setzte mit seinen Romanen neue stilistische Maßstäbe in der Literatur.

Uwe Johnson gilt als derjenige deutsche Autor, der die Spaltung Deutschlands und seine Folgen für den Einzelnen am konsequentesten ins Zentrum seines Schaffens gestellt hat. Er selbst lernte beide deutsche Staaten kennen, kam als Flüchtlingskind nach Mecklenburg und kehrte der DDR als junger Schriftsteller den Rücken. Doch auch in der Bundesrepublik wurde er nie ganz heimisch. Vor 80 Jahren, am 20. Juli 1934, kam er zur Welt.

Die letzten zehn Jahre bis zu seinem Tod am 23. Februar 1984 verbrachte Johnson, der bis heute als einer der wichtigsten Schriftsteller Mecklenburgs gilt, in Sheerness-on-Sea, einem kleinen Ort nahe der Themsemündung in der englischen Grafschaft Kent.

Vom Flüchtlingskind zum gefeierten Autor

Uwe Johnson hat in seinem Leben mehrmals die Wohnorte gewechselt - nicht immer freiwillig. Johnson wird im pommerschen Kammin, im heutigen Polen, geboren. 1945 flieht er mit Mutter und Schwester nach Mecklenburg. Sein Vater war von der Roten Armee interniert worden und wird 1948 für tot erklärt. Die Familie baut sich eine neue Existenz in Güstrow auf, wo Johnson das Abitur macht. Er studiert zunächst in Rostock, wird jedoch exmatrikuliert, weil er eine Kampagne gegen die evangelische "Junge Gemeinde" öffentlich kritisiert. 1953 wird Johnson wieder an der Universität zugelassen. Er setzt sein Germanistik-Studium in Leipzig fort und macht dort 1956 sein Diplom.

Aufsehen erregender Debüt-Roman

1959 erscheint mit "Mutmassungen über Jakob" Johnsons erster Roman - nicht etwa bei einem Verlag in der DDR, sondern beim westdeutschen Suhrkamp-Verlag. Die Geschichte handelt von dem 28-jährigen Eisenbahner Jakob Abs, der von einer Lokomotive überrollt wurde. War es ein Unfall? Selbstmord? Oder gar ein politischer Mord? Johnson erzählt aus wechselnder Erzählperspektive und setzt damit stilistisch und formal neue Maßstäbe. Der Leser muss sich aus den bruchstückhaften Informationsfetzen - Dialogen, inneren Monologen, Berichten von Freunden und Gegnern - sein eigenes Bild des Geschehens machen.  

Undatierte Aufnahme des Schriftstellers Uwe Johnson © dpa Foto: Binder
Die Kritik feierte Uwe Johnson als "Dichter beider Deutschland" - er selbst lehnte diese Festlegung stets ab.

Sowohl wegen seiner neuartigen Erzählstruktur als auch wegen des zentralen Themas, das die Zerrissenheit des Einzelnen im geteilten Deutschland widerspiegelt, erregt der Roman großes Aufsehen. Er ist neben Günter Grass' "Blechtrommel" das literarische Ereignis des Jahres 1959. Im selben Jahr siedelt Johnson nach West-Berlin um. Fortan zählen die Kritiker Johnson zu den bedeutendsten zeitgenössischen Autoren. Johnson wird Mitglied der Gruppe 47 - gleichsam ein Ritterschlag innerhalb der deutschen Literaturszene. 1960 erhält er den Fontane-Preis der Stadt West-Berlin.

Vierzehn Tage vor dem Bau der Mauer in Berlin erscheint Johnsons zweiter Roman "Das dritte Buch über Achim". Es handelt von dem Versuch eines westdeutschen Journalisten, eine Biografie über das ostdeutsche Radsport-Idol Achim zu verfassen - und von seinem Scheitern, als er merkt, dass sich die Wahrheit nicht feststellen lässt. Wieder ist die deutsche Teilung zentrales Motiv der Erzählung, wie auch in seinem 1965 veröffentlichten Roman "Zwei Ansichten".

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 23.02.2014 | 19:30 Uhr

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